Millionen-Erbe abgelehnt: Familie spendet ihr Vermögen
15 Millionen Franken. Eine Summe, die für viele ein sorgenfreies Leben bedeuten würde. Für eine vierköpfige Familie aus der Ostschweiz hingegen ist sie vor allem eines: eine Verantwortung.
Das Vermögen stammt vom Großvater, einem erfolgreichen Architekten und Bauherrn. Über Generationen wuchs es zu einem Millionenbetrag an. Doch Reichtum spielte im Alltag der Familie nie die Hauptrolle. "Wir hatten ein großes Haus und ein Kindermädchen", erzählt der Vater gegenüber dem "Beobachter". Luxusurlaube oder ein demonstrativer Lebensstil seien dennoch nie Thema gewesen.
Vor allem die Mutter fremdelte mit dem Wohlstand. Aufgewachsen als eines von zehn Kindern in einer Bauernfamilie, habe sie sich nie mit wohlhabenden Kreisen identifizieren können. "Dieser Reichtum aus der Familie meines Mannes gehörte für mich nie wirklich zu uns", sagt sie.
Diskussionen über Geld – und Verantwortung
Der eigentliche Wendepunkt kam schleichend. Immer wieder sprach die Familie über das Geld, über dessen Bedeutung und darüber, was man damit tun könnte.
Ein zentraler Auslöser: die Klimakrise. Besonders die Tochter habe früh den Wunsch geäußert, mit dem Vermögen aktiv etwas zu bewirken. "Sie war schon immer die Aktivistische von uns", sagt ihr Bruder.
Doch so klar der Impuls war, so groß waren auch die Zweifel. Was ist mit der eigenen Zukunft? Mit möglichen Krankheiten? Oder mit den Erwartungen früherer Generationen?
Die Familie suchte professionelle Unterstützung. Ein Coach begleitete sie über ein Jahr hinweg. In zahlreichen Gesprächen tasteten sie sich an eine Entscheidung heran, Schritt für Schritt.
Erste Spende, große Pläne
Das Ergebnis: Die Familie beginnt, ihr Vermögen zu verschenken. Bis Ende 2026 sollen rund 1,5 Millionen Franken an eine Schweizer Klimastiftung fließen, die Projekte zum Umwelt- und Biodiversitätsschutz unterstützt.
Doch das ist nur der Anfang. Langfristig wollen die Familienmitglieder möglichst das gesamte Vermögen einsetzen, insgesamt rund 15 Millionen Franken. Wie die restlichen Mittel verteilt werden, ist noch offen. Ganz verzichten wird die Familie allerdings nicht: Das Eigenheim und eine finanzielle Basis für den Ruhestand sollen bestehen bleiben.
Der Schritt ist ungewöhnlich, aber kein spontaner. Er ist das Ergebnis eines langen innerfamiliären Prozesses, geprägt von Herkunft, Werten und Zukunftsfragen.
(VOL.AT)