Nach Brand in Crans-Montana: Video zeigt Flucht der Klubbetreiberin mit der Kasse
Was als rauschende Silvesterfeier begann, endete in einer Tragödie: Im Nachtclub "Le Constellation" in Crans-Montana brach kurz nach Mitternacht ein Feuer aus, das sich innerhalb von Minuten durch das Lokal fraß. 40 Menschen verloren dabei ihr Leben, 116 wurden teils schwer verletzt. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.
Klubbetreiberin auf Flucht mit der Kasse gefilmt
Besonders brisant: Ein bislang nicht veröffentlichtes Video, das den Ermittlern vorliegt, zeigt offenbar, wie Jessica Moretti – Mitbetreiberin des Lokals – während des Brandes mit der Tageskasse flieht. Laut mehreren Medienberichten sei sie mit den Einnahmen unter dem Arm durch den Rauch gestürzt, während hinter ihr Menschen um ihr Leben kämpften. Für viele Angehörige der Opfer ist dieser Moment ein weiterer Schock – für die Justiz könnte er entscheidend sein, berichten mehrere Medien.
"Man verlässt das Schiff nicht, wenn das Meer tobt"
Der Bürgermeister von Crans-Montana, Nicolas Féraud, fand deutliche Worte: "Man verlässt das Schiff nicht, wenn das Meer tobt." Doch ausgerechnet er steht nun selbst in der Kritik. Denn wie er selbst einräumte, wurden seit 2020 keine behördlichen Kontrollen mehr in der Bar durchgeführt – ein Versäumnis, das tragische Folgen gehabt haben könnte.
Überfüllung und fehlende Genehmigungen
Was offiziell als Bar gemeldet war, entwickelte sich über die Jahre zu einem beliebten Nachtclub – mit deutlich mehr Gästen als zulässig. Die zulässige Maximalzahl lag bei 240 Personen. Ob diese Zahl in der Silvesternacht überschritten wurde, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.
Ermittlungen wegen Brandstiftung und Fahrlässigkeit
Jessica Moretti und ihr mutmaßlicher Mitbetreiber Jacques Moretti sehen sich nun mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen fahrlässiger Körperverletzung und Brandstiftung. Für eine Inhaftierung fehlt laut Behörden bislang jedoch die Beweislage.
Funkenregen als Auslöser
Der Auslöser des Feuers war vermutlich eine sogenannte "Partyfontäne" – eine Art Wunderkerze, die bei einer Showeinlage gezündet wurde. Diese setzte laut ersten Analysen die schaumstoffverkleidete Decke des Lokals in Brand. Innerhalb kürzester Zeit stand der gesamte Klub in Flammen.
Material der Decke im Fokus
Welches Material bei der Deckenkonstruktion verwendet wurde, ist derzeit Gegenstand forensischer Untersuchungen. Bei vergangenen Kontrollen in den Jahren 2017 bis 2019 waren keine sicherheitsrelevanten Mängel festgestellt worden. Laut Angaben wurde das Lokal vor rund zehn Jahren vom Betreiber selbst umgebaut – für gewisse bauliche Änderungen war keine Genehmigung erforderlich.
Internationale Anteilnahme – Unterstützung für Opferfamilien
Neben zahlreichen Schweizer Gästen waren auch viele Besucherinnen und Besucher aus Frankreich und Italien unter den Opfern. Die Behörden haben finanzielle Hilfe für die Familien der Verstorbenen angekündigt.
Lob für Rettungskräfte
Mathias Reynard, Staatsrat des Kantons Wallis, lobte die eingesetzten Rettungskräfte: "Ohne ihren mutigen Einsatz hätte es noch mehr Opfer gegeben." Die Brandkatastrophe von Crans-Montana gilt als eine der schwersten in der Geschichte der Schweiz.
(VOL.AT)