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Junge haben zunehmend Probleme mit analoger Uhr: „Ist der Handy-Akku leer, wissen sie nicht, wie spät es ist“

Analog oder digital? Viele Heranwachsende kennen sich mit einem Zifferblatt nicht mehr aus.
Analog oder digital? Viele Heranwachsende kennen sich mit einem Zifferblatt nicht mehr aus. ©VOL/Rausch
Am Wochenende wird wieder an den Uhren gedreht. Doch viele Kinder und Jugendliche haben zunehmend Probleme, die Uhrzeit zu lesen. Grund: Das analoge Zifferblatt wird zur Herausforderung. Ein Lokalaugenschein in einer Dornbirner Mittelschule.

Zweimal im Jahr wird an der Uhr gedreht, so auch an diesem Wochenende. Während sich viele routiniert auf die Sommerzeit einstellen, zeigt sich bei Kindern und Jugendlichen ein anderes Problem: Sie tun sich zunehmend schwerer, überhaupt die analoge Uhr zu lesen. VOL.AT hat die Mittelschule Dornbirn Haselstauden besucht und sich bei Schülern und Schulleitung umgehört.

"Die neue Generation schaut nur mehr auf die digitale Uhr", sagt Alperen.
„Die jüngere Generation schaut nur mehr auf die digitale Uhr“, sagt Alperen. ©VOL/Rausch

Was bei den Gesprächspartnern sofort auffällt: Alle drei tragen keine Armbanduhr. „Die Jüngeren sind nicht mehr in der Lage, eine analoge Uhr zu lesen“, sagt Alperen (15), der die neunte Stufe besucht. „Mein elfjähriger Cousin zum Beispiel kann nur eine digitale Uhr lesen. Die jüngere Generation macht das so.“

„Jüngere schauen auf ihr Handy“

Sophia (15) bestätigt den Eindruck: „In meiner Klasse können die meisten die Uhr lesen, aber viele Freunde nicht. Normalerweise lernt man das ja in der Volksschule.“ Ein Nachteil sei das durchaus: „Die Jüngeren wollen das gar nicht mehr, weil sie aufs Handy schauen. Sie bekommen ja viel früher ein Smartphone.“ Viele würden analoge Uhren zwar tragen, „aber nur aus modischen Gründen“, sagt sie. „Wenn man sie fragt, wie spät es ist, schauen sie aufs Handy.“

"Ich kenne viele, die eine analoge Uhr tragen, sie aber nicht lesen können", sagt Sophia.
„Ich kenne viele, die eine analoge Uhr tragen, sie aber nicht lesen können“, sagt Sophia. ©VOL/Rausch

Dass die Uhr dennoch weiterhin unterrichtet wird, zeigt ein Blick in die unteren Schulstufen. „Mein Nachbar geht in die erste oder zweite Klasse Volksschule, der lernt die analoge und digitale Uhr“, berichtet Niklas (14).

"Mein Nachbar geht in die erste oder zweite Klasse Volksschule, der lernt die analoge und digitale Uhr", berichtet Niklas.
„Mein Nachbar geht in die erste oder zweite Klasse Volksschule, der lernt die analoge und digitale Uhr“, berichtet Niklas. ©VOL/Rausch

Im Alltag werde das fehlende Verständnis aber schnell zum Problem, erzählt Sophia: „Bei einer Schularbeit fragte eine Mitschülerin, wie lange wir noch Zeit haben. Die Lehrerin sagte: ‚Schau auf die Wanduhr.‘ – aber sie konnte sie nicht lesen.“ Auch Begriffe wie 'halb zwei' würden viele nicht mehr verstehen.

Probleme im Mathe-Unterricht

Wie beurteilt der Schulleiter diese Tendenz? „Als Mathematik-Lehrer stelle ich immer wieder fest, dass Schüler Probleme haben, sich eine Uhr vorzustellen“, schildert Christian Purin (55) im Gespräch. „Wenn in Textaufgaben Winkel im Zusammenhang mit der Uhr vorkommen, schaffen sie es nicht, sich diese im Kopf vorzustellen oder eine Skizze davon zu machen. Denn auch hier muss man sich mit der analogen Uhr auskennen.“

Kritisch sei es aber auch im Englisch-Unterricht: Wenn sich Schüler auf Deutsch nicht vorstellen können, was ‚halb zwei‘ heißt, könnten sie die Uhrzeit auch auf Englisch nicht lernen (half past one), so Purin. Begriffe wie ‚Viertel‘, ‚halb‘ und ‚dreiviertel‘ würden die Jüngeren nicht mehr verstehen.

"Viertel, Halb, Dreiviertel - diese Begriffe verstehen die Jüngeren nicht mehr", erklärt Direktor Purin.
„Viertel, Halb, Dreiviertel – diese Begriffe verstehen die Jüngeren nicht mehr“, erklärt Direktor Purin. ©VOL/Rausch

In Haselstauden hängt in jedem Klassenzimmer eine große analoge Wanduhr. In der Früh müssen alle Schüler ihr Handy abgeben und bekommen es wieder nach Ende des Vormittags- oder Nachmittagsunterrichts.

„Analoge Uhren sind im Alltag überall präsent, etwa am Bahnhof, in der Schule oder in der Kirche. Aber wenn es nicht mehr praktiziert wird, kommt das Lesen der Uhr wieder in Vergessenheit.“

Wird die Methode des Uhrlesens also bald aussterben? „Und ich bin überzeugt, dass diese Technik, die die Schweizer Uhren-Experten damals bis ins letzte Detail ausgetüftelt haben, niemals verloren geht. Rolex wird nie digitale Uhren produzieren.“

Umstellung auf Sommerzeit

Ganz praktisch wird dieses Wissen schon am Wochenende wieder gebraucht: In der Nacht von Samstag auf Sonntag beginnt die Sommerzeit. Bedeutet: Um zwei Uhr nachts werden die Zeitmesser um eine Stunde vorgestellt, also auf drei Uhr. Eingeführt wurde die Sommerzeit 1973 in Europa anlässlich der Ölkrise und mit dem Hintergrund, Energie zu sparen. Mit diesem Konzept sollte eine Stunde Tageslicht gewonnen werden.

Die Abschaffung der Zeitumstellung wird seit Jahren diskutiert, politisch aber nicht umgesetzt. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Market zeigt: 80 Prozent der Österreicher wollen ein Ende der halbjährlichen Zeitumstellung. Für die repräsentative Umfrage wurden im März 1.000 Personen ab 16 Jahren online befragt.

Auffällig beim Ergebnis: Viele wissen nicht einmal, in welche Richtung umgestellt wird, besonders Jüngere haben hier Probleme. Gleichzeitig unterstützen gerade sie häufiger die Beibehaltung – trotz größerer Umstellungsprobleme. Hauptgrund für die Zustimmung: längere, hellere Abende.

(VOL.AT/Rausch)

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