Kurt Cobain wurde am 8. April 1994 in seinem Haus nahe Seattle tot aufgefunden. Der 27-Jährige war durch einen Schuss aus einer Schrotflinte ums Leben gekommen. Der Fall wurde damals als Suizid abgeschlossen. Nun sorgt eine neue Analyse für Diskussionen.
Forensiker prüfen Autopsie neu
Ein privates US-Team hat nach eigenen Angaben Autopsiebericht und Tatortfotos erneut untersucht. Mit dabei ist der Forensiker Brian Burnett, der auf Fälle spezialisiert ist, bei denen Drogenüberdosen mit Schussverletzungen zusammentreffen.
Nach drei Tagen Analyse kommt das Team zu einem klaren Ergebnis. "Das war ein Mord."
Die Gutachter halten es für möglich, dass Cobain zunächst durch eine massive Heroinüberdosis außer Gefecht gesetzt worden sei. Erst danach könne der tödliche Schuss gefallen sein. Darüber berichtete die "Daily Mail".
Hinweise auf mögliche Überdosis
Die privaten Ermittler verweisen auf mehrere Punkte im Autopsiebericht. Demnach wurden Flüssigkeit in den Lungen, Blutungen in den Augen sowie Schäden an Gehirn und Leber dokumentiert.
"Die Nekrose von Gehirn und Leber sieht man bei einer Überdosis. Nicht bei einem sofort tödlichen Schrotflintenschuss", heißt es aus dem Umfeld der Untersucher.
Zudem fehle im Bericht ein Hinweis darauf, dass Blut in die Atemwege gelangt sei – ein Befund, der bei einem Kopfschuss erwartet werde. Auch das Atemzentrum im Hirnstamm sei offenbar nicht direkt zerstört worden.
Unstimmigkeiten am Tatort
Fragen werfen aus Sicht der Gutachter auch Details am Fundort auf. Cobains Ärmel seien hochgekrempelt gewesen, das Heroin-Set habe mehrere Meter entfernt gelegen. Mehrere verschlossene Spritzen, Watte und portioniertes Heroin hätten "aufgeräumt" gewirkt.
Auch die Lage der Patronenhülse wird thematisiert. "Wenn die Hand so am Lauf war, dürfte gar keine Hülse ausgeworfen worden sein", erklären Burnett und sein Team. Laut früheren Berichten soll Cobains linke Hand den Lauf umfasst haben, jedoch seien nur geringe Blutspuren festgestellt worden.
Der Abschiedsbrief wird ebenfalls neu bewertet. Während der obere Teil als Abschied vom Musikgeschäft interpretiert wird, erscheinen die letzten Zeilen laut den privaten Ermittlern wie ein später hinzugefügter Zusatz.
Behörden bleiben bei Suizid-Theorie
Die zuständigen Stellen in Seattle halten dennoch an der ursprünglichen Einschätzung fest. Der Gerichtsmediziner von King County sieht keinen Anlass für eine Wiederaufnahme des Falls. Auch die Polizei erklärt: "Unsere Position bleibt: Suizid."
Cobain galt als prägende Figur der Grunge-Bewegung. Mit Nirvana veröffentlichte er 1991 das Album "Nevermind", das sich millionenfach verkaufte und Songs wie "Smells Like Teen Spirit" weltweit bekannt machte. Sein Tod im Alter von 27 Jahren löste international Bestürzung aus.
(VOL.AT)