Kreatin-Hype: Was bringt das Wundermittel?
Ob für mehr Power beim Training oder einen klaren Kopf im Alltag: Kreatin sorgt derzeit für viel Aufmerksamkeit. Immer mehr Menschen fragen sich, was wirklich hinter dem Hype steckt – und ob das Supplement tatsächlich dabei helfen kann, körperlich und mental leistungsfähiger zu werden.
Auch Christian Wolf, einer der bekanntesten Fitnessinfluencer im deutschsprachigen Raum, spricht regelmäßig auf seinen Online-Plattformen über Kreatin und erreicht damit an die zwei Millionen Menschen.
Was steckt hinter dem Hype?
Bei unserem Besuch im Fitnessstudio "TopFit" in Bregenz führt uns Eigentümer Haci Yakici (48) zu einem Regal, das gähnend leer ist. "Normalerweise stapeln sich hier die Kreatin-Dosen – doch die Nachfrage ist derzeit so hoch, dass kaum Ware liegen bleibt. Die Gäste kaufen es regelmäßig und fressen es mir regelrecht aus der Hand, ich muss ständig nachbestellen", sagt er. Das unscheinbare weiße Pulver sei längst kein Nischenprodukt mehr, sondern inzwischen nahezu überall erhältlich – vom Fachhandel bis zum Online-Shop.
Was ist Kreatin? Was ist seine wichtigste Aufgabe?
Kreatin ist als Nahrungsergänzungsmittel schon lange bekannt, erlebt derzeit aber einen regelrechten Hype. "Es wird vor allem mit Muskelaufbau in Verbindung gebracht und soll darüber hinaus die allgemeine Leistungsfähigkeit steigern", so Yakici. "Es ist zuständig dafür, schnell Energie bereitzustellen. Man kann es sich wie ein internes Schnellladesystem vorstellen."
Gut erforscht – aber kein Muss für jeden
"Kreatin gehört zu den am besten erforschten und am gründlichsten untersuchten Supplementen", so Martin Rinderer, Ernährungswissenschaftler am Olympiazentrum Vorarlberg in Dornbirn. Kreatin ist eine körpereigene Substanz, die nicht nur die Muskelkraft und sportliche Leistung steigert, sondern auch die allgemeine Regeneration unterstützt. Auf die Frage, ob er es auch dem Menschen im Alltag empfehlen würde, sagt Rinderer: "Ich würde Kreatin nicht pauschal jedem empfehlen. Da es hauptsächlich in Fleisch vorkommt, können sich Personen, die sich pflanzlich ernähren (Veganer, Vegetarier), über eine Supplementierung essenziell versorgen, da sie es über die normale Ernährung nicht oder nur in geringen Mengen aufnehmen."
Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen
Yakici betont: "Nebenwirkungen können tatsächlich auftreten, in Form von Sodbrennen." Auch Rinderer bestätigt: "Sicher, aber nicht übertreiben. In empfohlener Dosierung (drei bis fünf Gramm pro Tag) gilt Kreatin als sicher und gut verträglich. Bei Überdosierung kann es allerdings zu Problemen in der Verdauung führen."
Schwerwiegende Nebenwirkungen sind bei gesunden Personen in Studien bislang nicht belegt. Menschen mit bestehenden Nierenerkrankungen oder anderen chronischen Leiden sollten die Einnahme jedoch vorab ärztlich abklären.
Kein Ersatz für gesunde Gewohnheiten
"Kreatin ist ein Nahrungsergänzungsmittel. Es ersetzt niemals die Basis: eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und guter Schlaf. Ohne diese Grundpfeiler ist das Supplement nicht zielführend", erklärt Ernährungswissenschaftler Martin Rinderer. Fest steht jedoch: Das Interesse an Kreatin wächst – längst nicht mehr nur im Fitnessstudio.
(VOL.AT)