Kleiner Raum für große Themen vorm Katzenturm
Ein unscheinbarer Holzbau sorgt derzeit in Feldkirch für Aufmerksamkeit. Direkt vor dem "Haus am Katzenturm" steht ein mobiler "Wanderkiosk". "Er ist aufgefallen, aber wir wussten nicht, was da drin ist", sagt der 17-jährige Schüler Ali Aliev. Ein Eindruck, den auch andere Passantinnen und Passanten teilen: Die meisten gehen vorbei, andere bleiben stehen und lesen, einige betreten das Holzhäuschen.
Kleidung tauschen statt wegwerfen
Wer den sogenannten "Kiosk" betritt, findet keinen klassischen Verkaufskiosk, denn dieses Häuschen ist wandelbar. Es war schon vieles vom Festivalkiosk bis zur Bühne für Künstler. Aktuell befindet sich darin eine Kleiderstange mit Bügeln. Das Prinzip dahinter: Wer gut erhaltene Kleidung mitbringt, kann sie gegen andere Stücke tauschen. Die Aktion ist Teil der Vorarlberger Fair-Fashion-Wochen.
"Es wurden schon viele Kleidungsstücke von interessierten Passantinnen und Passanten mitgenommen", sagt Lisa Vesely (34), Mitorganisatorin und Geschäftsführerin des Vereins "Haus am Katzenturm". Der Kleidertausch trifft damit einen Nerv – nicht zuletzt in Zeiten, in denen Fragen rund um Konsum und Ressourcen immer stärker in den Fokus rücken.
Unterricht mit Praxisbezug
Auch Schulen nutzen das Angebot. Für eine Klasse der Handelsschule Feldkirch ist der Besuch Teil des Unterrichts. "Wir machen die Exkursion hierher als Teil des Geographieunterrichts zu den Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel", erklärt Lehrerin Theresa Rothmund (32).
Die Schülerinnen und Schüler bekommen von Bildungsreferentin Sabine Klapf (44) von der Organisation Südwind Vorarlberg Infos über globale Zusammenhänge der Textilproduktion. Besonders der Ressourcenverbrauch bleibt hängen. "Wir wissen jetzt, wie viel Wasser für ein T-Shirt gebraucht wird. Wenn man Kleidung kauft und sie nicht oft trägt, dann ist das Geldverschwendung und Wasserverschwendung", resümiert Schüler Ali Aliev. Mitgenommen haben er und seine Mitschüler aber nichts aus dem Kleidertauschkiosk. "Es gibt nur Frauen- und keine Jungskleidung", merkt er an.
Von Feldkirch nach Bürs
Kleidung, die bis zum Ende der Woche keinen neuen Besitzer findet, wird weitergegeben nach Bürs: Am 25. April findet im Schulzentrum Bürs von 10 bis 13 Uhr eine Kleidertauschparty statt. Der mobile "Wanderkiosk" selbst bleibt jedoch stehen. Bis September bleibt er mit wechselnden Inhalten vor dem Katzenturm. Der Name ist dabei Programm: Die Themen "wandern" weiter.
Als Nächstes übernimmt der Verein Bodenfreiheit den Kiosk. Gezeigt wird unter anderem, wie sich versiegelte Flächen im eigenen Umfeld Schritt für Schritt begrünen lassen. Danach folgen weitere Initiativen mit Ausstellungen zu Bodenlebewesen, biologischer Landwirtschaft oder klimafreundlichem Alltag.
Kiosk mit Geschichte und Zukunft
Initiiert wurde das Projekt "Wanderkiosk" vom Architekten Martin Mackowitz. Dass der Kiosk nun wieder stärker genutzt wird, freut ihn: "Während der Coronazeit war das Projekt etwas eingeschlafen, jetzt erhält es wieder mehr Sichtbarkeit." Der modulare Holzbau lässt sich flexibel einsetzen und wurde bereits früher bei Veranstaltungen genutzt. 2016 stand er als richtiger Getränkekiosk beim Potentiale Festival in Feldkirch. 2017 bot ein Kioskbetreiber Gästen im Kunstmuseum Liechtenstein Kaffee, Süßigkeiten und andere Kleinigkeiten an.
(VOL.AT/Franziska Eckert)