"Mit fünf Koffern nach Köln"– Lingenauer Schauspieltalent feiert ersten Erfolg auf der Bühne
Er wollte nicht sein Leben lang im Büro sitzen und wagte nach der Matura den Neuanfang in Köln. Noah Robl aus Lingenau studiert seit einem Jahr Schauspiel – und erlebt nun mit 21 seinen ersten großen Erfolg auf der Bühne.
Vom Dorf in die Großstadt
Noah Robl ist in Lingenau aufgewachsen – dort, wo Ruhe kein Luxus ist, sondern Alltag. In Köln musste er sich erst daran gewöhnen, dass eine Stadt selten stillsteht. Umso dankbarer ist er für seine Wohngegend, "ein bisschen ruhiger", wie er sagt, "in der Nacht hört man fast keine Autos". Der 21-Jährige studiert seit gut einem Jahr Schauspiel an der Theaterakademie Köln. Und hat in dieser kurzen Zeit etwas erlebt, das in seiner Branche früh als Auszeichnung zählt: einen Theaterpreis.
Video: Noah über Herausforderungen im Schauspiel-Studium
"Möchte nicht das ganze Leben lang vor dem Computer sitzen"
Vor dem Schauspiel stand die HTL Dornbirn. Informatik, Matura, ein klarer und sicherer Berufsweg. Doch schon während der Schulzeit spürte Robl, dass er sich dort nicht sieht. "Ich möchte nicht das ganze Leben lang im Büro vor dem Computer sitzen", sagt er. Der Wunsch, Schauspieler zu werden, sei viel älter gewesen.
Er erinnert sich an ein altes Klassenbuch aus der Volksschule, in dem jemand geschrieben hatte, dass er "vielleicht irgendwann einmal Schauspieler" werde. "Das habe ich ganz lustig gefunden", sagt Robl – und man hört zwischen den Zeilen, dass diese Idee ihn nie ganz losgelassen hat. Theaterverein in Lingenau, Schauspiel-Freifach in der Schule, erste Bühnenluft. Irgendwann der Entschluss, es ernsthaft zu versuchen.
Nach der Matura bewarb er sich an mehreren Schauspielschulen. In Köln klappte es. "Ich bin nach der Matura gleich im Sommer danach mit fünf Koffern nach Köln gezogen", erzählt er.
Die Herausforderung mit dem Bregenzerwälder Dialekt
Die Schauspielausbildung beschreibt Robl nicht romantisch. Sie ist körperlich, fordernd, technisch. Eine der größten Umstellungen sei die Sprache gewesen. Der Vorarlberger Dialekt, sagt er, sei etwas, das man erst einmal ablegen müsse. An der Akademie lernen sie Hochdeutsch über Lautschrift, über Regeln, über präzise Aussprache. "Mich interessiert das brutal, weil man genau sieht, wie Sprache aufgebaut ist."
Dazu kommt Bewegungstraining, Ausdauer, stundenlanges Stehen auf der Bühne. "Du musst zwei Stunden Vollgas geben", sagt Robl, oft fast ohne Pause. Lampenfieber kennt er kaum. Kurz vor dem Auftritt sei es da, dann verschwinde es. Das Licht helfe, sagt er – weil man das Publikum kaum sehe, sondern nur höre.
Was ihn besonders fasziniert: die Technik hinter Emotionen. Schauspiel sei keine Therapie, sagt Robl, sondern Handwerk. Gefühle würden nicht aus dem Privatleben geholt, sondern über Körpererinnerungen erzeugt. "Man erinnert sich daran, wie sich der Körper anfühlt, wenn er traurig ist." Das Private müsse vom Spiel getrennt bleiben – alles andere sei gefährlich.
random.
Der bisher größte Moment seiner jungen Laufbahn kam mit dem Stück "random." – ein Jugendtheaterstück über Smartphone-Nutzung, Social Media und den Druck permanenter Selbstdarstellung. Drei Influencer treffen sich in einem Detox-Retreat, alle aus unterschiedlichen Welten, alle auf ihre Art getrieben vom Wunsch nach Aufmerksamkeit.
Robl spielt Sami, einen jungen Make-up-Influencer mit wenigen Followern, dafür viel Unsicherheit. "Ein brutal lieber Bub", sagt Robl, gutgläubig, verletzlich.
Die Produktion entstand unter großem Zeitdruck. Eine Autorin war abgesprungen, Text kam teilweise erst kurz vor der Premiere. Gespielt wurde in einem kleinen Theater der freien Szene. Dass die Jury des Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreises im Publikum saß, ahnte niemand.
FAQ: Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis
Was ist der Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis?
Der Preis zeichnet professionelle Theaterproduktionen der freien Szene aus, die sich an Kinder und Jugendliche richten.
Wer vergibt den Preis?
Verliehen wird er von einer Fachjury im Umfeld der Kölner freien Theaterszene, unterstützt von Stiftungen und Förderern.
Wofür wird er vergeben?
Ausgezeichnet werden Inszenierungen, die künstlerisch überzeugen und gesellschaftlich relevante Themen für junges Publikum aufgreifen.
Warum gilt der Preis als besonders?
Weil er gezielt Produktionen würdigt, die oft mit wenig Budget entstehen und dennoch hohe Qualität bieten.
Warum ist der Preis für junge Schauspieler wichtig?
Der Preis gilt als anerkanntes Qualitätssiegel und kann ein wichtiger Schritt für die weitere Karriere sein.
"Das werdet ihr eh nicht gewinnen"
Als die Nominierung kam, war die Freude groß – mehr aber auch nicht. Gegen große Häuser mit viel Budget rechnete sich niemand Chancen aus. Nicht einmal bei der Preisverleihung selbst. "Wir sind da ohne Erwartungen hingegangen", sagt Robl. Unsere Chefin sagte zu uns: "Das werdet ihr eh nicht gewinnen."
Dann wurde der Sieger verkündet. "Auf einmal steht unser Stück da oben." Robl beschreibt einen Moment voller Adrenalin: Schreien, Zittern, völlige Überforderung. Das Interview auf der Bühne sei chaotisch gewesen, niemand vorbereitet. "Wir haben alle keine Worte mehr rausgebracht."
Der Preis gilt in Köln als wichtig, vor allem für die freie Szene, die finanziell stark unter Druck steht. Für Robl ist er mehr als eine Trophäe. Er ist ein Signal – nach außen, aber auch nach innen. "Als Schauspieler braucht man Nominierungen oder Preise", sagt er nüchtern. Und doch betont er sofort, dass es ein Gemeinschaftserfolg war. Theater funktioniere nur im Team. "Wenn einer schlecht spielt, ist alles schlecht."
Heimat Lingenau: "Ich will immer wieder zurück"
Und trotz der Erfahrungen in Köln bleibt Vorarlberg präsent. "Ich will immer wieder zurück", sagt er. Köln sei im Sommer schön, im Winter grau. Vielleicht werde es einmal eine Lösung zwischen zwei Orten. Ein fixes Engagement an einem Theater – in Deutschland oder in Vorarlberg – wäre für ihn ein Traum.
(VOL.AT)