Trotz leichter Verbesserungen verliert Vorarlberg im europäischen Standortvergleich an Boden.
Mehr als 350 Vertreter aus Industrie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kamen am Montagabend zum traditionellen Sommerempfang der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg und der Jungen Industrie in den Business Club des SCR Altach. Unter dem Motto "Leistung" stellte die Interessenvertretung die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Vorarlberg in den Mittelpunkt.
IV-Geschäftsführer Simon Kampl verwies dabei auf die Bedeutung des internationalen Vergleichs. "Am Ende zählt, wo wir im Vergleich zu anderen Regionen stehen", sagte er.
Eigenes Ranking zeigt Rückgang
Grundlage der Präsentation war eine von der IV Vorarlberg erstellte Auswertung des Regional Competitiveness Index (RCI) der Europäischen Kommission. Da die offiziellen Ergebnisse für 2026 erst im Herbst veröffentlicht werden, analysierte die IV nach eigenen Angaben die aktuell verfügbaren Daten der 234 europäischen Regionen und erstellte daraus ein aktualisiertes Ranking.
IV-Präsident Elmar Hartmann präsentierte die Ergebnisse: Vorarlberg liegt demnach derzeit auf Platz 66 von 234 Regionen. Der Indexwert sei zwar von 110,6 auf 113,7 gestiegen, dennoch habe das Bundesland gegenüber 2022 mehrere Plätze verloren.
"Wir machen zwar leichte Fortschritte. Aber andere sind schneller. Wenn wir drei Schritte nach vorne machen und die anderen fünf – dann fallen wir zurück. Genau das passiert derzeit", sagte Hartmann.
Vergleich mit Industrieregionen
Zusätzlich verglich die IV Vorarlberg mit 83 europäischen Regionen, die laut ihren Angaben eine ähnliche Wirtschaftsstruktur und einen hohen Industrieanteil aufweisen. In diesem Vergleich belegt Vorarlberg Rang 34. Im Jahr 2022 lag das Land noch auf Platz 29.
Nach Einschätzung der IV haben sich Kennzahlen wie Produktivität, Beschäftigung und Bildungsabschlüsse zwar verbessert. Gleichzeitig sieht die Interessenvertretung Nachholbedarf bei digitalen Kompetenzen, der Basisbildung sowie bei der wirtschaftlichen Nutzung von Innovationen.
"Unser Standort ist grundsätzlich solide aufgestellt. Aber im Vergleich fehlt zunehmend die Dynamik. Die Analyse zeigt sehr klar: Der Reformstau in der Politik wird immer sichtbarer – während andere Regionen schneller handeln und damit an uns vorbeiziehen", so Hartmann.
Dänemark als Vorbild
Als Beispiel für erfolgreiche Standortpolitik nennt die IV Dänemark. Alle fünf dänischen Regionen würden konstant im oberen Drittel europäischer Wettbewerbsrankings liegen. Auch im IMD World Competitiveness Ranking 2026 schneide Dänemark mit Platz sechs deutlich besser ab als Österreich, das auf Rang 29 liegt.
Nach Ansicht der IV unterscheiden sich beide Länder unter anderem bei staatlichen Strukturen, der Kinderbetreuung, dem Pensionssystem sowie der Organisation des Gesundheitswesens. "Dänemark steht vor den gleichen Herausforderungen wie wir – Demografie, Fachkräftemangel oder Energiekosten. Der Unterschied liegt nicht in den Problemen, sondern im Umgang damit – und in konsequenten Reformen", sagte Hartmann.
IV fordert mehr Reformtempo
Aus Sicht der Industriellenvereinigung sind effiziente staatliche Strukturen, Investitionen in Bildung und Innovation sowie langfristige politische Entscheidungen entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
"Leistung ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Entscheidungen. Und diese Entscheidungen müssen getroffen werden", betonte Hartmann. Mit Blick auf das Jahr 2030 appellierte er an Politik und Gesellschaft, notwendige Strukturreformen rasch umzusetzen, um Vorarlbergs Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
(VOL.AT)