Kein Aprilscherz: Forscher entdecken Haie auf Koks in der Karibik
Schadstoffe selbst in abgelegenen Gewässern
Was zunächst kurios klingt, ist in Wahrheit ein ernstes Umweltproblem: Ein internationales Forschungsteam aus den Bahamas, Brasilien und Chile hat bei Haien in der Karibik Spuren verschiedener Substanzen nachgewiesen. Konkret wurden 85 Tiere untersucht, bei 28 davon fanden sich Rückstände von Drogen oder Medikamenten.
Die Proben stammen aus Gewässern rund um die Insel Eleuthera. Nachgewiesen wurden unter anderem Kokain, Koffein sowie die Schmerzmittel Acetaminophen und Diclofenac. Betroffen sind verschiedene Arten, darunter Karibische Riffhaie, Atlantische Ammenhaie und Zitronenhaie.
Laut den Forschenden ist es das erste Mal, dass Koffein bei Haien überhaupt festgestellt wurde. Kokain wurde in dieser Region ebenfalls erstmals im Organismus von Haien nachgewiesen – allerdings nur bei zwei Tieren.
Tourismus als möglicher Auslöser
Wie gelangen solche Substanzen ins Meer? Die Studienautoren sehen vor allem den wachsenden Tourismus als zentrale Ursache. In der Untersuchung heißt es: "Arzneimittel und illegale Drogen werden zunehmend als besonders besorgniserregende Schadstoffe in Meeresumgebungen nachgewiesen."
Rund um Eleuthera zählen Tauchspots und Kreuzfahrtrouten zu den wichtigsten Einnahmequellen. Unbehandelte Abwässer von Schiffen und Küstenanlagen könnten maßgeblich zur Belastung beitragen.
Auch für das nachgewiesene Kokain gibt es eine mögliche Erklärung: Haie könnten mit ins Meer gelangten Drogenpaketen in Kontakt gekommen sein oder daran gebissen haben, so eine an der Studie beteiligte Biologin gegenüber "Science News".
Boomender Kreuzfahrttourismus
Die Zahlen unterstreichen die Dimension: 2025 besuchten laut "Travelmarket Report" rund 12,5 Millionen Menschen die Bahamas – ein Rekord. Mehr als 86 Prozent davon reisten per Kreuzfahrtschiff an. Im Vergleich zu 2019 hat sich diese Zahl damit etwa verdoppelt.
Risiken für Tiere – und Menschen
Die Auswirkungen der Schadstoffe sind noch nicht vollständig erforscht. Erste Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass die Tiere unter erhöhtem Stress stehen und mehr Energie aufwenden müssen, um die Substanzen abzubauen.
Die Forschenden warnen zudem vor möglichen Folgen für den Menschen. Schadstoffe könnten über den Verzehr von Meeresfrüchten oder direkten Kontakt mit dem Wasser aufgenommen werden.
Klar ist: Die Belastung betrifft nicht nur stark frequentierte Küsten, sondern auch abgelegenere Regionen. Die Studie spricht von einem "kontinuierlichen Risiko für die marine Biodiversität" und sieht dringenden Forschungsbedarf, um langfristige Folgen besser zu verstehen.
(VOL.AT)