Intimpiercings: Warum es oft um mehr geht als man denkt
Intim- und Nippelpiercings erleben ein Comeback – auch in Vorarlberg. Für viele wirkt der Trend auf den ersten Blick wie reine Provokation oder ein modisches Statement.
Doch dieser Eindruck greift zu kurz.
In Gesprächen zeigt sich schnell: Hinter der Entscheidung stehen oft sehr persönliche Geschichten. Es geht um mehr als nur Schmuck – und um Gründe, über die viele lange nicht sprechen.
Video: Die häufigsten Fragen beantwortet
Vom Prinz Albert bis zur Klitorisvorhaut
"Die Nachfrage war eigentlich immer schon da", sagt Robert Bedjanic vom Faktor7, der seit rund 30 Jahren pierct. Mal würden mehr Männer kommen, mal mehr Frauen.
Bei Frauen werde vor allem das sogenannte vertikale Klitorisvorhaut-Piercing nachgefragt. "Das wird in die Tasche über der Klitoris gestochen und ist eigentlich das beliebteste Piercing in diesem Bereich", erklärt Bedjanic.
Bei Männern sei der "Prinz Albert" besonders gefragt. Dabei verläuft das Piercing durch die Harnröhre und tritt an der Unterseite wieder aus. "Das klingt härter, als es tatsächlich ist", sagt der Experte.
Grundsätzlich würden sich Kunden aus zwei Gründen für Intimpiercings entscheiden: aus ästhetischen Gründen oder weil sie sich davon ein intensiveres Empfinden beim Geschlechtsverkehr versprechen. "Bei den einen ist es wirklich Schmuck, bei den anderen soll es ein bisschen mehr Gefühl bringen."
Kaum Schmerzen, schnelle Heilung
Viele Menschen hätten vor allem Angst vor den Schmerzen. Laut Bedjanic sei diese Sorge meist unbegründet. Das beliebte Klitorisvorhaut-Piercing sei beispielsweise "wie ein Ellenbogenanschlag". Der eigentliche Stich dauere nur eine bis zwei Sekunden.
Überraschend sei für viele auch die Heilung. "Der Intimbereich ist sehr stark durchblutet. Dadurch heilt das normalerweise recht gut ab", erklärt er.
Anders sehe es bei Brustwarzenpiercings aus. "Das Brustpiercing tut recht weh beim Stechen", räumt er ein. Mit entsprechender Pflege verlaufe die Heilung jedoch meist problemlos.
Nippelpiercings feiern ihr Comeback
Ein Trend, den auch Bedjanic aktuell beobachtet, sind Nippelpiercings. Während früher oft nur eine Brustwarze gepierct wurde, setzen viele heute auf Symmetrie. "Mittlerweile macht man meistens beide Seiten." Neben der Optik könne sich ein Nippelpiercing laut Bedjanic auch auf die Empfindlichkeit der Brustwarze auswirken.
Wenn ein Piercing sogar helfen kann
Nippelpiercings werden laut Bedjanic nicht immer nur aus optischen Gründen gestochen. In manchen Fällen könnten sie Frauen mit sogenannten Schlupfwarzen helfen.
"Manche Frauen trauen sich 10, 15 oder sogar 20 Jahre lang nicht, den BH auszuziehen", erzählt er. Durch ein Piercing könne die Brustwarze teilweise dauerhaft nach außen geholt werden. "Das ist für manche psychisch ein sehr wertvoller Schritt."
Aufruf: Intimpiercing oder Tattoo-Träger gesucht
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Intim-Tattoos bleiben die Ausnahme
Deutlich seltener seien mittlerweile Intim-Tattoos. Wenn solche Motive gewünscht werden, gehe es laut Bedjanic häufig in Richtung Fetisch oder um die Darstellung der sexuellen Orientierung.
Dabei sind nicht nur die Grenzen des Studios wichtig, sondern auch der Schutz der Mitarbeiterinnen. "Bei uns arbeiten derzeit Tätowiererinnen. Da gibt es Motive oder Texte, bei denen ich sage: Das geht nicht", erklärt Bedjanic. Extreme oder besonders sexualisierte Motive würden deshalb bewusst abgelehnt.
Wie viele Piercings jemand trägt, sei letztlich reine Geschmackssache. Entscheidend sei vor allem, dass Hygiene, Beratung und Nachsorge stimmen. "Wenn man die Pflegeanleitungen einhält, hat man im Normalfall kein Problem damit."
Factbox: Das sollte man bei Intimpiercings beachten
Intimpiercings sollten nur in professionellen Studios mit steriler Arbeitsweise und ausführlicher Beratung gestochen werden. Wichtig sind hygienische Bedingungen, geeigneter Erstschmuck und konsequente Nachsorge.
Mögliche Risiken:
- Infektionen an der Einstichstelle
- Blutungen, Schwellungen und Schmerzen
- Allergische Reaktionen auf Schmuckmaterialien
- Narbenbildung oder Einreißen des Gewebes
- Reizungen durch Reibung, Sport oder sexuelle Aktivität
Während der Heilung beachten:
- Piercing nur mit sauberen Händen berühren
- Pflegeanweisungen des Studios genau einhalten
- Auf unnötige Reibung und Druck verzichten
- Bei starker Rötung, Eiter, Fieber oder anhaltenden Schmerzen ärztlich abklären lassen
Gut zu wissen:
Der Intimbereich ist besonders gut durchblutet. Dadurch heilen viele Intimpiercings oft schneller als andere Körperpiercings. Die vollständige Heilung kann dennoch mehrere Wochen bis Monate dauern.
Bei Unsicherheiten oder Beschwerden sollte man sich an ein professionelles Studio, eine Expertin oder einen Experten oder an einen Arzt wenden.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen, Beschwerden oder Komplikationen solltest Du dich an einen Arzt wenden.
(VOL.AT)