Neues Zeckenvirus in Vorarlberg: Was Familien und Wanderer tatsächlich wissen müssen
Was über das Virus bekannt ist
Das Alongshan-Virus wurde erstmals 2017 in China beschrieben. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass das Virus auch in Vorarlberg vorkommt. Forscher fanden bei zwei Personen Antikörper. Ein Hinweis auf frühere Infektionen.
Müssen sich Familien jetzt Sorgen machen?
"Es sind keine über die üblichen Empfehlungen hinausgehenden Maßnahmen nötig", erklärt Richard Reicher, Leitender Oberarzt der Infektionsserologie am LKH Feldkirch.
Auch das Land sieht derzeit "keinen unmittelbaren zusätzlichen Handlungsbedarf". Die Gesundheitsbehörde beobachte die weitere Entwicklung aufmerksam, neue Erkenntnisse würden laufend bewertet.
Das Virus kommt laut Studie seit Jahrzehnten in Vorarlberg vor. "Auch lässt sich das Virus nur in ca. 1,2 Prozent der Zecken nachweisen, und die Übertragung auf den Menschen scheint noch deutlich seltener zu sein." Welche gesundheitliche Bedeutung die in Österreich zirkulierende Virusvariante tatsächlich hat, ist bislang offen – auch das Land verweist darauf, dass dies noch erforscht werde.
Die bekannte Gefahr bleibt FSME
Der Nachweis des Alongshan-Virus ändert nichts daran, dass FSME die wichtigste bekannte Zeckenerkrankung bleibt – mit wirksamer Schutzimpfung. "Problematisch ist die abnehmende Impfbereitschaft", so Reicher.
Der Nachweis des Virus sei eine "interessante wissenschaftliche Erkenntnis", teilt das Land mit. Die bekannten Maßnahmen zum Schutz vor Zeckenstichen bleiben die wichtigste Prävention. Zeckenstiche möglichst vermeiden, den Körper nach Aufenthalten im Freien kontrollieren und den Impfschutz aktuell halten. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse würden laufend bewertet und bei Bedarf in weitere Maßnahmen einfließen.
In Vorarlberg erworbene FSME-Infektionen
Dargestellt sind Infektionen, die laut Nationaler Referenzzentrale in Vorarlberg erfolgt sind – nicht Wohnort oder Behandlungsort.
Infektionen im Jahr 2024
in Vorarlberg erworbene Infektionen
Auswertung für Österreich, Zeitraum 2000 bis 2024.
Keine Tests auf neuen Erreger
Bei Patienten mit FSME-ähnlichen Symptomen und negativem Test werde weitergesucht. "Je nach klinischem Bild und Anamnese wird bei diesen Patientinnen dann auch auf andere Erreger gescreent. Häufig lässt sich jedoch kein Erreger identifizieren", so Reicher.
Je nach Klinik würden noch andere molekulare und/oder infektionsserologische Tests vorgenommen. "Um gegebenenfalls Erreger nachzuweisen, für die eine etablierte Therapie verfügbar ist."
Auf ALSV wird nicht getestet. "Derzeit gibt es keine kommerziell verfügbaren Tests, die den Erreger nachweisen können."
Verändert der Fund die medizinische Praxis?
"Nein, derzeit nicht", antwortet Reicher. "Es gibt für ALSV weder eine Impfung noch einen kommerziell verfügbaren Test oder eine etablierte Behandlungsmöglichkeit."
Es sei noch unklar, ob beziehungsweise welche Krankheitssymptome die in Österreich zirkulierende Virusvariante auslösen kann.
Eine Aufnahme in die Routinediagnostik sei derzeit "weder möglich noch sinnvoll". Eine Zunahme von Patienten, die nach einem Zeckenstich medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, sei ihm nicht bekannt.
Ob ALSV künftig in Überwachungs- oder Monitoringprogramme aufgenommen wird, soll laut Land Vorarlberg auf Basis weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse und in Abstimmung mit den zuständigen Fachstellen bewertet werden.
Alongshan-Virus in Österreich: Was bekannt ist – und was noch offen bleibt
Das Virus wurde auch in Vorarlberg nachgewiesen. Forscher wissen heute deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren – viele Fragen sind jedoch weiterhin ungeklärt.
- Nachweis in Vorarlberg: Virus-positive Zecken stammen aus Feldkirch
- Positive Zeckenproben aus den Jahren 2005 und 2024
- Seit mindestens 20 Jahren in österreichischen bzw. mitteleuropäischen Zecken vorhanden
- Untersucht wurden 3.000 aktuelle Zecken, 2.000 archivierte Zeckenproben und rund 2.000 Blutproben
- Zwei Personen in Österreich mit Antikörpern gegen ALSV
- Hinweis auf zurückliegende Infektionen, keine akute Erkrankung nachgewiesen
- Keine Impfung verfügbar
- Keine spezifische Therapie bekannt
- Ob die europäische Virusvariante Menschen krank macht
- Welche Symptome auftreten könnten
- Wie häufig Infektionen tatsächlich vorkommen
- Ob ALSV künftig Teil spezieller Überwachungsprogramme wird
- Ob das Virus auch in anderen Regionen Vorarlbergs vorkommt
(VOL.AT)