Gebäude muss geräumt werden
Im Jahr 2020 hat der wirtschaftlich angeschlagene Wäschehersteller Wolford AG seinen Firmenstammsitz in Bregenz an den Beschlägehersteller Blum verkauft. Obwohl es zuerst geheißen hat, Wolford habe den Stammsitz langfristig zurückgemietet, wurde wenige Jahre später bekannt, dass Wolford spätestens 2027 das Gebäude vollständig räumen muss.
Da der Wäschehersteller damit einen neuen Standort benötigt, haben in Vorarlbergs Wirtschaftskreisen beständige Spekulationen die Runde gemacht, wonach dies möglicherweise das Ende von Wolford in Vorarlberg bedeuten könnte. Denn immerhin hat Wolford in Vorarlberg in den vergangenen Jahren nicht nur den Personalstand sukzessive reduziert, sondern auch die verwendeten Flächen in Bregenz deutlich zurückgefahren. Wolford gehört mehrheitlich dem chinesischen Mischkonzern Fosun.
Umzug innerhalb von Vorarlberg
Die Befürchtungen hinsichtlich einer Absiedelung aus Vorarlberg können aber zumindest zum jetzigen Zeitpunkt entkräftet werden. Denn wie Ralf Polito, Vorstandsmitglied und COO der Wolford AG, im Gespräch mit der Wirtschaftspresseagentur.com erklärte, werde das Unternehmen bis spätestens April 2027 innerhalb von Vorarlberg umziehen. Derzeit seien die Vorbereitungen dazu am Laufen. Auch die Belegschaft sei vor wenigen Wochen darüber informiert worden, dass man in Vorarlberg bleibe. Aktuell beschäftigt Wolford in Vorarlberg noch rund 150 Mitarbeitende, wobei 100 Personen in Bregenz und etwa 50 Personen in Hard tätig seien.
Zwei angemietete Standorte geplant
Konkret werde Wolford die zwei Produktionsbereiche Strickerei und Wäscherei an zwei nicht allzu weit voneinander entfernte Standorte in Vorarlberg verlegen. Es handle sich dabei um angemietete Lokalitäten. Im Zuge dessen nehme man vom Maschinenpark in Bregenz jene Teile mit, "die man benötige", so Polito. Nähere Details zu den beiden Standorten wollte Polito zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht nennen. Wichtig sei für ihn jetzt einmal die Botschaft, "dass es in Vorarlberg weitergeht". Fix dürfte damit allerdings auch sein, dass die Landeshauptstadt einmal mehr einen großen privaten Arbeitgeberbetrieb und die damit verbundenen Kommunalsteuereinnahmen verliert.
Nicht viele potenzielle Färberei-Standorte
Von der wpa befragte heimische Textilexperten weisen darauf hin, dass die Übersiedlung von Strickmaschinen in eine andere Produktionshalle keine allzu komplexe Aufgabe sei und auch keine schwierigen Genehmigungsverfahren nach sich ziehe. Anders sehe es bei der Färberei aus. Die behördliche Genehmigung einer neuen Textilfärberei in Vorarlberg sei jedenfalls von langwierigen Bewilligungsverfahren mit hohen Auflagen begleitet. Denn eine Färberei benötige ein Kesselhaus zur Dampferzeugung und vor allem ein geeignetes Abwassersammelsystem.
Da Wolford von angemieteten Standorten spreche, komme in so einem kurzen Zeitraum deshalb nur eine bereits existierende, aktive und behördlich zugelassene Färberei in Frage. Hier sei die Auswahl für Wolford in Vorarlberg allerdings überschaubar, weshalb sich die Möglichkeiten auf wenige Standorte reduzieren würden. Dazu komme, dass das Färben der feinmaschigen Strickwaren von Wolford viel Know-how erfordere und nicht automatisch von jeder Färberei durchgeführt werden könne.
Färberei von Arula in Mäder
Weitergehende wpa-Recherchen haben ergeben, dass Wolford möglicherweise in die Färberei der Arula GmbH in Mäder einziehen bzw. deren Kapazitäten nutzen könnte. Die zur Textilfirmengruppe Huber gehörende Arula GmbH bietet nicht nur eine Färberei, sondern auch eine Strickerei sowie Textilausrüstung an.
Ehemaliges CCL-Pachem-Gebäude in Hohenems
Hinsichtlich des neuen Standortes für die Strickerei kommen wie oben beschrieben mehrere Varianten in Frage. Einer der Favoriten sei allerdings das ehemalige Produktionsgebäude von CCL-Pachem in Hohenems, das per Auto rund zehn Minuten von Arula in Mäder entfernt ist.
Wo sich die beiden neuen Wolford-Standorte in Vorarlberg tatsächlich befinden werden, dürfte sich in den nächsten Monaten weisen.
(wpa/gübi)