AA

Nach der Schule fährt Kasimir 240 Kilometer – für ein paar Runden

Wenn Kasimir Lange am Nachmittag ins Auto steigt, ist sein Tag noch lange nicht vorbei. Vor ihm liegen 240 Kilometer, ein paar Runden auf der Kartbahn und eine Frage, die seine Familie immer stärker beschäftigt.

Mellau – Graubünden

Mit 14 Jahren verbringt Kasimir Lange einen Großteil seiner Freizeit auf der Kartbahn statt mit Freunden am Badesee oder auf der Skipiste. Für seine Leidenschaft fährt der Jugendliche aus Mellau jede Woche bis nach Graubünden zum Training. Der Traum vom Motorsport bestimmt inzwischen den Alltag der ganzen Familie.

Der große Traum

Schon als Kleinkind war klar, dass Kasimir eine besondere Begeisterung für Autos hat. Während andere Kinder mit Bauklötzen spielten, konnte der gebürtige Pole, der als Kleinkind in den Bregenzerwald kam, Automarken unterscheiden und verbrachte Stunden mit seinen Hot-Wheels-Autos. "Er hatte Hunderte kleine Autos", erzählt seine Mutter. "Und plötzlich saß er mit neun oder zehn Jahren am Tisch und sagte: Ich werde Formel-1-Fahrer."

Damals nahmen die Eltern den Wunsch noch nicht allzu ernst. Motorsport war für die Familie völliges Neuland. "Für uns war das eine total andere Welt", sagt seine Mutter. Doch Kasimir blieb hartnäckig. Immer wieder wollte er Kart fahren, immer wieder sprach er von der Formel 1.

Für Kasimir Lange ist Kartfahren längst mehr als ein Hobby. Wie weit dieser Traum reicht, merkt inzwischen die ganze Familie. ©Privat

Erste Runden auf der Kartbahn

Schließlich nahm ihn sein Vater mit auf die Kartbahn in Feldkirch. Dort überraschte der damals Zehnjährige seine Eltern sofort. "Er hat uns wirklich überrascht", erzählt die Mutter. "Da haben wir gemerkt, dass mehr dahintersteckt."

Von diesem Moment an begann für die Familie eine intensive Reise in die Welt des Motorsports. Die Eltern recherchierten Strecken, Trainingsmöglichkeiten und Teams. Kasimir selbst suchte im Internet nach Möglichkeiten, besser zu werden. Erste Trainings absolvierte er in Bratislava und später in Polen. Trainer bestätigten dem Jugendlichen immer wieder sein Talent.

Ein Hobby ist es schon lange nicht mehr. Bei Kasimir Lange dreht sich fast alles um den Motorsport. ©Privat

Schule und Training unter einen Hut bringen

Heute trainiert Kasimir beim Kartclub Graubünden in der Schweiz. Einmal pro Woche fahren er und sein Vater dafür von Mellau nach Graubünden. Rund 240 Kilometer an einem Abend.

Der Ablauf ist streng getaktet. Sein Vater kommt am Nachmittag von der Arbeit nach Hause, dann geht es direkt los. Gegen 17.15 Uhr fahren sie weg, oft kommen sie erst gegen 22 Uhr wieder heim. Am nächsten Morgen klingelt früh der Wecker für die Schule.

"Es ist streng", sagt Kasimir. Trotzdem zieht er das Pensum durch. Neben dem Training besucht der 14-Jährige die HTL Dornbirn im Zweig Wirtschaftsingenieurwesen. Auch die Schulwahl hat mit seiner Leidenschaft zu tun. Technik, Mechanik und Motorsport gehören für ihn zusammen.

Für Kasimir Lange ist dieser Platz auf dem Podest kein Zufall. Dahinter steckt ein Weg, der jede Woche neu beginnt. ©Privat

Motorsport statt Freizeit

Während viele Jugendliche ihre Freizeit auf unterschiedliche Hobbys verteilen, konzentriert sich Kasimir fast ausschließlich auf den Motorsport. Seine Mutter erzählt, dass er sogar andere Hobbys zurückgestellt hat. "Er ging richtig viel Skifahren, aber jetzt geht alles Richtung Motorsport."

Trainiert wird nicht nur auf der Strecke. Zuhause sitzt Kasimir regelmäßig am Rennsimulator und übt Fahrtechniken, Bremsmanöver und Rennsituationen. Selbst online fährt er inzwischen Rennen in einem polnischen Simracing-Club. "Vor ein paar Monaten bin ich diesem Klub beigetreten", so der 14-Jährige.

Auch zuhause bleibt Kasimir Lange auf der Strecke. Sein Traum macht kaum Pause. ©Privat

Seine bisherigen Ergebnisse können sich sehen lassen. In den Rennen des Kartclubs Graubünden fuhr er bereits mehrfach aufs Podest. Zweimal holte er den dritten Platz, einmal den zweiten und einmal sogar den Sieg. Dabei ist er der zweitjüngste Fahrer im gesamten Verein.

Leidenschaft mit hohen Kosten

Doch Motorsport bringt nicht nur Zeitaufwand mit sich, sondern auch enorme Kosten. Bereits die Rennen in der Schweiz verschlingen mehrere Hundert Euro pro Wochenende. Ein eigenes Rennkart wäre der nächste große Schritt, doch inklusive Ersatzteilen, Reifen, Anhänger und Ausrüstung sprechen die Eltern von Summen zwischen 25.000 und 30.000 Euro pro Saison.

Die Familie versucht deshalb auch, Sponsoren zu finden, und sammelt Unterstützung über soziale Medien. Einfach sei das nicht, sagt die Mutter. "Motorsport ist bei uns nicht so verbreitet."

Trotzdem denken sie nicht ans Aufgeben. Zu groß ist die Begeisterung ihres Sohnes. Für Kasimir scheint klar zu sein: Wenn man für etwas wirklich brennt, dann ist kein Weg zu weit.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Vorarlberg Sport
  • Nach der Schule fährt Kasimir 240 Kilometer – für ein paar Runden