Let’s talk about Sexual Empowerment

Enttabuisierung, Selbstbestimmung und sexuelle Gleichstellung gehören für Johanna Rief zum daily business. Weshalb? Das erklärt die Public Relations-Chefin der Lovehoney Group – dem größten Onlineversand für Sexspielzeug – im Interview.

Johanna Rief ist seit acht Jahren in der sogenannten „adult industry“ tätig. Sie war bei Amorelie und WOW Tech für die PR- und Social-Media-Abteilungen zuständig – ebenfalls große Player im Sextoys-Business. Nun ist sie Global Director PR und Head of Sexual Empowerment bei der Lovehoney Group in Berlin. Mit ihrer Arbeit will sie Tabus rund um das Thema Sexualität abbauen und möglichst viele Menschen dazu ermutigen, ein sexuell erfülltes Leben zu führen.

Sie sind schon lange in der Werbebranche rund um Sextoys tätig. Wieso haben Sie sich damals für diesen Berufsweg entschieden?

Die Entwicklung der Branche ist unglaublich spannend und bewegt sich schon längst nicht mehr nur noch in der „adult industry“. Inzwischen gibt es unsere Produkte auch in Drogerien und Supermärkten und sie werden ganz selbstverständlich in den Medien besprochen. Gerne schaue ich auf diesen Wandel zurück und bin froh, dass ich mit meiner Arbeit, einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung von Themen rund um Sexualität und vor allem weibliche Sexualität leisten konnte. Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in den USA oder auf die immer strenger werdenden Regeln in den sozialen Medien, wenn es um weibliche Sexualität geht, sehe ich aber auch, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.

Wie ist es als Frau in einer leitenden Position auch für den Bereich Sexual Empowerment verantwortlich zu sein?

Egal ob in der Rolle als Global Director PR oder als Head of Sexual Empowerment: Das Ziel ist immer, den Dialog rund um Sexualität anzustoßen und zu normalisieren. Es geht dabei nicht darum, dass ich als Frau in dieser Position bin, obwohl gefühlt alle Geschlechter lieber mit einer Frau über das Thema sprechen. Für mich ist die Tatsache viel wertvoller, dass wir eine solche Stelle im Unternehmen haben. Eine, die sich eben auf Sexual Empowerment und sexuelle Gleichstellung konzentriert. Über Sextoys zu sprechen bedeutet immer auch, über Sexualität zu sprechen und damit Menschen zu ermutigen, sich mit ihrem eigenen Körper, den eigenen Bedürfnissen und Lust auseinanderzusetzen. Gerade für Frauen ist das oft noch schwieriger, denn weibliche Sexualität und Lust wurden historisch gesehen immer kontrolliert und manipuliert. Offene Kommunikation führt zu selbstbestimmten und „empowerten“ Entscheidungen in der Gesellschaft.

Für was ist ein Head of Sexual Empowerment genau zuständig und was wollen Sie in dieser Position erreichen?

Meine Arbeit ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Zum Beispiel stehe ich im ständigen Austausch mit Expert:innen, Sexualtherapeut:innen und Mediziner:innen aus aller Welt und verfolge aktuelle Trends und neue Erkenntnisse, lese Studien und nehme an Paneltalks Teil. Wir möchten wichtige Diskurse anstoßen, begleiten und Aufmerksamkeit schaffen. Als Head of Sexual Empowerment möchte ich einen Dialog anstoßen, Tabus rund um das Thema Sexualität abbauen und so möglichst viele Menschen weltweit dazu ermutigen, ein sexuell erfülltes Leben zu führen. Damit repräsentiere ich auch die Mission unserer Marken.

Sexualisierte Inhalte sind heutzutage allgegenwärtig, gleichzeitig existieren in unserer Gesellschaft immer noch viele Tabus. Was muss sich hier in Zukunft noch ändern?

Das fängt schon bei der sexuellen Aufklärung von Kindern und Jugendlichen an oder besser gesagt, sollte es da anfangen. Diese sollte, zusätzlich zur Verhütung und Schwangerschaft, auch Themen rund um Lust, Masturbation, Kommunikation und natürlich Konsens mit einbeziehen. Egal ob in der Schule oder zu Hause, um Sexualität zu enttabuisieren, müssen wir „ganz einfach“ darüber reden und informieren – offen, ehrlich, ohne Scham. Nur, wenn Themen für alle – oder für mehr Menschen – greifbar und sichtbar werden, können Tabus abgebaut werden.  Unser Ziel ist es, die Gespräche über sexuelle Lust zu normalisieren und sexuelle Erfüllung für alle zu fördern. Das wollen wir erreichen, indem wir weiterhin Forschung finanzieren, Bildungsressourcen schaffen und neue Technologien und Produkte entwickeln, die es jedem ermöglichen, die eigene oder gemeinsame Sexualität selbst in die Hand zu nehmen und sein bestes, lustvolles Leben zu leben.

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