Mensch oder Maschine – wer fährt sicherer?

Ein LKW transportiert eine Lieferung von A nach B ganz ohne menschliche Hilfe – Zukunftsmusik oder Realität? Andreas Wendel von Kodiak Robotics erklärt, wie er diese Vision verwirklicht.

Den sichersten Fahrer der Welt erschaffen, das ist das Ziel den US-amerikanischen Startups Kodiak Robotics. Als Chief Technology Officer (CTO) des Unternehmens arbeitet der gebürtige Vorarlberger Andreas Wendel mitten im Silicon Valley an hochtechnischen Lösungen, um den Gütertransport zu automatisieren.

Kodiak Robotics entwickelt automatisierte LKW – wie funktioniert das?

Das System, genannt kodiakDriver, nimmt zuerst mit Sensoren wahr, was in der Umgebung vorgeht. Dann berechnet der Computer den besten Pfad des LKWs und steuert den LKW dementsprechend. Mehr als 10-mal pro Sekunde werden neue Informationen in Betracht gezogen. Sicherheitsfahrende, die dabei sind, greifen nur ein, wenn sie mit der Fahrweise nicht einverstanden sind. Wir simulieren dann, wie das System ohne den Eingriff reagiert hätte und passen die Entwicklung an. Seit 2020 gibt es regelmäßig Fahrten, bei denen keine Eingriffe mehr nötig sind.

Selbstfahrende Fahrzeuge, für viele ein befremdlicher Gedanke: Doch welche Vorteile haben diese?

Über 90 Prozent aller Unfälle auf öffentlichen Straßen werden von menschlichem Fehlverhalten verursacht. Im Gegensatz dazu wird ein automatisierter Fahrer nie müde und verwendet kein Handy am Steuer. Neben der erhöhten Sicherheit spielt der chronische Fahrermangel eine große Rolle. In den USA fehlen derzeit mehr als 80.000 Fahrende – und in Europa genauso.

Braucht man in Zukunft trotz selbstfahrender LKW immer noch Fahrer:innen?

Ja, absolut. Kodiaks Plan ist es, Ladungen mit lokalen Fahrenden beim Kunden abzuholen und zu einem Umschlagplatz nahe der Autobahn zu bringen. Von dort geht es dann fahrerlos zum nächsten Umschlagplatz, wo der LKW wieder von einem lokalen Fahrenden abgeholt wird. Damit werden die menschlichen Fahrer:innen als auch der kodiakDriver dort verwendet, wo sie ihre Stärken haben.

In den USA sind bereits selbstfahrende Trucks unterwegs, warum ist es in Europa noch nicht so weit?

In vielerlei Hinsicht wäre diese Technologie in Europa einfacher zu etablieren als in den USA, da Straßen und Raststationen gut gewartet sind. Die Gesetzgebung in Europa hinkt aber noch nach, nur Deutschland ist hier Vorreiter.

Wie sieht Ihre Vision in diesem Bereich aus?

In drei bis vier Jahren wird Kodiak zeigen, dass wir den Standard eines menschlichen Fahrers erreicht haben. Dann können wir auf den Sicherheitsfahrer verzichten und skalieren – auf vielen LKW und auf vielen Strecken, auch international.

Andreas Wendel
Alter: 38
Wohnort: Mountain View, Kalifornien
Firma: Kodiak Robotics, Chief Technology Officer
Mich inspiriert: Meine Kinder – sie lernen viel schneller als jeder Computer

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