"Menschen können bis zu 28 Tage bei uns bleiben" – Was die Notschlafstelle Feldkirch bietet
Acht Einzelzimmer in Feldkirch
Wohnungslos bei Kälte und Eis? Die Caritas hilft. In der Notschlafstelle am Feldkircher Jahnplatz stehen acht Einzelzimmer zur Verfügung. "Aktuell haben wir noch freie Betten, genauso wie die letzten Tage", erklärt Stellenleiterin Alexandra Achatz beim VOL.AT-Lokalaugenschein. "Wir können jederzeit Leute aufnehmen." Die Auslastung schwanke generell, unabhängig vom Wetter.
Wenn kein Platz frei ist
"Manchmal haben wir auch Tage, an denen wir voll sind", meint Achatz. Dann versuche man, an andere Notschlafstellen, beispielsweise die des Dowas in Bregenz, zu vermitteln.
Wenn die Person das nicht möchte, fragen wir immer noch, ob wir mit einem Schlafsack helfen können", erklärt sie weiter. Auch ein warmes Getränk in der Thermoskanne und Isomatten werden angeboten. Zudem rät die Caritas, täglich neu anzufragen: "Bei uns kann sich jeden Tag etwas ändern und dann wieder ein Bett frei sein."
"Es ist einfach mitunter auch gesundheitsgefährdend"
Die Gründe für Wohnungslosigkeit sind vielfältig und laut Caritas unabhängig von der Jahreszeit. "Manche haben gerade eine Trennung oder eine Scheidung, es gibt Wegweisungen oder Delogierungen", zählt Achatz auf. Auch psychische Erkrankungen, Suchtthemen oder Jobverlust spielen eine Rolle.
"Die Problematik im Winter sind natürlich die Temperaturen", gibt sie zu verstehen. "Es ist schwieriger, draußen zu übernachten, es ist einfach mitunter auch gesundheitsgefährdend."
"Können bis zu 28 Tage bei uns bleiben"
Seit der Sanierung setzt die Einrichtung auf Einzelzimmer. In jedem gibt es ein Bett, ein Nachkästchen, einen Tisch mit Stuhl und einen Schrank. Es sei ganz unterschiedlich, wie lange jemand in der Notschlafstelle bleibe. "Menschen, die auf der Durchreise sind, sind zwischen einem und vier Nächte hier", erklärt Achatz. "Leute, die in Vorarlberg verwurzelt sind, können bis zu 28 Tage bei uns bleiben." Sie erhalten dann Unterstützung für eine Bleibe in der Zeit nach der Notschlafstelle.
Es gibt WCs und Duschmöglichkeiten für Frauen und Männer. Duschgel, Zahnbürsten und Zahnpasta werden zur Verfügung gestellt. Zudem gibt es einen Aufenthaltsraum, "wo sie ihre Mahlzeiten zu sich nehmen können, sich aber auch austauschen können." Dort liegen auch Zeitungen auf. In der Küche gibt es die Möglichkeit, Mahlzeiten zuzubereiten und eigene Fächer für Lebensmittel im Kühlschrank.
Hilfe auch tagsüber
Am Wochenende und an Feiertagen ist die Notschlafstelle durchgehend geöffnet, unter der Woche nur von 17:30 bis 11 Uhr. Private Gegenstände können untertags im Zimmer gelassen oder bei Mitarbeitenden deponiert werden.
Wo können Wohnungslose am Tag hin? Neben der Notschlafstelle ist das Caritas Café in Feldkirch eine zentrale Anlaufstelle, wie Achatz zu verstehen gibt. Es ist direkt am Bahnhof in Feldkirch zu finden. "Dort kann man sich ohne Konsumzwang aufhalten", gibt Alexandra Achatz zu verstehen. "Es gibt gratis Frühstück, es gibt vergünstigt Kaffee und Mittagessen." Vergleichbare Einrichtungen für Tagesaufenthalte gibt es auch in anderen Städten des Landes.
Wer in die Notschlafstelle kommt
Es gibt keinen typischen Notschlafstellenbesucher, wie Alexandra Achatz zu verstehen gibt. Es kommen Frauen und Männer, von jungen Erwachsenen bis ins Pensionsalter. "Es kann auch sein, dass jemand hier ist, der Arbeit hat und eben einfach zu wenig finanzielle Mittel hat, um sich ein Pensions- oder Hotelzimmer zu bezahlen", meint Achatz dazu.
Dass weniger Frauen als Männer in Notschlafstellen auftauchen, habe mit verdeckter Wohnungslosigkeit zu tun. "Bei Frauen ist die Schamhürde größer als bei Männern", sagt Achatz. Die Caritas hofft, dass sich Frauen durch die neuen Einzelzimmer eher trauen, zu kommen. Besonders für Frauen sei es wichtig, sich sicher und respektiert zu fühlen. Zusätzlich gibt es einen eigenen Frauenraum: "Einen Aufenthaltsraum, der nur für sie ist, um sich ohne Männer zurückziehen zu können."
Was tun, wenn jemand Hilfe braucht?
In Vorarlberg gibt es keinen Kältenotruf. Was also tun, wenn man als Passant jemanden sieht, der Hilfe brauchen könnte? Die Caritas appelliert, nicht wegzusehen. "Wir empfehlen immer, dass man zuerst einmal die Person anspricht und fragt: Benötigen Sie Hilfe?", betont die Stellenleiterin. "Wenn ich beim Ansprechen merke, die Person hat blaue Lippen, zittert, dann bitte sofort die Rettung anrufen." Ansonsten solle man das Gespräch suchen und fragen, ob Hilfe nötig sei oder man sich um einen Schlafplatz kümmern solle. "Sollen wir gemeinsam in der Notschlafstelle anrufen?", könne man dann fragen, meint Achatz.
Lehnt jemand Hilfe ab, sei auch das zu respektieren: "Viele sind trotzdem mitunter sehr dankbar dafür, dass sie angesprochen wurden." Dann könne man sich einfach so mit der Person austauschen. Das Angebot, einen Kaffee zu kaufen, kommt einem oft in den Sinn. "Es ist ganz unterschiedlich, wie die Hilfsangebote, die man Menschen macht, ankommen", weiß die Stellenleiterin der Notschlafstelle. "Deshalb ist es einfach wichtig: auf die Person zugehen, sensibel sein." Wenn eine Person keine Hilfe wolle, müsse man den Leuten ihren Frieden lassen.
In der kalten Jahreszeit und in Zeiten des Spar-Kurses bittet die Caritas um Spenden: "Ob eine warme Mahlzeit oder ein Schlafsack – wir sorgen dafür, dass die Spende auf direktem Wege den notleidenden Menschen zugutekommt."
- Caritas der Diözese Feldkirch
- IBAN AT32 3742 2000 0004 0006
- Kennwort: Notschlafstelle
(VOL.AT)