Nicht nur ein Schild: Was die Umbenennung für Anrainer bedeutet
Was die neue Adresse für Anrainer bedeutet
Aus dem Hermann-Gmeiner-Weg in Dornbirn wird der Kinderdorfweg. Die Stadt begründet die Umbenennung mit einer Neubewertung des Namensgebers nach aufgearbeiteten Missbrauchsfällen. Der Bezug zum Standort soll erhalten bleiben: Der neue Name erinnere an das SOS-Kinderdorf, "ohne die bisherige Namensgebung fortzuführen".
"Für mich macht es keinen Sinn"
Petra Bösch lebt im Hermann-Gmeiner-Weg 3. "Für mich ist da nicht wahnsinnig viel Unterschied – Kinderdorf und Hermann-Gmeiner-Weg", meint sie.
Eine Umbenennung würde sie eher mit dem Nebenstraßen-Namen "Knie" verbinden. "Wir Anrainer haben jetzt eigentlich das Problem – jetzt gerade ich, die selbstständig ist –, dass wir alles umändern müssen." Ihr Fazit daher: "Für mich macht es keinen Sinn."
Sie erfuhr aus dem Fernsehen von der Adressänderung und hätte sich etwa ein persönliches Anschreiben erwartet. Wenn schon eine Umbenennung, "dann in eine ganz andere Richtung". "Etwas Positives", meint sie. "Man sieht im Prinzip nur das Negative." Gmeiner habe das Kinderdorf begründet, was auch positiv sei.
Kommunikation "inakzeptabel"
"Es ist eine Katastrophe", meint eine ältere Anrainerin, die anonym bleiben wollte. "Kinderdorfweg. Dann kann man es gleich beim Hermann-Gmeiner-Weg lassen." Die Meinung in der Nachbarschaft sei klar: "Es sind alle dagegen – rundum." Ihr Mann erklärt ebenfalls: "Kinderdorfweg ist ein Blödsinn."
Laut ihm wurde von Nachbarn ein Brief an die Stadt verfasst. "Man hätte uns informieren müssen. Wir haben es aus den Medien erfahren." In Alberschwende gebe es beispielsweise eine Bürgerinitiative und -Einbeziehung zur Umbenennung des dortigen Saals. "Das vermisse ich hier."
Die Kommunikation sei "inakzeptabel", meint eine Bewohnerin. Wenn der Bezug zu Gmeiner problematisch sei, gelte das auch für das Kinderdorf: "Das ist so belastet." Ein anderer Name, etwa mit Bezug zu einer Gegebenheit in der Umgebung oder zur Nebenstraße "Knie", wäre laut ihr besser.
Stadt weist Kritik zurück
Die Umbenennungen von Straßen und Park seien vergangene Woche einstimmig in der Stadtvertretung beschlossen worden, erklärt Ralf Hämmerle von der Kommunikation der Stadt Dornbirn auf VOL.AT-Anfrage. Bereits im November des Vorjahres sei die Absicht öffentlich kommuniziert worden.
Was sich für Betroffene jetzt ändert
"Bei der neuen Hugo-Lunardon-Straße gibt es aktuell nur eine Postadresse – das ist die Firma Schneider Automobil GmbH", gibt Hämmerle zu verstehen. "Da dies gerade für ein Unternehmen mit größerem organisatorischem Aufwand verbunden ist, gibt es seit November des Vorjahres einen Austausch mit der Firma Schneider." Beim neuen Selma-Mitteldorf-Park gebe es keine Postadresse.
Im Kinderdorfweg seien "einige Anrainerinnen betroffen". "Diese werden in den kommenden Tagen schriftlich informiert, damit ausreichend Zeit bleibt, sich auf die Änderungen vorzubereiten." Sie sind etwa bei KFZ-Zulassung, Banken oder Versicherungen notwendig. "Es ist davon auszugehen, dass die Post über einen gewissen Zeitraum auch weiterhin Sendungen mit der bisherigen Adressbezeichnung zustellen wird", so Hämmerle. Öffentliche Stellen würden direkt von der Stadt informiert. Inwiefern automatische Änderungen möglich seien, liege nicht in deren Einflussbereich.
Neue Schilder kommen voraussichtlich im August
Die Stadt kümmert sich um neue Beschilderungen. Neue Hausbeschilderungen werden den Eigentümern zur Verfügung gestellt. "Der Auftrag dafür wurde bereits erteilt. Die Lieferung der Haus- und Straßenschilder ist derzeit für Anfang August vorgesehen", informiert Ralf Hämmerle. Mit dem Austausch der Schilder trete die Verordnung zur neuen Bezeichnung in Kraft.
Die Änderungen seien im Vorfeld "intensiv und breit diskutiert" worden. Mit Amtsantritt des neuen Bürgermeisters und der neuen Stadtregierung sei das Thema neu aufgegriffen und weitergeführt worden. Grundlage für die Änderungen seien Empfehlungen der Arbeitsgruppe "Bezeichnung von Verkehrsflächen" sowie Diskussionen in politischen Gremien. "Diese Sichtweise wird vom weit überwiegenden Teil der Bevölkerung geteilt. In der Stadtvertretung erfolgte der Beschluss einstimmig."
(VOL.AT)