KI im Rathaus: Wie Bürgermeister kleiner Gemeinden damit arbeiten
Ein Leben ohne Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht mehr denkbar. Ob es um ein neues Kochrezept, eine technische Anleitung oder eine Frage im Bereich des Allgemeinwissens geht: Die Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag präsent.
Doch nicht nur der private Bereich, auch das Berufsleben ändert sich gewaltig. Die KI wird Jobs ersetzen und neue schaffen. Auch Politiker setzen immer mehr auf die Hilfe der KI, ob für Reden, Mails oder schlicht als Unterstützung bei wichtigen Fragen.
Wie sieht es in Vorarlberger Gemeinden aus? Ist hier die KI ebenfalls präsent und wird intensiv verwendet? VOL.AT hat mit drei Ortschefs gesprochen.
Simon Lins (Dorfliste Schnifis), Bürgermeister von Schnifis, bringt die Lage auf den Punkt: "Es gibt kaum Bereiche, in denen KI nicht eingesetzt wird." Seine Liste der Einsatzbereiche ist lang: Gutachten zusammenfassen, Content generieren, Social Media und Website bespielen, Sitzungsprotokolle generieren, Auswertungen machen.
Arbeit mit sensiblen Daten
Fragen des Datenschutzes spielen für Lins eine große Rolle, da die Gemeinde mit "sehr sensiblen Daten" arbeite. "Wir verwenden bei uns den Microsoft Copilot, da jener den Gemeinden in der Businessversion – keine Trainingsnutzung, reine EU-Datenhaltung und DSGVO-Konformität – vertraglich zugesichert ist." Trotzdem werde immer darauf geachtet, dass keine personenbezogenen Daten mittels KI verarbeitet werden.
"Echter Gamechanger"
Aus seiner Sicht ist die KI vor allem für Kleingemeinden ein "echter Gamechanger", weil sie wiederkehrende Aufgaben immer gleich erledigt, auch wenn sie nur zweimal pro Jahr vorkommen.
Darüber hinaus sei sie immer auf dem neuesten Stand und könne Fragen beantworten. Zum Beispiel, ob sich beim Raumplanungsgesetz in den vergangenen zwölf Monaten etwas geändert hat und ob dies Auswirkungen auf die aktuelle Aufgabe hat. Lins betont, dass die Arbeit eines Bürgermeisters in drei Jahren ohne KI nicht mehr vorstellbar sein wird.
"Fester Bestandteil des Verwaltungsalltags"
Ein ähnliches Bild ergibt sich in Klaus, wo Simon Morscher (zemmafürKlus – Volkspartei und Parteifreie) Bürgermeister ist: "KI ist bei uns kein Spielzeug für Einzelfälle, sondern mittlerweile fester Bestandteil des Verwaltungsalltags, quer durch viele Aufgabenbereiche."
Bisher sei es kaum vorgekommen, dass Bürger mit echten Sorgen oder Vorbehalten auf ihn zugekommen sind. "Die Reaktion ist eher Interesse. Die Leute fragen, wie wir das machen, wo wir KI einsetzen und auf welche Weise. Trotzdem nehme ich das Thema ernst, denn Vertrauen ist die Grundlage jeder Verwaltung."
KI soll keine Mitarbeiter ersetzen
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Frage, ob durch den Einsatz von KI Arbeitsplätze wegfallen werden. Es gehe nicht darum, Mitarbeiter zu ersetzen, sondern darum, mit dem bestehenden Team die ganze Fülle an Aufgaben überhaupt bewältigen zu können, so Morscher.
Auch in Frastanz gewinnt man schnell den Eindruck, dass die KI inzwischen ein wichtiges Hilfsmittel bei der täglichen Arbeit geworden ist. "Eine juristische KI für Österreich setzen wir beispielsweise zur Unterstützung bei Bescheiden und Vertragsentwürfen sowie bei der Recherche ein", erklärt Bürgermeister Walter Gohm (ÖVP).
Das KI-Tool "Copilot" komme beispielsweise bei Zusammenfassungen, Antworten auf häufige Anfragen oder Texterstellungen für Protokolle zum Einsatz. "Zudem haben wir auch schon Fotos, wie zum Beispiel für Fundgegenstände, mit KI generiert."
(VOL.AT/Rausch)