Montafoner Bergbahnen: Gratis-Parken vor dem Aus? Neue rechtliche Schritte für gebührenpflichtige Parkplätze
Sie stehen etwa in Gargellen und seit Jahren auch an der Talstation der Golmerbahn in Vandans: Parkautomaten. Doch obwohl die Technik längst bereit wäre, bleibt das Parken bei den Montafoner Bergbahnen kostenlos. Der Grund liegt nicht in fehlendem Interesse der Betreiber. Vielmehr fehlte bislang die rechtliche Grundlage.
Umwidmungsverfahren in Vandans durch
Im Fall der Golmerbahn in Vandans zeigt ein aktuelles Umwidmungsverfahren, wie komplex die Voraussetzungen für eine Parkraumbewirtschaftung sind. Bereits im August 2023 beantragte die illwerke vkw AG eine Änderung des Flächenwidmungsplans. Ziel war die Anpassung an die tatsächlichen Gegebenheiten rund um die Talstation der Golmerbahn. Im Zuge von Hochwasserschutzmaßnahmen und einer Neugestaltung des Areals entstanden dort großflächige Parkflächen. Für deren Bewirtschaftung fehlte allerdings die notwendige Widmung als Sondergebiet Parkplatz. Erst mit der nun erfolgten Anpassung wurde die rechtliche Grundlage geschaffen, um die Flächen künftig bewirtschaften zu können. Laut Erläuterungsbericht war eine spätere Gebührenpflicht bereits bei der Planung der Anlage vorgesehen.
Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Einnahmen. Die Gemeinde Vandans verweist in den Unterlagen ausdrücklich auf die Förderung des öffentlichen Verkehrs und die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs. Die Parkplatzbewirtschaftung sei Teil einer Strategie des Bergbahnpools WildPass. Gäste sollen verstärkt auf Busverbindungen umsteigen, die direkt an den Talstationen halten. Gleichzeitig soll die Nutzung wertvoller Flächen effizienter gesteuert werden.
Parkraumbewirtschaftung als Einnahmequelle
Dass hinter Parkgebühren dennoch durchaus wirtschaftliches Potenzial steckt, zeigt ein Blick über die Landesgrenze nach Tirol. Dort haben zahlreiche Tourismusorte die Bewirtschaftung von Parkflächen bereits eingeführt. Besonders auf großen Talstationsparkplätzen können erhebliche Einnahmen erzielt werden. Konkrete Zahlen nennen die Bergbahnen Sölden auf Anfrage zwar nicht, verweisen aber darauf, dass die Erträge bei größeren Anlagen ein „interessantes Geschäftsmodell“ darstellen.
In Sölden wird das Geld nach einem klaren Schlüssel verteilt: 80 Prozent der Einnahmen gehen an die Grundeigentümer beziehungsweise Pächter der Parkflächen. Damit werden Infrastruktur, Wartung, Parkleitsysteme und die technischen Anlagen finanziert. Die übrigen 20 Prozent erhält die Gemeinde. Sie übernimmt die Abrechnung, organisiert Kontrollen und investiert einen Teil der Erlöse in den Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots.
Konzept mit Konfliktpotential
Ein Konzept, das auch im Montafon funktionieren könnte. Die Bergbahnen verfügen an mehreren Standorten über große Parkflächen in unmittelbarer Nähe zu den Talstationen. Während Liftkarten, Gastronomie und Zusatzangebote seit Jahren wichtige Einnahmequellen darstellen, könnte langfristig auch die Parkraumbewirtschaftung zu einem weiteren Geschäftsfeld werden. Die notwendige Infrastruktur ist vielerorts bereits vorhanden. Entscheidend wird sein, ob die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden können und ob Gemeinden sowie Betreiber den politischen Willen haben, kostenpflichtiges Parken tatsächlich umzusetzen.
Ein sensibles Thema, wie Offizielle wissen. Für Einheimische und Tagesgäste gehören kostenlose Parkplätze an den Talstationen seit Jahrzehnten selbstverständlich zum Serviceangebot der Bergbahnen. Gebühren könnten zwar zusätzliche Einnahmen generieren und den öffentlichen Verkehr stärken, würden aber gleichzeitig die Kosten eines Skitags oder Wanderausflugs erhöhen.
(VOL.AT)