Nach fast 200 Jahren: Abriss beim Lauteracher Bären startet
Abschied von einem Stück Ortsgeschichte
Wo bis vor wenigen Tagen noch bei einem Abschiedsflohmarkt Inventar, Erinnerungsstücke und Relikte aus rund zwei Jahrhunderten verkauft wurden, haben nun die Abbrucharbeiten begonnen.
Die Arbeiten starteten im Bereich des Daches und Vordachs. Beim VOL.AT-Lokalaugenschein am Montag waren Arbeiter gerade damit beschäftigt, Ziegel vom Dach zu entfernen.
"Es ist halt so. Alles hat seine Zeit", sagte Eigentümerin Elfriede Schneider zuletzt im Interview mit den VN. Die 80-Jährige hat praktisch ihr gesamtes Leben in dem Haus verbracht.
Es sei alles gesagt, erklärte Birgit Schneider beim VOL.AT-Lokalaugenschein. Man werde sehen, wie es nach dem Bären mit der Kreuzung weitergehe.
Das Gebäude wurde laut Gemeindechronik erstmals 1844 urkundlich erwähnt und diente einst als Einkehrgasthof mit Pferdewechselstation an der Arlberg-Route. Über Generationen hinweg war der Bären nicht nur Gasthaus, sondern auch Wohnhaus, Landwirtschaftsbetrieb und Treffpunkt.
Abriss bis Ende Juli vereinbart
Der Abriss erfolgt im Auftrag der Eigentümerfamilie Schneider. Mit der Gemeinde Lauterach wurde vereinbart, dass das Gebäude bis Ende Juli 2026 abgebrochen sein muss. Die Frist steht im Zusammenhang mit den Planungen für einen Umbau der stark belasteten Achkreuzung, für den die Fläche des ehemaligen Gasthauses benötigt wird.
Seit 1996 stand das Gebäude unter Denkmalschutz. Nach jahrelangen Diskussionen wurde dieser im Oktober 2025 aufgehoben. Dem vorausgegangen war ein gemeinsamer Antrag der Eigentümerin, der Gemeinde Lauterach und des Landes Vorarlberg. Es bestehe kein öffentliches Interesse an einer Erhaltung mehr, so die Begründung.
Mehr Platz für den Kreuzungsumbau
Die Kreuzung zählt zu den wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Hard, Wolfurt, Lauterach und Bregenz. Seit Jahren sorgen Staus und Ausweichverkehr für Diskussionen.
Bereits früher wurde unter anderem die Verlängerung der Linksabbiegespur von Hard kommend in Richtung Bregenz als mögliche Maßnahme genannt. Auch Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr wurden untersucht.
Wann der eigentliche Umbau der Kreuzung beginnt, ist weiterhin offen. Laut Land Vorarlberg sollen zunächst vertiefte Planungen erfolgen.
Erinnerung an die Zeiten im Gasthaus
"Es ist ein Stück altes Lauterach, das jetzt wieder verschwindet", meinen zwei Pensionisten. Sie beide kannten das Gasthaus noch zu seinen Öffnungszeiten. "Ewig her", meinen sie. "Man war dort auch immer beim Frühschoppen." Sie denken auch daran, wie der Abriss für die Besitzerfamilie sein müsse. Immerhin habe sie lange das "Stück Lauteracher Geschichte" betrieben. Man müsse allerdings auch bedenken, dass das Haus abbruchreif geworden sei.
Letzte Spuren bleiben erhalten
Ganz verschwindet die Geschichte des Bären nicht. Teile der historischen Gaststube sollen im Lauteracher Schaudepot wieder aufgebaut werden. Auch der Stadl neben dem ehemaligen Gasthaus bleibt bestehen.
"Das letzte Mal bin ich draußen auf dem Bänkle gesessen, habe das Haus angeschaut und gedacht: Ich bin jetzt die Letzte", verdeutlichte Schneider im VN-Gespräch. "Aber an mir liegt es nicht. Es ist einfach der Verkehr und das Alter."
(VOL.AT)