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Leistungsdruck im Schlafzimmer: Wenn Sex mehr Stress als Lust macht

Bettina Schwung in der neuen VOL.AT-Serie "Let's Talk About Sex – Vorarlberg Edition".
Bettina Schwung in der neuen VOL.AT-Serie "Let's Talk About Sex – Vorarlberg Edition". ©VOL.AT/Emilia Waanders
Emilia Waanders (VOL.AT) emilia.waanders@russmedia.com
Erektion, Orgasmus, Leistungsdruck: In Folge 1 von "Let’s Talk About Sex – Vorarlberg Edition" geht es um Lust, Druck und falsche Erwartungen – und um die Frage, warum einige Menschen beim Sex plötzlich mehr Stress als Spaß empfinden.

Sex sollte eigentlich etwas Schönes sein. Doch in der Praxis sieht das oft anders aus. In dem neuen VOL.AT-Format "Let’s Talk About Sex – Vorarlberg Edition" spricht Sexualberaterin Bettina Schwung offen über typische Probleme im Schlafzimmer. Warum Männer ihre Potenz oft als Maßstab für Männlichkeit sehen, weshalb viele Frauen beim Sex nicht zum Höhepunkt kommen und warum ein Orgasmus nicht immer das Ziel sein muss.

Video: Was tun, wenn Sex mehr Stress als Lust macht?

"Ich hab irgendwie keine Lust mehr"

In der Beratung steigen viele Klienten gar nicht direkt mit ihrem eigentlichen Anliegen ein. "Oft wird erst einmal rundherum geredet", sagt Schwung. Besonders Männer würden Probleme selten klar benennen.

"Da kommt eher der Satz: Ich habe irgendwie keine Lust mehr. Dahinter steckt dann häufig ein Thema mit der Erektion."

Bei Frauen sei die Ausgangslage meist anders. Sie kämen häufiger mit Lustlosigkeit oder damit, dass ein Orgasmus ausbleibt. "Viele Frauen haben das Gefühl, sie funktionieren nicht so, wie ihr Partner es gerne hätte."

Stress und Sex: "Absolut nicht kompatibel"

Ein zentraler Punkt in vielen Beziehungen: Druck. Die Vorstellung, Sex müsse "funktionieren". Doch genau das sei ein Problem, erklärt Schwung. "Stress und Sex sind absolut nicht kompatibel miteinander."

Das Bild von Sexualität werde stark von Medien geprägt – von romantischen Filmszenen mit Kerzenlicht bis hin zu Pornografie, in der scheinbar alles perfekt läuft. Die Realität sei jedoch viel komplexer.

"Wenn man sich fragt, woher unser Bild von Sexualität kommt, merkt man schnell: Realistische Darstellungen findet man kaum."

Podcast: Wenn Sex mehr Stress als Lust macht

Muss Sex immer mit einem Orgasmus enden?

Für viele Menschen gilt der Orgasmus als Ziel jeder sexuellen Begegnung. Doch Schwung stellt dieses Bild infrage. Sex könne auch etwas anderes sein: Nähe, Verbindung oder einfach ein lustvolles Spiel mit Erregung. "Warum muss man unbedingt kommen?", fragt sie.

Viele Paare würden Sex als abgeschlossenen Vorgang sehen: Höhepunkt – fertig – schlafen. Dabei könne gerade die Zeit danach wichtig sein. "Es darf auch danach weitergehen: sich in den Arm nehmen, miteinander in Verbindung bleiben."

"Nicht der Penis hängt am Mann, sondern der Mann am Penis"

Ein besonders heikles Thema bleibt die männliche Potenz. Erektionsprobleme seien noch immer stark tabuisiert, sagt Schwung. Der Grund liege oft im Selbstbild vieler Männer. "Einige definieren sich über ihre Erektion", erklärt sie. Bleibt sie aus, gerate das gesamte Gefühl von Männlichkeit ins Wanken.

Schwung formuliert es pointiert: "Manchmal hat man das Gefühl, nicht der Penis hängt am Mann, sondern der Mann am Penis." Dabei müsse Sexualität keineswegs immer penetrativ sein. Hände, Mund oder Spielzeug könnten ebenso Teil eines erfüllten Sexlebens sein.

Die ewige Frage nach der Größe

Auch die Penisgröße sorgt regelmäßig für Verunsicherung. Dabei sei sie in der Praxis selten das eigentliche Problem. "Es macht vor allem etwas mit dem Selbstbewusstsein der Männer", sagt Schwung. Entscheidend sei eher, wie jemand mit seinem Körper umgeht.

Auch biologisch relativiert sich der Mythos vom "Riesenpenis". Die Vagina ist im Durchschnitt etwa acht bis zwölf Zentimeter lang – was zeigt, dass Größe allein wenig über guten Sex aussagt. Schwung betont deshalb, dass es beim Sex viel mehr um Kommunikation, Gefühl und Technik geht als um Zentimeter.

Gleichzeitig stellt sie klar: "Egal ob groß, klein, dick oder dünn – ein Penis ist genau richtig, so wie er ist." Entscheidend sei nicht die Größe, sondern wie wohl sich jemand mit seinem Körper fühlt und wie gut zwei Menschen miteinander harmonieren.

Warum viele Frauen beim Sex nicht kommen

Ein weiterer Punkt, der häufig für Frust sorgt: der weibliche Orgasmus. Viele Frauen kommen nicht durch Penetration allein.

Das habe anatomische Gründe, erklärt die Beraterin. Für viele Frauen sei die Stimulation der Klitoris entscheidend. "Penetrativer Sex ist für viele Frauen nicht der Weg zum Orgasmus." Deshalb sei es wichtig, dass Frauen ihren Körper kennen und dem Partner auch sagen können, was ihnen gefällt.

Das eigentliche Problem im Ländle

Am Ende sieht Schwung ein grundlegendes Problem – gerade in Vorarlberg: Es wird zu wenig über Sexualität gesprochen.

"Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger reden viel zu wenig darüber." Dabei spiele Sexualität für viele Menschen eine große Rolle im Leben. Umso erstaunlicher sei es, wie wenig Wissen und Austausch es dazu gebe.

Oder, wie Schwung es formuliert: "Warum machen wir über Sex eigentlich nicht den Master und den Bachelor?"

(VOL.AT)

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