Land kürzt Förderung: Elternbeiträge für private Betreuung von Dreijährigen steigen
Eltern von dreijährigen Kindern in privaten Betreuungseinrichtungen in Vorarlberg müssen sich auf höhere Kosten einstellen. Das Land plant, die Förderung für Dreijährige im privaten Bereich über einen Zeitraum von fünf Jahren schrittweise zu reduzieren, berichtet der ORF.
Kritik kommt vom Landesverband für Elementarpädagogik. Die Landesregierung verweist hingegen auf den Ausbau öffentlicher Kindergartenplätze.
Deutlich höhere Elternbeiträge im privaten Bereich
Bisher war der Tarif für Eltern von Dreijährigen gleich – unabhängig davon, ob das Kind eine öffentliche oder private Einrichtung besucht. Für 25 Stunden Betreuung pro Woche lag der Beitrag bei rund 50 Euro.
Künftig sollen Eltern in privaten Einrichtungen deutlich mehr zahlen. Laut einer Aussendung des Landesverbands für Elementarpädagogik könnte ein Betreuungsplatz mit Gesamtkosten von 250 Euro im Monat künftig rund 168 Euro für die Eltern bedeuten. Im öffentlichen Kindergarten bliebe der Beitrag hingegen bei 46 Euro.
Manuela Lang, Obfrau des Landesverbands, warnt vor massiven Auswirkungen auf das gesamte Betreuungssystem. Besonders kleinere private Einrichtungen gerieten dadurch unter Druck.
Land will Dreijährige in öffentliche Kindergärten bringen
Im Büro von Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) verweist man auf einen Beschluss aus dem Jahr 2008. Demnach soll die Bildung und Betreuung von Dreijährigen grundsätzlich im Kindergarten erfolgen.
Weil damals nicht ausreichend öffentliche Plätze zur Verfügung standen, wurde die Förderung angepasst. Inzwischen habe sich die Situation verändert. Laut Land stehen in mehreren Gemeinden ausreichend öffentliche Kindergartenplätze für Dreijährige zur Verfügung, die teilweise nicht genutzt würden. In 39 Gemeinden würden bereits alle Dreijährigen in Kindergartengruppen betreut.
Ziel sei es nun, Dreijährige schrittweise in öffentliche Kindergärten zu integrieren und dadurch Plätze in Kleinkind- und Spielgruppen für unter Dreijährige freizumachen.
Kritik an "rein finanzieller Steuerung"
Der Landesverband für Elementarpädagogik kritisiert, dass die geplante Maßnahme primär über finanzielle Anreize gesteuert werde. Pädagogische Aspekte würden dabei zu wenig berücksichtigt.
Lang betont gegenüber dem ORF, dass manche Kinder kleinere Gruppen bräuchten oder noch nicht bereit für den öffentlichen Kindergarten seien. Um echte Wahlfreiheit sicherzustellen, müssten die Elternbeiträge für Dreijährige in allen Einrichtungen gleich hoch sein – unabhängig vom Einkommen.
Thema im Landtag
Auch politisch sorgt das Vorhaben für Diskussionen. Die SPÖ hat im Vorarlberger Landtag einen selbstständigen Antrag eingebracht. Darin warnt sie vor einem drohenden Rückschritt in der Kinderbetreuung.
Die sozialpolitischen Sprecher Manuela Auer, Mario Leiter und Reinhold Einwallner verweisen auf die finanziell angespannte Situation vieler Gemeinden. Ein rascher Ausbau öffentlicher Plätze sei daher nicht garantiert. Gleichzeitig steige der Druck auf öffentliche Einrichtungen, da diese für Familien günstiger seien.
Übergangsphase über fünf Jahre
Das Land betont, dass die Kürzung der Förderung über fünf Jahre hinweg erfolgen soll. Gemeinden und Einrichtungen hätten damit ausreichend Zeit, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen.
Wie hoch die Zuschüsse von Land und Gemeinden im kommenden Schuljahr konkret ausfallen werden, ist noch nicht abschließend festgelegt. In Vorarlberg gibt es aktuell 72 private Rechtsträger mit insgesamt 81 Kleinkindgruppen, 32 Kindergärten und 20 Kinderspielgruppen.
Private Kindergärten erhalten die Landesförderung nur dann, wenn die jeweilige Standortgemeinde bestätigt, dass im öffentlichen Kindergarten kein Platz verfügbar ist.
(VOL.AT)