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Knochenfunde in Nenzing: Was die Grabungen inzwischen zeigen

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Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
Ein archäologischer Mitarbeiter bei einem der Funde. ©VOL.AT/Mayer

Die Baustelle neben der Pfarrkirche entwickelt sich zu einem spannenden archäologischen Fundort - Was nach den Grabungen bereits bekannt ist und welche Fragen bisher noch offen geblieben sind.

Mindestens 16 Bestattungen entdeckt

Die Ausgrabungen haben inzwischen deutlich mehr zutage gefördert als zunächst bekannt war. Wie das Bundesdenkmalamt auf Anfrage von VOL.AT mitteilt, wurden bislang mindestens 16 Bestattungen entdeckt. Darüber hinaus stießen die Archäologen auf Reste von Gebäuden. Diese zeigen sich laut Bundesdenkmalamt "in Form von Mauerstrukturen, Estrichen und Steinpflasterungen".

Die Knochenfunde wurden bereits am 8. Juli bekannt. Bei Grabungsarbeiten für den Nahwärme-Ausbau in der Landstraße zwischen Pfarrhaus und Volksschule wurden menschliche Überreste freigelegt.

Die Bauarbeiten wurden gestoppt und das Bundesdenkmalamt verständigt. Nach Begutachtung der Fundstelle wurden die Arbeiten am 14. Juli unter archäologischer Begleitung fortgesetzt. Experten dokumentieren und bergen sämtliche Funde.

Die Baustelle liegt auf Höhe der Kirche. ©mmayer
Auch Mauerstrukturen wurden unter anderem freigelegt. ©VOL.AT/Mayer

Alter der Funde noch unklar

Wann die Bestattungen durchgeführt worden sind, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Bislang fanden die Archäologen keine Grabbeigaben, die eine zeitliche Einordnung ermöglichen würden.

Um mehr über die Funde zu erfahren, stehen weitere Untersuchungen an. Geplant sind unter anderem anthropologische Analysen, bei denen Anzahl, Alter und Geschlecht der Bestatteten bestimmt werden sollen. Zusätzlich sollen ausgewählte Skelette mittels Radiokarbonmethode (C14-Methode) datiert werden. Auch das Alter und die Ausdehnung der freigelegten Mauerstrukturen sind derzeit noch Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Insgesamt wurden 16 Bestattungen entdeckt. ©VOL.AT/Mayer

Zusammenhang mit der Kirche möglich

Ob die Bestattungen mit der Pfarrkirche zusammenhängen, wird derzeit untersucht. Das Bundesdenkmalamt erklärt: Kirchen wurden früher "oftmals an derselben Stelle errichtet wie ihre Vorgängerbauten". Da sich Friedhöfe meist unmittelbar bei Kirchen befanden, wird auch ein möglicher Zusammenhang mit einem früheren Friedhof geprüft.

Die älteste Bauphase eines Vorgängerbaus der Nenzinger Kirche datiert in das 5. oder 6. Jahrhundert nach Christus, eine der Kirchen wird erstmals im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt. 1633 zerstörte ein Großbrand die Kirche und große Teile des Ortes.

Archivfoto aus dem Jahr 1982: Archäologische Grabungen im Bereich der Pfarrkirche in Nenzing. ©Foto: Helmut Klapper, Vorarlberger LandesbibliothekArchivfoto aus dem Jahr 1982: Archäologische Grabungen im Bereich der Pfarrkirche in Nenzing

Archäologische Funde bei der Pfarrkirche sind nicht neu. Wie auf der Website der Marktgemeinde Nenzing nachzulesen ist, führte das Bundesdenkmalamt bereits 1982 bis 1984 Ausgrabungen durch. Dabei wurden neben der ältesten bekannten Kirche Vorarlbergs auch mehrere Gräber entdeckt. Laut Gemeinde stand an der Stelle der heutigen Pfarrkirche bereits vor rund 1400 Jahren ein Vorgängerbau.

Weitere Funde möglich

Die archäologischen Arbeiten werden die Bauarbeiten weiterhin begleiten. Das Bundesdenkmalamt hält es für "durchaus möglich, dass weitere Bestattungen bzw. bauliche Strukturen entdeckt werden".

Wann die Bauarbeiten ohne archäologische Begleitung uneingeschränkt fortgesetzt werden können, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Einen konkreten Termin könne man momentan nicht nennen.

Archäologische Funde müssen gemeldet werden

Das Bundesdenkmalamt weist darauf hin, dass archäologische Funde auf Baustellen gemäß § 8 Denkmalschutzgesetz unverzüglich gemeldet werden müssen. Die Behörde unterstütze Grundstückseigentümer und Baufirmen fachlich, um sicherzustellen, dass notwendige Bauarbeiten trotz archäologischer Funde möglichst zügig umgesetzt werden können.

(VOL.AT)

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