"Kommt der Wolf, treibt mich das in den Konkurs!": Landwirt im Montafon schützt seine Schafe mit Kameras und KI
Die Hänge sind steil, auf denen Stefan Hilbes Schafe in Gaschurn grasen. Das weitläufige und aussätzige Gebiet macht es schwierig, alle 110 Schafe im Blick zu behalten. Auch der Wolf besuchte den Schafbauern schon: "Der ist hier in den Wäldern herumgeschlichen." Risse hat der Landwirt noch nicht zu beklagen, da rundherum größere Herden mit über 1000 Tieren auf der Alpe leben, bei denen das Tier mehr Auswahl habe.
1,7 Millionen Euro in Holz, Käse und Hoffnung
Hilbe ist Dornbirner und hat den Betrieb 2024 mit Marisa Rudigier von ihren Eltern übernommen. Die beiden stellten von Tiroler Bergschafen und Montafoner Steinschafen auf Französische Lacaune-Milchschafe um und bauten ihn zum Bio-Schafmilchbetrieb aus. Drei Jahre lang investierten sie 1,7 Millionen Euro in den Stall, Metzgerei mit Kühlhaus, Käserei und Heulager und zogen 110 Tiere heran, von denen 30 Lämmer trotz der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit tot geboren wurden.
"Riskieren wir die Investition, wenn der Wolf heimisch wird?"
Die Aufzucht eines Schafes zahle sich erst nach zwei Jahren aus. Das Risiko eines Wolfrisses hatten Hilbe und Rudigier immer im Hinterkopf. "Die Frage war: Riskieren wir die Investition, wenn der Wolf dann bei uns heimisch wird?" Hilbe ist nicht pauschal für den Abschuss des Wolfs, stellt aber den massiven Schaden dar, den das Tier im "Blutrausch" verursache. "Er beißt einige Schafe tot und verletzt andere schwer, weil er ihnen ganze Stücke herausreißt. Die, die er nicht erwischt, sind so verschreckt und verstört, dass ich sie nicht mehr melken kann." Ein Komplett-Ausfall. "Das treibt mich in den Konkurs!"
Um im Falle eines Wolfsrisses handlungsfähig zu sein, gibt die schwarz-blaue Regierung Landwirten mit der neuen Wolfsmanagementverordnung mehr Handlungsspielraum. Ab Donnerstag, 23. April, können Wölfe "präventiv" abgeschossen werden, wenn das "Leben von Mensch und Nutztier unmittelbar gefährdet" ist, erklärte Landesrat Christian Gantner (ÖVP) auf Nachfrage. Der Jäger muss den Abschuss melden. Neu ist auch, dass die Genehmigung nicht mehr von den Bezirkshauptmannschaften erteilt wird, sondern vom Land.
Heuer wurden in Vorarlberg viermal Wölfe nachgewiesen: Am 18. und 20. Jänner und am 2. Februar in Raggal sowie am 9. März in St. Gallenkirch. Weitere Sichtungen ohne DNA-Nachweis gab es in Laterns und Klösterle. Von einem Rudel wird nicht gesprochen.
KI identifiziert im Stall, ob Mensch, Tier oder Auto
Hilbe hat sich in der Zwischenzeit mit Kameras beholfen. "Sie überwachen jeden Zentimeter des Stalls und einen Großteil des Steilhangs", erklärt der 37-Jährige. Wann immer sich im Stall etwas bewegt oder Lärm ist, erkennt die KI auf Hilbes Smartphone, ob es sich um Mensch, Tier oder Auto handelt und schickt ihm eine Nachricht.
Der Landwirt ist meistens nicht weit: Entweder verarbeitet er die Milch seiner Schafe zu Käse und Topfen oder man findet ihn in der Metzgerei. Ertönt das Handy, stellt Hilbe mit einem Blick in die App fest, was im Stall los ist. Seine Frau, die Lehrerin in Vandans ist, habe in der kritischen Zeit im Frühjahr und Herbst das Handy auf dem Pult liegen, um schnell reagieren zu können. Nachts schützt er seine Tiere mit Garagentoren, die den Stall verschließen.
Hilbe glaubt nicht, dass der Wolf im Montafon heimisch wird: "Oben in Gaschurn-Partenen wird die Piste ausgebaut und es gibt eine Bar mit Après-Ski - da hat der Wolf keine Ruhe." Zudem sei die steinige Grenze nach Graubünden, wo immer wieder Wölfe gesichtet werden, schwierig zu überqueren.
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)