Konjunkturflaute fordert auch Haberkorn
Mit einer neuen Serie blicken wir hinter die Zahlen der heimischen Wirtschaft. Regelmäßig analysieren wir veröffentlichte Jahresabschlüsse von Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Heute in Teil 18: die Haberkorn Holding AG.
"Die starken Rückgänge in der Industrieproduktion haben uns in den vergangenen zwei Jahren deutlich gefordert", fasst Vorstandsvorsitzender Gerald Fitz im Gespräch die Geschäftsjahre 2024 und 2025 zusammen. Die schwache Konjunktur in Österreich und Deutschland hinterließ auch beim Vorarlberger Industriezulieferer Spuren.
Unter dem Dach der Haberkorn Holding AG mit Stammsitz in Wolfurt bündelt der Konzern seine Aktivitäten in zahlreichen operativen Gesellschaften. Mit rund 30 Standorten in Österreich, Deutschland, der Schweiz sowie Zentral- und Osteuropa beschäftigt die Gruppe etwa 2.500 Mitarbeitende. Als technischer Händler und Dienstleister beliefert Haberkorn Kunden in den Bereichen Industrie, Bau und Arbeitsschutz.
Umsatzrückgang bei schwierigem Marktumfeld
Der Konzernumsatz sank laut Jahresabschluss im Geschäftsjahr 2024 um 2,2 Prozent auf knapp 795 Millionen Euro, nachdem 2023 erstmals die 800-Millionen-Marke überschritten worden war. Besonders belastend wirkte die Schwäche im Bau- und Investitionsgüterbereich. Neugeschäfte konnten die Rückgänge teilweise abfedern.
Größe & Struktur
Umsatz- und Bilanzentwicklung
Mitarbeiterentwicklung
Der Umsatzrückgang traf auf steigende Kosten. Höhere Personalkosten sowie gestiegene Energie- und Logistikkosten führten zu einem deutlichen Rückgang des Betriebsergebnisses. "Als technischer Händler sind wir stark von der Produktionsleistung unserer Kunden abhängig", erklärt Fitz. "Wenn unsere Kunden weniger produzieren, sinkt auch der Bedarf an Instandhaltung und Arbeitsschutz."
Unter dem Strich erwirtschaftete der Konzern 2024 einen Jahresüberschuss von rund 18 Millionen Euro und blieb damit profitabel, wenngleich die Rentabilität zurückging.
Stabiler Cashflow
Trotz Ergebniseinbruch zeigt sich der operative Cashflow robust. Der Netto-Geldfluss belief sich 2024 auf rund 36 Millionen Euro – nur leicht unter Vorjahresniveau. Während Haberkorn 2021 und 2022 massiv Lager aufgebaut hatte, wurde 2024 bewusst Lagerbestand abgebaut. Dieser Vorratsabbau setzte neun Millionen Euro Liquidität frei.
Ergebnis & Rentabilität
Gewinnentwicklung
Rentabilitätskennzahlen
Investitionen in die Zukunft
Trotz schwierigen Umfelds hielt Haberkorn an strategischen Investitionen fest. 2024 flossen rund 36 Millionen Euro in Beteiligungserwerbe, Logistikstandorte und digitale Lösungen. Das größte Einzelprojekt ist der Ausbau des Logistikzentrums in Recklinghausen, mit einem Gesamtvolumen von rund 50 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Parallel treibt der Konzern die SAP-Einführung sowie den Ausbau von Bewirtschaftungs- und Logistiklösungen voran.
Diese strategischen Investitionen kann sich Haberkorn dank solider Kapitalbasis leisten. Zum Ende des Geschäftsjahres 2024 belief sich die Bilanzsumme auf rund 435 Millionen Euro. Trotz umfangreicher Investitionen und Beteiligungserwerbe lag die Eigenkapitalquote weiterhin bei knapp 58 Prozent.
Bilanzstruktur
Eigenkapitalquote
Vorsichtig optimistischer Ausblick
Für 2026 zeigt sich Fitz vorsichtig optimistisch: "Wir gehen derzeit von einer leichten Erholung in der Industrieproduktion aus." Haberkorn wolle aktiv im Markt bleiben und die eigenen Stärken nutzen, um auch in anspruchsvollem Umfeld Wachstum zu generieren.
"Wir gehen derzeit von einer leichten Erholung in der Industrieproduktion aus"
Interview mit Gerald Fitz, Vorstandsvorsitzender der Haberkorn Holding AG
VN: Wie fällt Ihre Gesamtbewertung der Geschäftsjahre 2024 und 2025 aus?
Gerald Fitz: Die wirtschaftliche Entwicklung – insbesondere die starken Rückgänge in der Industrieproduktion – hat uns in den vergangenen zwei Jahren deutlich gefordert und zu einem leichten Umsatzrückgang geführt. Dank unserer guten Aufstellung und des großen Einsatzes aller Mitarbeitenden ist es uns gelungen, der konjunkturellen Entwicklung zumindest teilweise entgegenzuwirken. Wichtige Neugeschäfte helfen dabei, konjunkturbedingte Rückgänge bei einigen Großkunden zu kompensieren.
VN: Welche zentralen Herausforderungen haben das Unternehmen zuletzt am stärksten gefordert und welche wichtigsten Lehren ziehen Sie aus der Entwicklung der vergangenen beiden Jahre?
Gerald Fitz: Eine der größten Herausforderungen war tatsächlich die rückläufige Industrieproduktion in unseren Kernmärkten Österreich und Deutschland. Wenn unsere Kunden weniger produzieren, benötigen sie entsprechend weniger Produkte für Instandhaltung und Produktion – und auch der Bedarf an Arbeitsschutz sinkt. Als technischer Händler treffen uns solche Rückgänge sehr direkt. Die wichtigste Lehre daraus ist, dass wir unsere gute Marktposition nutzen und laufend weiter stärken.
VN: Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds verfügt Haberkorn weiterhin über eine starke Bilanz – welche Investitionen und Zukunftsprojekte möchten Sie darauf aufbauend in den kommenden Jahren vorantreiben?
Gerald Fitz: Wir haben es uns seit jeher zum Ziel gesetzt, die langfristige Entwicklung der Haberkorn Gruppe in den Fokus zu stellen. Deshalb setzen wir unsere strategischen Investitionen auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten konsequent fort. Ein Schwerpunkt ist die Stärkung der Logistik in Deutschland: In Recklinghausen errichten wir derzeit ein neues Logistikzentrum mit einem Investitionsvolumen von rund 50 Mio. Euro. Es wird vor allem die Versorgung unserer deutschen Standorte auf den neuesten Stand der Technik bringen – und ist zugleich die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Haberkorn Gruppe. Zweitens modernisieren wir unsere IT-Landschaft: Aktuell führen wir SAP schrittweise in allen Haberkorn Gesellschaften ein. Damit schaffen wir eine einheitliche Plattform. Der Roll-out in den ersten beiden Gesellschaften ist bereits abgeschlossen, nun folgen nach und nach die weiteren Standorte. Die dritte strategische Säule, die uns für die Zukunft rüstet, ist die intensive Weiterentwicklung beim Thema Bewirtschaftungslösungen für unsere Kunden. Mit unzähligen digitalen und physischen Lösungen und Services verschlanken wir den Beschaffungsprozess unserer Kunden, erhöhen die Prozesssicherheit und sparen den Kunden schließlich Zeit und Geld.
VN: Welche Schwerpunkte und Projekte stehen im Geschäftsjahr 2026 im Fokus?
Gerald Fitz: 2026 werden wir weiterhin aktiv im Markt agieren, um der konjunkturellen Entwicklung entgegenzuwirken und die Stärken von Haberkorn konsequent zu nutzen. Gleichzeitig arbeiten wir zielgerichtet an der Umsetzung unserer strategischen Projekte weiter – insbesondere in den Bereichen Logistik, IT-Systemlandschaft und Bewirtschaftungslösungen.
VN: Wie lautet Ihre Einschätzung und Prognose für die Geschäftsentwicklung im Jahr 2026?
Gerald Fitz: Die Prognosen für 2026 sind nach wie vor unsicher. Wir gehen derzeit von einer leichten Erholung in der Industrieproduktion aus. Wir setzen darauf, aktiv im Markt zu bleiben, unsere Leistungen klar auszuspielen und uns damit auch bei einer verhaltenen Wirtschaftsentwicklung Wachstum zu erzeugen.
Kennzahlen – kurz & verständlich
Umsatz (Umsatzerlöse)
Entgelte aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit innerhalb des Geschäftsjahres gemäß UGB (netto, ohne USt).
Bilanzsumme
Summe der Aktiva (entspricht Summe der Passiva) am Bilanzstichtag – misst die Unternehmensgröße.
Eigenkapital
Reinvermögen der Eigentümer am Stichtag (gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklagen, Gewinnrücklagen, Gewinnvortrag, Jahresergebnis).
Mitarbeitende
Durchschnittliche Kopfzahl bzw. am Stichtag beschäftigte Personen (je nach Quellenlage).
Operativer Gewinn (EBIT)
Ergebnis aus dem Kerngeschäft vor Zinsen und Steuern (UGB-GuV: Betriebsergebnis).
Jahresüberschuss
Ergebnis nach Steuern der Periode (vor Gewinnverwendung/Ausschüttung).
Cashflow
Zahlungsmittelüberschuss der Periode; üblicherweise der operative Cashflow aus der Kapitalflussrechnung.
Operative Gewinnmarge
Anteil des operativen Gewinns am Umsatz (EBIT-Marge).
Marge = EBIT ÷ Umsatzerlöse × 100 %Eigenkapitalrendite (ROE)
Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals im Jahresverlauf (gebräuchliche Standarddefinition).
EK-Rendite = Jahresüberschuss ÷ durchschnittliches Eigenkapital × 100 %Eigenkapitalquote
Finanzierungsstruktur: Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme.
EK-Quote = Eigenkapital ÷ Bilanzsumme × 100 %Nettoverschuldungsgrad
Der Nettoverschuldungsgrad gibt an, in welchem Verhältnis die Nettoverschuldung zum Eigenkapital des Unternehmens steht
Nettoverschuldungsgrad = (Nettoverschuldung×100) ÷ Eigenkapital inkl. Investitionszuschüsse(VN/VOL.AT)