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Jäger Bau erwartet für heuer eine Trendwende

Geschäftsführer Christoph Grass vor der Firmenzentrale in Bludenz
Geschäftsführer Christoph Grass vor der Firmenzentrale in Bludenz ©Jäger Bau
Nach herausfordernden Jahren sieht das Bludenzer Bauunternehmen Licht am Ende des Tunnels.

Mit einer neuen Serie blicken wir hinter die Zahlen der heimischen Wirtschaft. Regelmäßig analysieren wir veröffentlichte Jahresabschlüsse von Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Heute in Teil 19: die Jäger Bau GmbH.

"Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist es 2025 gelungen, sowohl die Umsatz- als auch die Ertragslage geringfügig zu steigern", sagt Christoph Grass, Geschäftsführer der Jäger Bau GmbH. Für 2026 kündigt er eine "deutliche Trendwende" ins Positive an. Sorgenkind bleibe die "allgemeine Verunsicherung im regionalen Wohnungsmarkt, die objektiv eigentlich nicht zu begründen ist".

Die Jäger Bau GmbH mit Sitz in Bludenz ist im klassischen Hoch- und Tiefbau, in der Projektentwicklung und im Untertagebau tätig, mit Zweigniederlassungen in Deutschland, Griechenland und den Niederlanden.

Konjunkturflaute belastet auch das Ergebnis von Jäger Bau. Der Blick in die Zukunft bleibt optimistisch. ©Jäger Bau

100 Millionen Euro Bauvolumen

Der jüngst veröffentlichte Jahresabschluss 2024 zeigt auf den ersten Blick ein dramatisches Bild: Die Umsatzerlöse sanken von 71 auf 48 Mio. Euro. Dieser Einbruch täuscht jedoch. Großprojekte dürfen erst bei Fertigstellung als Umsatz gebucht werden, auch wenn die Baustelle läuft. Die aussagekräftigere Betriebsleistung, die solche Verschiebungen herausrechnet, ging 2024 um rund zwölf Prozent auf 60 Mio. Euro zurück, ein realer, aber weitaus moderaterer Rückgang. Zudem scheinen Großvorhaben in Arbeitsgemeinschaften (ARGE) in der Bilanz oft gar nicht als Umsatz auf. "Aufgrund unterschiedlicher Einflüsse können die Umsätze von Jahr zu Jahr stark schwanken", erklärt Grass. Als realistischere Kenngröße nennt er ein bereinigtes Bauvolumen von rund 100 Mio. Euro, für 2026 in ähnlicher Höhe erwartet.

Größe & Struktur

Umsatz- und Bilanzentwicklung

Der Umsatz erreichte 2021 mit 88 Mio. Euro seinen Höhepunkt und ging seither kontinuierlich zurück – auf zuletzt 47 Mio. Euro im Jahr 2024. Die Bilanzsumme stieg dagegen stetig auf 114 Mio. Euro, getragen von Investitionen in die Projektentwicklung und fremdfinanzierten Bauvorhaben. Das Eigenkapital blieb mit rund 38 Mio. Euro stabil.

Mitarbeiterentwicklung

Die Mitarbeiterzahl ist seit dem Höchststand 2020 mit 320 Beschäftigten rückläufig und lag 2024 bei 261. Der Rückgang verläuft moderat und parallel zur sinkenden Betriebsleistung der letzten Jahre.

Ergebnis unter Druck

Profitabel blieb Jäger Bau auch 2024, wenngleich der Gewinn deutlich schrumpfte. Der Jahresüberschuss lag bei rund 1,0 Mio. Euro (2023: 2,4 Mio.), das Betriebsergebnis bei 1,8 Mio. Euro (2023: 2,8 Mio.).

Ergebnis & Rentabilität

Gewinnentwicklung

Das Rekordjahr 2021 sticht klar heraus: Der operative Gewinn erreichte mit 9,9 Mio. Euro seinen Höhepunkt, der Jahresüberschuss lag bei 7,4 Mio. Euro. Seither ist ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten. Der operative Cashflow schwankt stark und war 2023 und 2024 deutlich negativ, was die laufende Vorfinanzierung von Großprojekten widerspiegelt.

Rentabilitätskennzahlen

Die operative Gewinnmarge erreichte 2021 mit rund 11 Prozent ihren Höchststand und ging seither kontinuierlich zurück. 2024 lag sie bei rund 4 Prozent. Die Eigenkapitalrendite folgt demselben Muster. Der Rückgang spiegelt den gestiegenen Kostendruck und die schwächere Auslastung im Baubereich wider.

Parallel stiegen die Zinsaufwendungen auf 2,4 Mio. Euro und die Bankverbindlichkeiten auf 54 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote sank auf rund 34 Prozent, das Eigenkapital in absoluten Zahlen blieb mit 38 Mio. Euro stabil. Der starke Anstieg der unfertigen Erzeugnisse auf 17 Mio. Euro (2023: 6 Mio.) gibt keinen Anlass zur Sorge: "Dies hängt mit mehrjährigen Großprojekten zusammen, welche zum Bilanzstichtag planmäßig nicht fertiggestellt wurden", so Grass.

Bilanzstruktur

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote sank 2024 auf rund 34 Prozent, nachdem sie jahrelang bei soliden 37 bis 38 Prozent lag. Ursache ist die fremdfinanzierte Projektentwicklung: Die Bilanzsumme wuchs deutlich, das Eigenkapital blieb mit 38 Mio. Euro stabil. Der Nettoverschuldungsgrad stieg von 37 Prozent (2021) auf 141 Prozent (2024).

Cash unter Druck

Dass diese Vorfinanzierungsstrategie ihren Preis hat, zeigt der operative Cashflow. In den Jahren 2023 und 2024 flossen operativ zusammen über 13 Mio. Euro ab, das Geld steckt in Projekten, die noch nicht abgerechnet werden konnten. Den Liquiditätsbedarf deckte Jäger Bau über Bankkredite.

Beteiligungen als Wachstumshebel

Strategisch setzt Jäger Bau auch auf Beteiligungen. Der Wert der Anteile an verbundenen Unternehmen stieg 2024 auf 5,3 Mio. Euro (2023: 4,2 Mio.). "Durch strategische Zukäufe ergeben sich Möglichkeiten, Synergien zu nutzen und die Wertschöpfungstiefe weiter zu steigern", sagt Grass.

Zwei Unsicherheitsfaktoren bleiben: verhaltene Stimmung im Wohnbau und gedämpfte Entwicklung im Tunnelbau durch Budgetkürzungen des Bundes. Positiv: Die Grundstückspreise hätten sich normalisiert, Kostentreiber seien dagegen steigende technische Anforderungen und der wachsende Gestaltungsanspruch der öffentlichen Hand.

"Für 2026 erwarten wir eine deutliche Trendwende"

Interview mit Christoph Grass, Geschäftsführer Jäger Bau

Christoph Grass, Geschäftsführer Jäger Bau GmbH ©Jäger Bau

VN: Das Geschäftsjahr 2024 war laut Einzelabschluss von einem Ergebnisrückgang und Rückstellungen geprägt. Wie ist es Jäger Bau im nun abgelaufenen Jahr 2025 ergangen? Wie sieht Ihr Ausblick für das Geschäftsjahr 2026 aus?

Christoph Grass: Wie in den Vorjahren waren die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen 2025 in der Baubranche bekanntermaßen schwierig. Trotzdem ist es gelungen, sowohl die Umsatz- als auch die Ertragslage geringfügig zu steigern. Für das Wirtschaftsjahr 2026 sind wir optimistisch und erwarten eine deutliche Trendwende. Sorgenkind bleibt jedoch die allgemeine Verunsicherung im regionalen Wohnungsmarkt, die objektiv eigentlich nicht zu begründen ist. Der Bereich Tunnelbau ist in der Regel von kurzfristigen Konjunkturbewegungen ausgenommen, allerdings ist die Entwicklung durch einige budgetäre Maßnahmen der Bundesregierung aktuell verhalten.

VN: Wenn man in Ihre Bücher schaut, wirkt der Umsatz oft niedriger, als Ihre tatsächliche Leistung auf den Baustellen vermuten lässt. Das liegt daran, dass die Millionen aus großen Tunnelbau-Arbeitsgemeinschaften in der offiziellen Umsatzkennzahl gar nicht aufscheinen. Wie groß ist das Bauvolumen, das Jäger Bau inklusive der ARGE-Anteile jährlich tatsächlich bewegt und wie voll sind Ihre Auftragsbücher für 2026?

Christoph Grass: Es ist richtig, dass die Umsätze in den UGB-Bilanzen aufgrund unterschiedlicher Einflüsse (ARGE-Umsätze, Fertigstellungszeitpunkt von Großprojekten etc.) von Jahr zu Jahr stark schwanken können. Bereinigt beträgt das jährliche Bauvolumen der Jäger Bau GmbH rund 100 Millionen Euro. Für das Jahr 2026 erwarten wir ein ähnlich hohes Bauvolumen, wobei es im Auftragsmix zu einigen Verschiebungen innerhalb der Unternehmensbereiche kommen wird.

VN: In der Bilanz hat der Posten "unfertige Erzeugnisse" zuletzt deutlich zugenommen. Steht dahinter eine gute Auslastung mit Projekten, die 2025/2026 zur Abrechnung kommen, oder gab es Verzögerungen bei Abnahmen und Fertigstellungen?

Christoph Grass: Dies hängt im Wesentlichen mit mehrjährigen Großprojekten zusammen, die zum Bilanzstichtag planmäßig nicht fertiggestellt wurden. Es gibt aktuell bei keinem relevanten Bauprojekt der Jäger Bau GmbH außerplanmäßige Verzögerungen bei Abnahmen und Fertigstellungen.

VN: Ein Blick in den Einzelabschluss zeigt, dass der Wert der Finanzanlagen/Beteiligungen deutlich gestiegen ist. Welche strategische Rolle spielen Beteiligungen inzwischen für Jäger Bau?

Christoph Grass: Durch strategische Zukäufe und Beteiligungen ergeben sich Möglichkeiten, Synergien zu nutzen und die Wertschöpfungstiefe innerhalb der Unternehmensgruppe weiter zu steigern.

VN: Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern, damit Bauen in Vorarlberg wieder leistbarer und planbarer wird und welche Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht am wirksamsten?

Christoph Grass: Angesprochen auf den Wohnbau ist festzustellen, dass sich die kurzfristig stark überteuerten Grundstückspreise wieder normalisiert haben und sich dies auf längere Sicht auch in günstigeren Wohnungspreisen niederschlagen wird. Die Baukosten an sich werden wesentlich durch immer höhere technische Anforderungen getrieben und nicht zuletzt auch durch den Wunsch der öffentlichen Hand, stark in die Gestaltung der Gebäude einzuwirken. Bei einigen Projekten gelingt es uns erfreulicherweise trotzdem, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.

103 Millionen Umsatz im Konzern

Die Jäger Bau GmbH ist Teil der Jäger Beteiligungs GmbH, die neben dem Baugeschäft auch Transport- und Logistikunternehmen unter ihrem Dach vereint – darunter die Staubgut-Spezialistin STAG sowie mehrere Schweizer und italienische Tochtergesellschaften. Der Konzern beschäftigt rund 467 Mitarbeitende. Im Konzernabschluss 2024 weist die Jäger Beteiligungs GmbH einen Gesamtumsatz von 102,7 Mio. Euro aus (2023: 128,9 Mio.), wovon je rund die Hälfte auf Bau- und Transportleistungen entfällt. Auf Konzernebene stand unter dem Strich ein Jahresfehlbetrag von 1,7 Mio. Euro, nach einem Überschuss von 1,1 Mio. Euro im Vorjahr. Die Bilanzsumme des Konzerns stieg auf 140,7 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote lag bei 36,7 Prozent.

KONZERNBILANZ:

Größe & Struktur

Umsatz- und Bilanzentwicklung

Der Konzernumsatz erreichte 2021 und 2022 mit rund 138 Mio. Euro seinen Höhepunkt und ist seither rückläufig. 2024 sank er auf 102,7 Mio. Euro. Die Bilanzsumme stieg dennoch weiter auf 140,7 Mio. Euro. Das Eigenkapital ging 2024 auf 50,4 Mio. Euro zurück, nachdem auf Konzernebene ein Jahresfehlbetrag ausgewiesen wurde.

Mitarbeiterentwicklung

Die Mitarbeiterzahl des Konzerns blieb über die Jahre bemerkenswert stabil und lag 2024 bei 467 Beschäftigten. Nach einem leichten Rückgang ab 2021 hat sich die Personalstruktur auf diesem Niveau eingependelt.

Ergebnis & Rentabilität

Gewinnentwicklung

Das Rekordjahr 2021 sticht klar heraus: Der operative Konzerngewinn erreichte mit 11,7 Mio. Euro seinen Höhepunkt, der Jahresüberschuss lag bei 7,2 Mio. Euro. Seither ist ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten. Der operative Cashflow war 2023 und 2024 deutlich negativ, was die laufende Vorfinanzierung von Bauprojekten widerspiegelt.

Rentabilitätskennzahlen

Die operative Gewinnmarge erreichte 2021 mit rund 8 Prozent ihren Höchststand und ist seither stark rückläufig. 2024 lag sie auf Konzernebene bei einem Prozent. Die Eigenkapitalrendite drehte 2024 ins Negative. Der Rückgang spiegelt den anhaltenden Preisdruck im Baubereich sowie schwächere Ergebnisse im Transportgeschäft wider.

Bilanzstruktur

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote des Konzerns lag zwischen 2019 und 2023 stabil zwischen 36 und 42 Prozent. 2024 sank sie auf rund 36 Prozent, weil die Bilanzsumme durch steigende Bankverbindlichkeiten und Projektvorfinanzierungen zulegte, während das Eigenkapital zurückging. Der Nettoverschuldungsgrad stieg von 27 Prozent (2021) auf 113 Prozent (2024) – ein Zeichen der zunehmenden Fremdfinanzierung auf Konzernebene.

(VN/VOL.AT)

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