Leerstand in Bregenzer Innenstadt: „Macht kein gutes Stadtbild“
Nicht nur der Nebel in der Festspielstadt drückt auf die Stimmung. Wer dieser Tage durch das Zentrum geht, merkt sofort: Hier sind einige Geschäftsräume abgedunkelt und werden nicht mehr genutzt.
Vor allem in der belebten Römerstraße stechen zwei leer stehende große Gewerbeflächen sofort ins Auge. Hintergrund: Erst kürzlich musste das bekannte Bekleidungsgeschäft "MAX & Co" Konkurs anmelden. Und auch ein paar Meter weiter teilt ein Aushang am Gebäude des ehemaligen "RÖMER VII Concept Store" mit: „Zu vermieten“.
Die beiden einstigen Verkaufslokale stehen als prominente Beispiele für den derzeitigen Leerstand.
So kündigen etwa rote Buchstaben auf einem weißen Zettel, der an einer Glasscheibe hängt, an: „Attraktive Geschäftsfläche im Herzen der Bregenzer Fußgängerzone zu vermieten.“
Es ist nicht das einzige Plakat, das vom aktuellen Leerstand im Zentrum der Landeshauptstadt zeugt. „Geschäftsräumlichkeit zu vermieten“, steht auf einem anderen. Die ernüchternde Bilanz: In Summe zehn verlassene Shops wurden beim Lokalaugenschein am Mittwoch im Umkreis von nur wenigen Hundert Metern gezählt.
„Die meisten Lokale sind leer, weil es sich die Leute nicht leisten können“, sagt Sylvia Janschek. Für die gut vernetzte Galeristin steht fest: Die betroffenen Händler würden einfach keinen Gewinn mehr machen. „Eine gute Freundin von mir besaß ein kleines Geschäft in der Innenstadt. Es ist miserabel gelaufen, weil die Miete so hoch war. Sie musste zusperren“, schildert die Kunstvermittlerin.
Online-Handel als Herausforderung
Neben den hohen Mietkosten nennt Janschek zusätzliche Belastungen für Gewerbetreibende: „Der Online-Handel ist ein schwerwiegendes Problem. Und bedenklich ist außerdem, dass Leute nicht mehr regional kaufen. Vor allem die jungen Kunden konsumieren nur mehr im Internet.“
Die Folgen vakanter Betriebe seien auch für die Optik schlimm: „Wenn Lokale jahrelang leer stehen, macht das doch kein gutes Bild in der Stadt. Alles verwahrlost dann“, kritisiert Janschek. Ihrer Meinung nach müssten die Eigentümer der Geschäftslokale „runter von ihren Preisen“. „Aber das ist schwierig. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Allerdings kann ich auch nicht immer dem Vermieter die Schuld geben.“
„Nicht mehr rentabel“
Wie denken Bregenzer über die Entwicklung in der Innenstadt? „Handelsketten machen vieles kaputt. Und familiengeführte Betriebe existieren nicht mehr beziehungsweise sind nicht mehr rentabel“, sagt ein Pensionist in der Fußgängerzone.
Die Zeiten würden sich ändern. Vieles sei heute eben nicht mehr wie früher: die Gesellschaft, der Immobilienmarkt, der Handel. Grundsätzlich gebe es jedoch immer Zyklen und die Lage sei nicht so dramatisch, wie manche glauben: „Manchmal sperren fünf Geschäfte zu, dann wieder ein paar auf“, sagt der Passant.
Eine Geschäftsinhaberin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung liest, ist vom Leerstand indirekt betroffen. „Ich finde es schade, dass ein Lokal in meiner Nähe aktuell leer steht“, erklärt die Frau. „Als Folge gibt es dann nämlich auch für mich weniger potenzielle Kunden. Früher war in diesem Gebäude ein Friseur, da schaute dann auch der eine oder andere bei mir im Laden vorbei.“
„Struktureller Wandel“
Was sagt die Stadt zur aktuellen Situation? „Die Innenstadt befindet sich – wie viele Städte – in einem strukturellen Wandel“, betont Robert S. Salant, Geschäftsführer von Bregenz Tourismus und Stadtmarketing, im Gespräch. Der stationäre Handel stehe unter Druck, gleichzeitig würden Frequenzdaten „insgesamt eine stabile Entwicklung mit klaren saisonalen Spitzen“ zeigen. „Bregenz bleibt ein produktiver Handelsstandort mit hoher Aufenthaltsqualität“, zeigt sich Salant optimistisch.
(VOL.AT/Rausch)