Internet: Cookie-Hinweis in Zukunft unnötig?

Internet: Kommt es zu Änderungen im Hinblick auf Cookie-Hinweise?
Internet: Kommt es zu Änderungen im Hinblick auf Cookie-Hinweise? ©APA/dpa/Lino Mirgeler (Symbolbild)
Datenschützer haben einen Wunsch: Sie möchten den Cookie-Hinweis unnötig machen. Eine Organisation hat ein Konzept präsentiert, das diesen Wunsch Realität werden lassen würde.
Mückstein zu Datenschutz

Die europäische Datenschutzorganisation Noyb hat ein technisches Konzept für Web-Browser vorgelegt, das die umstrittenen Cookie-Banner überflüssig machen würde. Zusammen mit der Wirtschaftsuniversität Wien veröffentlichte der Verein am Montag die technischen Details eines automatischen Browser-Signals, mit dem die Anwender festlegen können, welche Cookies sie akzeptieren wollen und welche nicht - und das ohne ein Cookie-Banner.

Cookies werden von Internetseiten hinterlegt

Cookies sind kleine Datensätze, die Webseiten hinterlegen, um die Nutzer identifizierbar zu machen. Mit ihrer Hilfe können individuelle Profile erstellt werden, die weitreichende Rückschlüsse über Surfverhalten, Vorlieben und Lebensgewohnheiten zulassen. Dieses Wissen wird dann etwa für personalisierte Werbung herangezogen.

Noyb mit hunderten Beschwerdeschreiben

"Unsere Lösung zeigt, dass eine nutzerfreundliche europäische Lösung für Datenschutzeinstellungen leicht umsetzbar ist", sagte der Vorsitzende von Noyb, Max Schrems, der Deutschen Presse-Agentur. Das nun vorgeschlagene System mit dem Namen "Advanced Data Protection Control" (ADPC) ist Teil einer breiter angelegten Kampagne von Noyb gegen Cookie-Banner, die in ihrer jetzigen Form nach Einschätzung des Vereins in der Regel rechtswidrig eine Zustimmung zum Tracking einfordern. Vor zwei Wochen verschickte Noyb in dieser Sache rund 560 Beschwerdeschreiben an Unternehmen in Europa und in den USA, über 10.000 sollen folgen.

Unterschiede zu Google sollen vorhanden sein

ADPC soll im Gegensatz zu Ansätzen von Google und anderen Browser-Anbietern aus den USA viel differenziertere Möglichkeiten zur Einwilligung und Ablehnung bieten. So sollen die Anwenderinnen und Anwender in der Lage sein, spezifische Einwilligungen für bestimmte Webseiten vorzunehmen.

Priorisierung von Anbietern vorstellbar

Denkbar sei auch, bestimmte Inhalteanbieter generell zu bevorzugen. "Viele Nutzer sind vermutlich bereit, mit Qualitätsmedien etwas mehr Daten zu teilen, aber wollen aber ihre Daten nicht an Hunderte externe Tracking-Firmen geben", sagte Schrems. Mit ADPC könne etwa ein Zeitungsverband eine Liste bewerben, mit der gewisse Daten durch Qualitätsmedien automatisch verarbeitet werden dürften. "Der Nutzer kann damit mit einem Klick gewisse Gruppen unterstützen."

Firefox-Plugin präsentiert

Am Montag stellte die Organisation eine Erweiterung (Plugin) für den Firefox-Browser vor, mit dem das neue Datenschutz-Browser-Signal auf Anwenderseite technisch ungesetzt wird. Eine Erweiterung für den Chrome-Browser von Google soll in Kürze folgen. Bei dem System müssen aber auch die Webseiten-Anbieter mitspielen. Noyb demonstriert auf der eigenen Site dataprotectioncontrol.org, wie das Verfahren aussehen kann.

Cookies: Vorgehensweise in Deutschland

In Deutschland hatte die schwarz-rote Regierungskoalition Ende Mai mit der Änderung des Telekommunikation-Telemedien-Datenschutz-Gesetz (TTDSG) einen eigenen Ansatz umgesetzt, damit künftig sämtliche Cookie-Banner entfallen können. Die Regierungskoalition hat in dem Gesetz festgelegt, dass das Speichern und Auslesen personenbezogener Informationen über die Browserdateien auf den Endgeräten der Nutzer nur noch dann zulässig ist, wenn die Betroffenen klar und umfassend informiert wurden und dann der Anfrage eindeutig zugestimmt haben.

Noyb ist in Wien zu Hause

Mit dem Gesetz werden Dienste wie "Personal Information Management Services" (PIMS) oder Single-Sign-on-Lösungen gefördert, die nutzerfreundliche und wettbewerbskonforme Verfahren für die Einwilligung zum Setzen von Cookies zu Werbezwecken bereitstellen. Zu den Single-Sign-on-Diensten, die künftig eine stärkere Bedeutung haben werden, gehören Verimi, NetID oder ID4me. Sie treten gegen die Login-Dienste großer US-Internetkonzerne wie Google, Facebook und Apple an.

Der Name der Nichtregierungsorganisation Noyb leitet von "None of your business" ("geht dich nichts an") ab. Der Verein sitzt in Wien und hat sich der Durchsetzung des Datenschutzes innerhalb der Europäischen Union verschrieben.

(APA/Red)

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