Ungewöhnliches Gastro-Konzept in Feldkirch begeistert Gäste
Manchmal muss man zweimal hinschauen, um sicherzugehen, dass man sich nicht verlesen hat. "2,40 Euro – Kaffee zum Preis wie früher", steht auf einer Tafel vor dem Gasthof Löwen Tisis. Während der beliebte Muntermacher in Vorarlberg im Schnitt zwischen 3,50 und 4 Euro kostet, wird er im Feldkircher Traditionsgasthaus um nur 2,40 Euro angeboten.
Wie er auf diese ungewöhnliche Idee gekommen ist, erklärt Geschäftsführer Hakan Morel (61): "Überall ist alles teurer geworden und ich habe mir von Anfang an gedacht: Du kannst nicht alle sechs Monate deine Preise erhöhen."
Im September 2023 übernahm der 61-Jährige die bekannte Braugaststätte unweit des Landeskrankenhauses. Seitdem führt er das Traditionsgasthaus mit sichtbarer Leidenschaft. Während des Gesprächs im gemütlichen Gastgarten begrüßt und verabschiedet er jeden Gast aufmerksam und zuvorkommend.
Der Schweizer ist gelernter Feinmechaniker und Quereinsteiger in der Gastronomie. Großen Wert legt der aufgeweckte Gastwirt auf seine Stammtische. Höhepunkt der Woche ist der Donnerstag, an dem ein Jass-Abend stattfindet.
"Ich will, dass meine Gäste dreimal pro Woche zu mir kommen und nicht nur einmal", sagt Morel. Deshalb hielt er seine Preise drei Jahre lang stabil. Erst vor Kurzem erhöhte er die Preise für Bier sowie andere Speisen und Getränke.
"Du musst auch etwas zurückgeben"
Irgendwann sei er jedoch an einem Punkt gewesen: "Du kannst nehmen, aber du musst auch etwas zurückgeben. Und dann ist mir die Idee mit dem Kaffee gekommen. Wichtig ist, dass man gute Qualität trotzdem zu einem fairen Preis anbietet." Die Bohnen bezieht er von einem Röster aus Ulm.
"Kaffeepreis lasse ich das ganze Jahr"
Gemeinsam mit seinem Sohn kam Morel irgendwann die Idee zu einer Serie unter dem Motto "Preise wie früher". Der Verlängerte um 2,40 Euro, den er erst seit wenigen Tagen anbietet, ist dabei nur der Anfang. "Ich lasse diese Aktion jetzt einmal einen Monat laufen, aber den Kaffeepreis behalte ich das ganze Jahr über bei. Für den nächsten Monat überlege ich mir wieder eine neue Idee. Entweder Essen, Dessert oder Kaffee und Kuchen", sagt der einfallsreiche Gastronom.
"Hey super, der macht etwas!"
"Natürlich ist es gutes Marketing, aber mir ist es wichtig, mit den Gästen in Kontakt zu bleiben." Es gehe ihm nicht darum, Tausende Kaffees zu verkaufen, sondern darum, aufmerksam zu sein. "Die Leute sollen sagen: ‚Hey super, der macht etwas!‘ So sprechen sie über mich."
Die Reaktionen seiner Gäste bestätigen ihn: "Ihr seid einfach super", schrieb ein Nutzer unter das entsprechende Posting auf der Facebook-Site des Gasthofs. Bislang habe er ausschließlich positives Feedback erhalten. "Wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis passt, dann kommen die Leute und vertrauen dir", betont Morel.
(VOL.AT/Rausch)