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Italienischer Tierschutzverein kritisiert Österreich nach Wolfstötung

Ein Wolf im Wolf Science Center in Ernstbrunn (Niederösterreich). Das Foto zeigt nicht den in Tirol getöteten Forschungswolf „Mirco“. (Archivbild)
Ein Wolf im Wolf Science Center in Ernstbrunn (Niederösterreich). Das Foto zeigt nicht den in Tirol getöteten Forschungswolf „Mirco“. (Archivbild) ©APA/HANS KLAUS TECHT
Nach dem Abschuss eines aus Italien stammenden Wolfs in Tirol hat die Tierschutzorganisation "Io non ho paura del lupo" ("Ich habe vor dem Wolf keine Angst") scharfe Kritik an Österreich geübt.

Der Verein mit Sitz in der norditalienischen Stadt Parma wirft Österreich eine zunehmend aggressive Wolfsmanagement-Politik vor und fordert eine umfassende Untersuchung des Falls.

Wolf war mit Satellitenhalsband ausgestattet

Bei dem getöteten Tier handelte es sich nach Angaben der Organisation um einen jungen Wolf namens Mirco. Das Tier war mit einem Satellitenhalsband ausgestattet und Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts, das vom Nationalpark der Dolomiten der Provinz Belluno und der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Sassari koordiniert wird.

Ziel des Projekts war die Untersuchung der Wanderbewegungen junger Wölfe und deren Bedeutung für die Ausbreitung der Art sowie den genetischen Austausch zwischen Populationen.

Organisation kritisiert Österreichs Wolfsmanagement

Besonders brisant erscheint der Fall nach Darstellung der Organisation, weil der abgeschossene Wolf möglicherweise nicht jenes Tier war, auf das sich eine Anfang Juni von den Tiroler Behörden erlassene Abschussgenehmigung bezog. Die Anordnung war nach Sichtungen eines Wolfs in der Nähe von Wohnhäusern in der Gemeinde Schlitters im Zillertal ergangen.

Der wissenschaftliche Leiter des Forschungsprojekts, Marco Apollonio, erklärte nach Angaben der Organisation in einem Interview mit dem Onlineportal "Il Dolomiti", die Daten des Satellitenhalsbands zeigten, dass sich Mirco zum Zeitpunkt des Erlasses der Abschussverfügung noch in Südtirol befunden habe. Erst in den folgenden Tagen sei der Wolf nach Tirol eingewandert. Die italienischen Forscher hätten die österreichischen Behörden über die Ankunft und die Bewegungen des Tieres informiert.

Den aufgezeichneten Daten zufolge durchquerte Mirco die Gegend bei Schlitters in den Nachtstunden und hielt sich anschließend mehrere Tage in einem abgelegenen Berggebiet in Höhenlagen zwischen 1.900 und 2.100 Metern auf. Dort habe er sich weit entfernt von Siedlungen aufgehalten. Sollten sich diese Angaben bestätigen, wäre nach Auffassung der Organisation ein Wolf getötet worden, der kein auffälliges Verhalten gezeigt habe. Dies werfe Fragen zur Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit der Maßnahme auf.

Wolf Mirco war Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts

Besonders kritisch bewertet der Verein die Tatsache, dass Mirco Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts war und die österreichischen Behörden über dessen Anwesenheit informiert worden sein sollen. Es müsse geklärt werden, ob die im Rahmen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit übermittelten Daten möglicherweise direkt oder indirekt zur Lokalisierung des Tieres genutzt wurden.

Nach Ansicht der Organisation stellt der Abschuss nicht nur einen problematischen Eingriff in das Wolfsmanagement dar, sondern bedeute auch einen Verlust für die Forschung. In das Projekt seien über Monate erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen investiert worden. Mit dem Tod des Tieres seien wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse verloren gegangen.

Der Verein sah in dem Fall einen Beleg für eine zunehmend harte Linie Österreichs im Umgang mit Wölfen. Genehmigte Abschüsse würden nach seiner Einschätzung immer häufiger unter umstrittenen Umständen erteilt. Voraussetzung seien jedoch eine eindeutige Identifizierung der betroffenen Tiere, belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse und verhältnismäßige Maßnahmen.

Die Organisation kündigte an, den Fall rechtlich prüfen zu lassen. Zudem wolle sie die italienischen Behörden, die beteiligten Forschungseinrichtungen sowie das Umweltministerium in Rom auffordern, den Vorgang aufzuklären und mögliche Verantwortlichkeiten zu untersuchen. Darüber hinaus soll der Fall nach Angaben des Vereins der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Dabei solle geprüft werden, ob die österreichischen Behörden die europäischen Vorschriften für Ausnahmen beim Schutzstatus von Wölfen eingehalten haben und ob gegebenenfalls ein Vertragsverletzungsverfahren in Betracht kommt.

(APA)

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