Mit Wildcard beim Profiturnier. Sie kann aber gar nicht Tennis spielen
Ein Match sorgt für Kopfschütteln
Was sich kürzlich beim ITF-W35-Turnier in Nairobi abspielte, wirkt wie ein Missverständnis – ein folgenschweres. Die 21-jährige Hajar Abdelkader, laut Anmeldung aus Ägypten, trat mit einer Wildcard gegen die Deutsche Lorena Schädel (Nummer 1024 der Weltrangliste) an – und verlor in nur 37 Minuten mit 0:6, 0:6.
Das allein wäre keine Schlagzeile wert, hätte das Spiel nicht eher an ein Anfängertraining erinnert: 20 Doppelfehler, kaum getroffene Bälle, keinerlei Technik. Videos des Spiels verbreiteten sich rasant im Netz – mit irritierter, teils fassungsloser Resonanz. Die zentrale Frage: Wie kommt eine offensichtlich überforderte Spielerin überhaupt in das Hauptfeld eines Profiturniers?
Veranstalter gesteht Fehler ein
Die Antwort liefert nun der Veranstalter selbst: Tennis Kenya, verantwortlich für das Turnier, räumt in einer offiziellen Stellungnahme ein, dass die Wildcard-Vergabe ein Fehler war.
"Im Nachhinein räumt Tennis Kenya ein, dass diese Wildcard nicht hätte vergeben werden dürfen. Der Verband hat diesen Vorfall zur Kenntnis genommen und wird sicherstellen, dass ein solch äußerst seltener Fall nie wieder vorkommt", hieß es in dem von der dpa bestätigten Statement.
Hintergrund: Eine ursprünglich vorgesehene Spielerin hatte kurzfristig abgesagt. Abdelkader sei zu diesem Zeitpunkt die einzige Bewerberin um die Wildcard gewesen. Sie habe angegeben, über ausreichende Wettkampferfahrung zu verfügen – was sich im Nachhinein als grobe Fehleinschätzung entpuppte.
Ägyptischer Verband geht auf Distanz
Besonders brisant: Der ägyptische Tennisverband weist jegliche Verantwortung von sich. Gegenüber der BBC betonte der technische Direktor Dia Nabil Loutfy, dass Abdelkader nie offiziell als ägyptische Spielerin registriert war und auch nicht im Namen Ägyptens für das Turnier gemeldet wurde.
"Wir hatten weder direkt noch indirekt irgendeine Rolle bei der Nominierung, Genehmigung oder Ausstellung dieser Wildcard", sagte Loutfy. Abdelkader habe zuvor in Kenia gelebt – offenbar auch ohne eine dokumentierte Tenniskarriere.
(dpa/VOL.AT)