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Mit 50 auf den Führerstand: Vorarlbergerin startet als Lokführerin neu durch

Mit 50 Jahren wagt Mariette Jochum aus Düns den Neustart und wird Lokführerin bei den ÖBB.
Mit 50 Jahren wagt Mariette Jochum aus Düns den Neustart und wird Lokführerin bei den ÖBB. ©VOL.AT/Emilia Waanders
Emilia Waanders (VOL.AT) emilia.waanders@russmedia.com
Ein alter Traum holt sie wieder ein – und führt Mariette Jochum in eine völlig neue Richtung.

Während viele mit 50 Jahren längst im gewohnten Berufsalltag angekommen sind, hat Mariette Jochum aus Düns noch einmal neu angefangen. Die ehemalige Buslenkerin absolviert derzeit die Ausbildung zur Lokführerin bei den ÖBB – in einem Beruf, der noch immer stark von Männern dominiert wird.

Video: Frauenpower am Führerstand

Ein Traum aus jungen Jahren

Die Idee, Lokführerin zu werden, begleitet Jochum schon seit ihrer Lehrzeit als Maschinenmechanikerin. Bei einer Exkursion in die ÖBB-Lehrwerkstätte kam sie erstmals mit dem Beruf in Kontakt.

"Da habe ich mir schon gedacht, das wäre etwas für mich", erinnert sie sich. Danach habe ihr Berufsweg allerdings zunächst in eine andere Richtung geführt. Sie arbeitete unter anderem zuvor als Buslenkerin und hatte schon immer mit technischen Tätigkeiten zu tun.

Mariette Jochum ist bald mit der Ausbildung fertig. ©VOL.AT/Emilia Waanders

Als später ein beruflicher Wechsel anstand, erinnerte sie sich an ihren alten Wunsch. "Dann habe ich mir gedacht: Jetzt probiere ich das, was ich früher einmal machen wollte."

Ein Beruf für Frauen und Quereinsteiger

Der Beruf des Lokführers gilt bis heute als klassische Männerdomäne. Laut ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair hat das vor allem historische Gründe. Früher waren eine handwerkliche Ausbildung und teilweise auch Altersgrenzen Voraussetzung für den Beruf.

Beides sei längst aufgehoben. Gesucht werden heute Frauen und Männer jeden Alters – auch Quereinsteiger. Gerade in Vorarlberg werden dringend neue Mitarbeiter benötigt.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Bis man allein auf dem Führerstand sitzt, ist allerdings einiges zu absolvieren. Bereits das Bewerbungsverfahren umfasst mehrere Tests, Interviews und ein psychologisches Gutachten.

Danach folgt eine rund einjährige Ausbildung mit Theorie- und Praxisblöcken. "Es ist ein lernintensives Jahr und man muss dranbleiben", sagt Jochum.

Ihre Dienstprüfung hat sie bereits Ende März erfolgreich abgeschlossen. Aktuell absolviert sie noch Fahrzeugschulungen. Danach folgen weitere Prüfungen, bevor sie eigenständig Züge führen darf.

Die ÖBB wünscht sich mehr Frauen in ihrem Lokführer-Team. ©VOL.AT/Emilia Waanders

"Für jeden machbar"

Von den technischen Anforderungen sollte sich niemand abschrecken lassen, findet die 50-Jährige.

"Ich finde, dass das für jeden machbar ist." Eine technische Vorbildung sei hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Die Inhalte würden verständlich vermittelt und seien erlernbar. Wichtig seien vor allem Interesse und Lernbereitschaft.

Keine Spur von Vorurteilen

Obwohl Frauen auf dem Führerstand noch immer in der Minderheit sind, fühlt sich Jochum bei den ÖBB gut aufgenommen.

"Ich fühle mich hier willkommen", sagt sie. Unter den Kolleginnen und Kollegen werde einander geholfen. Vorurteile habe sie bislang keine erlebt. Auf die Frage, ob sie sich als Frau in der Branche wahrgenommen fühle, antwortet sie klar: "Ja, zu 100 Prozent."

Karrieretag in Bludenz

Um neue Lokführerinnen und Lokführer zu gewinnen, veranstalten die ÖBB am Freitag, 12. Juni 2026, einen Karrieretag in Bludenz. Interessierte können dabei den Führerstand besichtigen, den Fahrsimulator testen und mit erfahrenen Mitarbeitern ins Gespräch kommen. Bis spätestens 10.06.2026 kann sich jeder kostenlos anmelden.

Jochums Rat an Interessierte: "Nicht schüchtern sein. Einfach vorbeischauen, anschauen und ausprobieren." Vielleicht beginnt für den einen oder die andere dort eine ähnliche Erfolgsgeschichte – auch mit 50 Jahren noch.

(VOL.AT)

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