Kleines Budget, große Wirkung - Wenn Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen
Taschengeld – das klingt nach ein paar Euro für ein Eis oder eine Süßigkeit im Supermarkt. Nach etwas, das schnell ausgegeben ist. Tatsächlich steckt weit mehr dahinter. Für viele Kinder ist es der erste eigene finanzielle Spielraum. Zum ersten Mal dürfen sie selbst entscheiden: sofort ausgeben oder sparen?
Alles eine Frage des Alters
Einen fixen Betrag schreibt niemand vor – und das ist auch gut so. Cindy Konzett von der ifs Schuldenberatung betont: „Es ist wichtig, dass Kinder Taschengeld bekommen. Das macht schon ab der Volksschule Sinn. Die Höhe hängt letztendlich von der finanziellen Situation der Familie ab." Klar ist aber: Volksschulkinder sollten ihr Geld wöchentlich bekommen – kurze Zeiträume lassen sich in diesem Alter besser überblicken. Ab etwa zehn Jahren macht eine monatliche Auszahlung mehr Sinn, weil Kinder dann beginnen können, echte Finanzplanung zu üben.
Orientierungswerte
| Alter | Betrag in Euro | Auszahlung |
|---|---|---|
| 6 – 8 Jahre | 1,00 – 2,50 | wöchentlich |
| 8 – 10 Jahre | 2,00 – 4,50 | wöchentlich |
| 10 – 12 Jahre | 15,50 – 23,50 | monatlich |
| 12 – 14 Jahre | 20,50 – 30,50 | monatlich |
| 14 – 16 Jahre | 25,50 – 45,50 | monatlich |
| 16 – 18 Jahre | 38,00 – 61,00 | monatlich |
| 18 – 20 Jahre | ab 61,00 | monatlich |
Quelle: Finanzführerschein Vorarlberg / https://fitfuersgeld.at/
Nur Bares ist Wahres?
Gerade zu Beginn sollte Taschengeld in bar ausbezahlt werden, um Kindern ein besseres Verständnis für den Wert von Geld zu vermitteln. Cindy Konzett verdeutlicht: "Kinder lernen durch be-greifen." Die digitale Zahlungswelt sei für viele Kinder nur schwer nachvollziehbar. Zwar sehen sie, dass Eltern beim Bankomaten Geld abheben oder mit Karte bezahlen, wie Geld jedoch auf ein Konto kommt oder warum es weniger wird, bleibe oft abstrakt. Bargeld mache Einnahmen und Ausgaben unmittelbar sichtbar und greifbar. Erst im Jugendalter – wenn ein grundlegendes Verständnis für Einnahmen und Ausgaben vorhanden ist – kann das Taschengeld auf ein Jugendkonto überwiesen werden. Bis dahin gilt: Schein schlägt Bildschirm.
Das Taschengeld gehört dem Kind
Ob Kinder von ihrem Taschengeld auch notwendige Ausgaben wie Jause oder Kleidung bezahlen sollen, müsse laut Cindy Konzett „im gemeinsamen Gespräch klar festgelegt werden“. Werden solche Kosten übernommen, sei der Betrag entsprechend anzupassen. "Es muss in jedem Fall ein Teil des Taschengeldes zur freien Verfügung übrig bleiben. Was sie mit diesem verfügbaren Geld kaufen, soll dem Kind selber überlassen werden, auch wenn das Gekaufte nicht den Vorstellungen der Erwachsenen entspricht."
Wer Kindern früh erlaubt, mit Geld Fehler zu machen, gibt ihnen etwas mit, das keine Schule lehrt: das Gefühl für die eigene finanzielle Verantwortung. Ein paar Fehlkäufe in der Kindheit sind am Ende billiger als schlechte Entscheidungen im Erwachsenenalter.
(VOL.AT)