Ein Vulkan mitten im Kindergarten – und das in Wolfurt. In der neuen „Spürnasenecke“ des Kindergartens Strohdorf wurde in den vergangenen Tagen nicht nur gestaunt, sondern auch fleißig experimentiert. Mit Natron, Seife und weiteren Materialien brachten die Kinder ihren eigenen Vulkan zum Sprudeln und lernten dabei ganz nebenbei, wie chemische Reaktionen funktionieren. Dabei wurde geschäumt, geblubbert und beobachtet. Und plötzlich war da auch ein neues Wort im Raum: CO₂.
Forschen statt nur zuschauen
Die sogenannten Spürnasenecken werden von der MINT-Koordinationsstelle des BIFO organisiert und von der Wirtschaftskammer Vorarlberg, der Elektro- und Metallindustrie sowie von regionalen Unternehmen und Gemeinden finanziert. Ziel ist es, Kinder möglichst früh für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz MINT – zu begeistern. Und zwar nicht mit trockener Theorie, sondern durch eigenes Ausprobieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Neugier und Forscherdrang. Die Kinder beobachten, stellen Fragen, entwickeln Hypothesen und testen diese anschließend selbst. Ganz nach dem Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens.
"Kinder kommen mit ihren eigenen Fragen aus dem Alltag", erklärt Andrea Huber, MINT-Koordinatorin am BIFO. „Warum ist der Himmel blau? Warum ist der Donner laut und der Blitz gelb? Diese Tools in der Spürnasenecke würden Kindern helfen, solche Dinge selbst zu erarbeiten und zu erforschen.
Forscherbrille auf und los geht’s
Mit Forschermantel, Schutzbrille und jeder Menge Experimentiermaterial wurde der Kindergarten kurzerhand zum kleinen Forschungslabor. Besonders beliebt: Experimente mit Schwarzlicht und fluoreszierenden Farben.
Auch die passende Ausrüstung sorgte bei den Kindern für Begeisterung. „Das ist eine Forscherbrille“, erklärt die kleine Valia. Und wofür braucht man sie? „Damit nichts in die Augen reinkommt".
Neben dem spielerischen Zugang gehe es auch darum, die Sprache der Forscherinnen und Forscher zu vermitteln. „Heute haben wir das Wort Fluoreszenz gehört“, sagt Huber. „Sie werden sich das ein Leben lang merken".
Früh gegen den Fachkräftemangel
Langfristig sollen die Spürnasenecken auch dazu beitragen, dem Fachkräftemangel in MINT-Berufen entgegenzuwirken. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Mädchen. Im Kindergartenalter wären Mädchen und Jungen noch gleichermaßen neugierig. „Das nimmt dann irgendwann ab", so Huber. "Wenn wir bei den Mädchen nicht ganz ganz früh schon dranbleiben, mit diesen Konzepten, dann werden wir sie verlieren".
Unterstützung aus der Wirtschaft
Die Finanzierung der Spürnasenecke im Kindergarten Strohdorf übernehmen neben der Wirtschaftskammer Vorarlberg auch die Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie sowie der Seilbahnhersteller Doppelmayr. Dort sieht man in solchen Projekten eine wichtige Investition in die Zukunft. Technische Unternehmen seien auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen.
Neben den Kindergärten gibt es mittlerweile auch Angebote für Volksschulen und Mittelschulen. Dort arbeiten die Kinder unter anderem mit Lego-Mindstorms-Robotern.
Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten soll das Angebot in Vorarlberg weiter ausgebaut werden. (Ländle TV)