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Kampf gegen Einsamkeit: Rotes Kreuz schickt Besucher los

In Feldkirch bereitet das Rote Kreuz derzeit Freiwillige auf einen neuen Besuchsdienst vor. Ab 1. März sollen sie älteren Menschen Zeit schenken, zuhören und soziale Nähe bieten - als Antwort auf wachsende Einsamkeit im Alter.

Statt Kaffee und Croissant gibt es an diesem Sonntagmorgen vor allem eines: Aufmerksamkeit. Im Seminarraum 2 des Landesverbandes des Roten Kreuzes in Feldkirch sitzen Freiwillige dicht beisammen, hören zu, diskutieren, probieren aus. Sie sind Teil eines neuen Angebots, das ab 1. März startet - eines Besuchsdienstes für ältere Menschen, die oft allein sind.

Sorgfältige Vorbereitung statt gut gemeinter Spontanität

Einsamkeit ist ein sensibles Thema, der Umgang damit will gelernt sein. Genau deshalb setzt das Rote Kreuz auf eine umfassende Ausbildung. Ziel sei es, klare Rahmenbedingungen zu schaffen, die Zielgruppe eindeutig zu definieren und die Aufgaben verständlich darzulegen. Besonders wichtig dabei sei, aufzuzeigen, wo soziale Begleitung endet und Pflege beginnt. Auch kulturelle Unterschiede, rechtliche Fragen sowie ein Überblick über andere soziale Angebote in der Region seien Teil des Programms. Denn der Besuchsdienst soll ergänzen, nicht ersetzen, erklärt Stefan Zierlinger, Bezirkskoordinator beim Roten Kreuz Oberösterreich.

21 Freiwillige in Ausbildung

Aktuell werden 21 Frauen und Männer auf ihre Aufgabe vorbereitet. Voraussetzung ist ein Erste-Hilfe-Auffrischungskurs. Danach folgen ein mehrstündiger Onlinekurs und zwei Präsenztage in Feldkirch. Gearbeitet wird mit Fallbeispielen aus der Praxis, diskutiert wird in Kleingruppen.

Bewusst verzichtet das Rote Kreuz dabei auf klassische Frontalvorträge, so Zierlinger. Statt PowerPoint stünden Interaktion, Austausch und Selbsterfahrung im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden sollen nicht nur wissen, was zu tun ist - sondern auch fühlen, was es bedeutet, Hilfe zu geben und anzunehmen.

Wie sich Alter anfühlt

Besonders eindrücklich sind die praktischen Übungen. Mit sogenannten Alterssimulatoren - darunter Gewichtsmanschetten, Gehstöcke und spezielle Brillen - erleben die Freiwilligen am eigenen Körper, wie sich eingeschränkte Beweglichkeit oder nachlassende Muskelkraft anfühlen.

In einer Übung führen sich die Teilnehmenden mit verbundenen Augen durch ein Labyrinth. Wer führt, lernt Verantwortung. Wer geführt wird, erlebt Abhängigkeit. Erfahrungen, die bleiben - und den Blick schärfen für die Lebensrealität vieler älterer Menschen.

Klare Grenzen geben Sicherheit

Ein zentrales Thema der Schulung ist auch die Abgrenzung. Besuchsdienst ist keine Pflege, kein therapeutisches Angebot. Zu wissen, wo die eigene Aufgabe beginnt und endet, schafft Sicherheit - für beide Seiten.

Gleichzeitig berichten Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie viel sie selbst aus dem Austausch mit älteren Menschen mitnehmen. Lebenserfahrung, Gelassenheit, Geschichten - all das mache die Begegnungen besonders wertvoll.

Zeit schenken – ohne Gegenleistung

Was der Besuchsdienst bieten will, ist bewusst einfach gehalten, so Martina Streng, GSD-Koordinatorin, des Roten Kreuzes Vorarlberg. Gespräche, gemeinsames Spazierengehen, Kartenspielen, alte Fotoalben anschauen oder einfach still beisammensitzen. Entscheidend wäre nicht das Programm, sondern die Beziehung, die wächst.

Der neue Besuchsdienst des Roten Kreuzes ist damit mehr als ein soziales Angebot. Es ist ein Zeichen dafür, dass Zeit und Aufmerksamkeit im Alltag oft das Wertvollste sind - und dass davon am Ende alle profitieren: die Besuchten ebenso wie jene, die kommen. (LÄNDLE TV)

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