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"Musik schafft Heimat": Frust, Fleiß und Ankommen

Karin Burtscher bei einer Probe der Musikfreunde Bregenz. Der Weg zurück an dieses Pult war alles andere als leicht.
Karin Burtscher bei einer Probe der Musikfreunde Bregenz. Der Weg zurück an dieses Pult war alles andere als leicht. ©Alexandra Serra
Als Karin Burtscher 2007 nach Vorarlberg kam, fand sie sich bald im Alltag zurecht. Angekommen fühlte sich die Violinistin jedoch erst durch die Menschen, die sich heute auf sie verlassen.

Der Dirigent hebt den Taktstock und nimmt Blickkontakt zum Konzertmeister und den anderen Streichern auf. Karin Burtscher sitzt vorne am ersten Pult und wartet konzentriert auf den Einsatz. Ihre Aufgabe als Stimmführerin der zweiten Geigen im Laienorchester "Gesellschaft der Musikfreunde Bregenz" ist vielschichtig, sie selbst beschreibt sie jedoch simpel: "Wenn alle anderen nicht spielen – einer muss spielen. Und das ist der Stimmführer." Sie muss das Stück – auch die Takte des Solisten – also so gut beherrschen, dass sie reagieren kann, wenn etwas nicht nach Plan läuft. "Dein Register verlässt sich auf dich", erklärt sie.

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Karin Burtscher (vorne Mitte) mit "ihren" zweiten Geigen nach einem Konzertabend. ©privat

Die Arbeit davor

Die Arbeit der Stimmführerin beginnt nicht erst mit dem Konzertabend, nicht einmal mit den Proben vor den halbjährlichen Auftritten. Sobald das Stück ausgewählt ist, bereitet sie die Fingersätze vor, die einem Violinisten sagen, mit welchem Finger die Saiten gegriffen werden. Bei den Stimmproben vermittelt sie den anderen ihres Registers, welche Bewegungen sie an welcher Stelle ausführen sollten und welche Muskeln am Spiel beteiligt sind. Die Mitglieder der zweiten Geige seien eine "ambitionierte und fleißige Truppe" und wüssten ihre Arbeit zu schätzen. Deshalb bereite es ihr Freude, ihr Wissen weiterzugeben, sagt Burtscher.

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Die Geige in Karins Händen ist nicht mehr wegzudenken. ©privat

Wurzeln schlagen

Als die 55-Jährige, die in Siebenbürgen (Rumänien) geboren wurde und später mit ihren Eltern in Deutschland lebte, mit ihrem Ehemann ins Ländle zog, fühlte sie sich zwar wohl in ihrem neuen Umfeld. Zur Heimat wurde Vorarlberg für sie jedoch vor allem durch das Musizieren: Im Orchester entstanden erst Bekanntschaften und dann Freundschaften mit Menschen, die ihre Leidenschaft teilen. "Man bekommt dadurch Wurzeln, dass man sich verbindet mit den Menschen, mit denen man in einer Gesellschaft zusammenlebt", weiß sie.

"Man bekommt dadurch Wurzeln, dass man sich verbindet mit den Menschen, mit denen man in einer Gesellschaft zusammenlebt", weiß die Stimmführerin aus Erfahrung. ©Alexandra Serra

Der Weg zurück

Bis Burtscher allerdings den Musikfreunden beitreten und die Stimmführung der zweiten Geigen übernehmen konnte, wartete ein frustrierender Weg zu ihren früheren Fähigkeiten auf sie. Mit sieben Jahren hielt sie zum ersten Mal eine Violine in den Händen, später spielte sie im Orchester und gab Unterricht. Dann kam ein Studium als Bankkauffrau, der Job und schließlich der Umzug nach Vorarlberg. Nach der langen Zeit, in der sie nicht musizierte, sei der Wiedereinstieg frustrierend gewesen: "Es war richtig schmerzhaft für mich", sagt sie, da sie genau gewusst habe, wie es klingen sollte und zugleich hörte, wie weit sie davon entfernt war. Das Handtuch zu werfen, war für die willensstarke Frau aber keine Option: Fünf Tage die Woche übte sie, verfeinerte ihre Motorik und fand Schritt für Schritt zu den Bewegungen und Denkmustern zurück, die einmal selbstverständlich gewesen waren. Erfolg hatte sie auch, weil sie nie ans Aufgeben dachte: "Ich habe gelernt, dass es auch für Dinge, die aussichtslos scheinen, eine Lösung gibt. Man muss nur weitermachen."

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Ein weiteres Hobby der Violinistin: Golf spielen. ©privat

Vor dem Auftritt

Am 9. Mai gibt das Orchester der "Gesellschaft der Musikfreunde Bregenz" im Theater am Kornmarkt sein Frühlingskonzert. Vor dem Auftritt schickt Burtscher ihren zweiten Geigen meist eine Nachricht: Die Arbeit sei getan, das Wichtigste sei die Freude an der Musik. "Die, die zuhören, haben Freude. Und wir haben Freude. Und wenn das zusammenkommt, dann ist das eine schöne Sache."

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Das Liebhaberorchester "Gesellschaft der Musikfreunde Bregenz" finanziert sich hauptsächlich über Spenden und passive Mitglieder. ©Kathy Schwärzler
Fact-Box
Zur Person
Karin Burtscher
Geburtsdatum: 11. Februar 1971
Wohnort: Schwarzach
Tätigkeit: Stimmführerin der 2. Geige bei der "Gesellschaft der Musikfreunde Bregenz"
Hobbys: Erkunden der herrlichen Natur Vorarlbergs – zu Fuß und auf dem Fahrrad, Golf spielen
Familie: verheiratet
Lebensmotto: "Wenn man ehrlichen Herzens sucht und nicht aufgibt, findet man immer eine Lösung."
Kontakt/Website: www.musikfreunde-bregenz.at
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