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Flohmarkt-Ladenhüter: Was mit der Ware passiert, die niemand wollte

Sunny Fäßler organisiert seit 25 Jahren den Dornbirner Flohmarkt und hat sichtlich Spaß dabei.
Sunny Fäßler organisiert seit 25 Jahren den Dornbirner Flohmarkt und hat sichtlich Spaß dabei. ©VOL.AT/Franziska Eckert
38.000 Besucherinnen und Besucher strömten am Wochenende durch die Messehallen in Dornbirn. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, was mit den unverkauften Dingen nach dem Flohmarkt passiert.

Dornbirn Raschelndes Einpackpapier, Scharren von Kisten und piepende Lastwagen: Die Geräuschkulisse in den Dornbirner Messehallen änderte sich Sonntagmittag fast schlagartig. Wo sich zwei Tage lang Menschen dicht an dicht an Ständen vorbeischoben, begann am Sonntag ab 12 Uhr ein anderes geschäftiges Treiben. "Gegen 17 Uhr sind die Hallen besenrein und leer", sagt der Hauptorganisator Sunny Fäßler. Keine Regale, keine Kartons, kein Durcheinander. Wer am Wochenende hier war, kann sich das kaum vorstellen. 38.000 Besucherinnen und Besucher sind laut Angaben des Organisators durch die fünf Messehallen geströmt.

"Uns ist der Kreislauf der Gegenstände wichtig", erzählt Fäßler. "Die Leute freuen sich, dass sie Waren abgeben können, die sonst weggeschmissen werden würden. Sie wissen, dass die Gegenstände hier einen neuen glücklichen Besitzer finden." Besonders gefragt seien Raritäten und spezielle Dinge. Auch Secondhandkleidung und Alltagsgegenstände fänden Abnehmer, besonders bei jüngeren Menschen, die vom Nachhaltigkeitsgedanken geprägt sind.

Am Ende bleibt fast nichts übrig

Kurz vor Ende des Flohmarkts gibt es zunehmend Rabatte. Zum Schluss können die letzten Fernseher für 10 Euro erstanden werden. Ganze Bücherkisten werden verschenkt. In der letzten Verkaufsstunde kann man zuschauen, wie sich die Regale der Verkaufsstände leeren. Was dann noch an Brauchbarem übrig bleibt, wird gespendet.

Am Ende des Flohmarkts leeren sich die Verkaufsstände sichtlich. Fäßler unterstützt überall, wo er gebraucht wird. ©VOL.AT/Franziska Eckert

"Sämtliche Gegenstände, die wir kriegen, die nicht verkauft werden, aber funktionstüchtig sind, bleiben durch uns im Wirtschaftskreislauf erhalten. Das ist unser Fokus, auf den wir sehr viel Wert legen", erzählt Fäßler stolz. "Wir machen aktuell ganz viel im karitativen Bereich. Wir arbeiten mit dem Projekt Ora zusammen, das Waren nach Rumänien, Albanien und in die Ukraine bringt, um notdürftigen Menschen zu helfen."

Im vergangenen Jahr konnte 175 Familien der Alltag durch gespendete Gegenstände finanziell erleichtert werden. Fäßler berichtet, dass gerade im Kriegsgebiet Alltagsgegenstände wie Töpfe oder Ausstattung zum Flicken von Kleidung benötigt werden. "Dinge, die für uns ganz normal sind, helfen dort, um den Menschen in der akuten Notsituation das Leben wieder erträglicher zu machen."

Hochmotiviert verpacken die freiwilligen Helferinnen und Helfer nicht verkaufte Waren für ihren weiteren Weg. ©VOL.AT/Franziska Eckert

In diesem Jahr werden im Speziellen auch Kisten nach Thailand geliefert, wo vor allem die Flüchtlingshilfe unterstützt wird. "Da haben wir einen ganzen Container", berichtet Sunny. Darüber hinaus werden weitere Projekte, die Caritas und Notschlafstellen über Ex und Hopp unterstützt. Nicht verkaufte Bücher werden über das Projekt Ammareal abgeholt, das sich der Alphabetisierung verschrieben hat.

Dieses Jahr gehen viele der Kisten weiter nach Thailand. ©VOL.AT/Franziska Eckert

"Was nach zwei Verkaufstagen noch in der Halle ist und außer Funktion oder schäbig, das wird entsorgt. Ich schätze, dass wir am Ende etwa 10 Prozent an Waren entsorgen." Im Bereich Entsorgung arbeitet der Flohmarkt seit Jahren mit dem ansässigen Unternehmen Loacker zusammen. Es wird darauf geachtet, dass der Kreislauf erhalten bleibt, daher werden Holz, Eisen, Kabel, Glas und andere Wertstoffe schon in der Messehalle getrennt und dann fachgerecht entsorgt.

"Viele Hände, schnelles Ende"

Am Flohmarktwochenende waren über 800 Personen im Einsatz, die entweder zu den Gründungsvereinen, den Dornbirner Pfadfindern und dem Lions Club gehören oder Freunde, Bekannte und Verwandte von diesen sind. Nach Fäßlers Motto "Viele Hände, schnelles Ende" sind die Messehallen nach fünf Wochen Sammelzeit und zwei Verkaufstagen pünktlich Sonntag, 17 Uhr, wieder leer.

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass viele Dinge hier nicht ihr Ende gefunden haben, sondern einen neuen Anfang – und die Vorfreude auf den 52. Dornbirner Flohmarkt im nächsten Jahr.

(VOL.AT)

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