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"Nie ein Problem, die Dienstpläne abzudecken": Wer an Weihnachten in Vorarlberg arbeitet

Wie wird entschieden, wer über die Feiertage arbeitet?
Wie wird entschieden, wer über die Feiertage arbeitet? ©Symbolbild: VOL.AT/Hermann, VOL.AT/Mayer, Canva
Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
Während viele Weihnachten mit der Familie feiern, arbeiten andere ganz selbstverständlich weiter: im Krankenhaus, bei der Polizei oder in Pflegeheimen. Doch wie wird entschieden, wer Dienst hat – und wie viel Rücksicht bleibt auf Kinder und Familie?

Notwendig, aber nicht selbstverständlich

Während viele Vorarlberger Weihnachten und Silvester im Kreis ihrer Familie verbringen, halten zahlreiche Menschen das öffentliche Leben aufrecht: im Krankenhaus, bei der Polizei, im Zugverkehr, in der Pflege und bei Einsatzorganisationen. Für sie ist Arbeiten an Feiertagen Teil des Berufsalltags und Ehrenamtes. Doch wer entscheidet, wer arbeitet? Gibt es Rücksicht auf familiäre Umstände, etwa bei Mitarbeitenden mit Kindern?

Weihnachtsdekoration im Krankenhaus. ©Larissa Hermann

Landeskrankenhäuser: Besonderes Augenmerk auf Eltern

Wer entscheidet, welche Mitarbeiter in den Spitälern über die Feiertage arbeiten? "Dienste an sensiblen Tagen wie Weihnachten, Neujahr oder an Fenstertagen werden in unseren Krankenhäusern mehrere Wochen im Voraus geplant und besprochen", erklärt KHGB-Unternehmenssprecherin Andrea Marosi-Kuster. "Dabei wird gemeinsam geklärt, wer an diesen Tagen einen Dienst übernehmen kann."

"Besonderes Augenmerk liegt auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit familiären Verpflichtungen – insbesondere auf Eltern mit kleinen Kindern", so die Landeskrankenhäuser. Ziel ist es, die Belastung im Team möglichst gerecht zu verteilen.

Gleichzeitig muss der Betrieb lückenlos funktionieren. "Entscheidend dabei ist, dass die 24/7-Versorgung der Patientinnen und Patienten jederzeit sichergestellt ist und gleichzeitig eine gute, respektvolle Zusammenarbeit im Team gewährleistet bleibt", betont Marosi-Kuster.

Strom wird auch über die Feiertag benötig. ©Symbolbild: vmh

illwerke vkw: Schichtbetrieb in Leitstellen

Bei den illwerke vkw gibt es keine speziellen Regeln, wer über Weihnachten und Neujahr bevorzugt Urlaub nehmen darf. "Die Urlaubsplanung erfolgt in Absprache mit den Vorgesetzten und unter Berücksichtigung der betrieblichen Erfordernisse", erklärt Kommunikations-Leiter Andreas Neuhauser. Wichtig sei, "dass die Urlaubsplanung fair und transparent gestaltet wird, sodass alle Mitarbeiterinnen die Möglichkeit haben, ihre Urlaubswünsche zu äußern".

In Bereichen, die auch über die Feiertage rund um die Uhr besetzt sein müssen – wie dem control center und der Hauptschaltleitung – wird mit einem langfristig festgelegten Schichtplan gearbeitet. Dabei handelt es sich um zentrale Einheiten der Kraftwerks- und Netzleitstelle.

"Die Besetzung der Leitstellen folgt grundsätzlich einem weit im Voraus festgelegten Schichtplan", so Neuhauser. Gleichzeitig sei bei Bedarf auch Flexibilität möglich: "Natürlich sind bei Bedarf Lösungen auf kollegialer Ebene möglich, sodass Mitarbeiterinnen mit Kindern ihr Weihnachtsfest entsprechend gestalten können."

Die Polizei, hier ein Polizist der PI Bregenz, ist auch zu Weihnachten im Dienst. ©vmh

Polizei: "Freiwilligkeit der Kollegen" bei Planung

Die Vorarlberger Polizisten sorgen über die Feiertage für Ordnung. "Auch bei der Polizei wird natürlich über die Feiertage Dienst versehen, um für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen", erklärt Polizeisprecher Christian Tschütscher.

Die Dienstplanung erfolgt vorrangig auf freiwilliger Basis. "Bei der Planung der Dienste wird auf die Freiwilligkeit der Kolleginnen gebaut, auf Mitarbeitende mit kleinen Kindern wird innerhalb der Belegschaft Rücksicht genommen", so der Polizeisprecher. Kommt auf diesem Weg kein vollständiger Dienstplan zustande, werde das Gespräch mit den Bediensteten gesucht, um gemeinsam Lösungen zu finden. "In den meisten Fällen finden sich Teams, die zu den Feiertagen gemeinsam Dienst verrichten möchten."

Auch an den Feiertagen unterstützt die Caritas Menschen in Not. ©Caritas

Caritas: "Nie ein Problem, die Dienste abzudecken"

Wie entstehen die Dienstpläne bei der Caritas? "Das entscheiden die Teams selbständig und unterschiedlich", erklärt Elke Kager von der Öffentlichkeitsarbeit. "Es ist aber eigentlich nie ein Problem, die Dienstpläne abzudecken."

Auch Rücksicht auf familiäre Situationen wird dabei genommen: "Es finden sich jedenfalls immer Kolleginnen, die diese Feiertags-Dienste freiwillig übernehmen." Eine zentrale Regelung, etwa durch Losverfahren oder verpflichtende Einteilungen von oben, sei nicht notwendig.

"Weihnachten mit Dir" ist ein gemeinsames Fest für alle im "Haus Mitanand" in Mittelberg. ©Caritas

Neben dem Regelbetrieb gehören auch besondere Initiativen zur Weihnachtszeit zum Arbeitsalltag. Kager nennt etwa eine Weihnachtsfeier im Kleinwalsertal für einsame Menschen, die Hospiz-Veranstaltung "Weihnachten ohne dich" für Trauernde oder das Weihnachtsfest im Caritas Café in Feldkirch am 24. Dezember.

"Die Mitarbeiterinnen beschreiben das Dabei-Sein bei diesen Veranstaltungen auch für sich selbst als sehr bereichernd", erklärt sie. Gerade in Einrichtungen wie dem Hospiz am See oder dem Familienhaus St. Michael sei an diesen Tagen ein besonderer "Zauber" zu spüren.

Neben sozialer Betreuung bleibt auch die Beratung erreichbar: Die Notschlafstelle in Feldkirch ist an Sonn- und Feiertagen durchgehend geöffnet, die Beratungsstelle Existenz & Wohnen bietet werktags (außer 24. Dezember) von 8 bis 12 Uhr Unterstützung. Auch die Online-Beratung über die Plattform www.caritas-wegweiser.at steht rund um die Uhr zur Verfügung.

Redakteurin Laura Schwärzler traf einen Busfahrer, der über die Feiertage arbeitet. ©Larissa Hermann

ÖBB: Dienstpläne mit Vorlauf und kollegialer Abstimmung

Bei der ÖBB ist rund um die Uhr Betrieb, auch über Weihnachten und den Jahreswechsel. Das gilt insbesondere für Bereiche mit direktem Kundenkontakt und operativer Verantwortung wie Triebfahrzeugführer, Buslenker, Zugbegleiter oder Fahrdienstleiter.

"Damit der Betrieb für unsere Kundinnen reibungslos funktioniert, ist eine sorgfältige und faire Dienstplanung entscheidend", erklärt ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair. Die Dienstpläne werden mit entsprechendem Vorlauf erstellt – vielfach bereits zwei Monate im Voraus.

Bei der Planung werde nicht nur der Personalbedarf berücksichtigt, sondern auch Urlaubsanträge und die Ausgewogenheit innerhalb der Teams. "Oft übernehmen Kolleginnen freiwillig Schichten, um anderen entgegenzukommen", so Gasser-Mair. Gerade rund um die Feiertage spiele dieser Ausgleich eine große Rolle. "Feiertagsdienste werden im Team ÖBB so verteilt, dass sich Kolleginnen über die Jahre hinweg abwechseln und eine Ausgewogenheit gegeben ist."

Das Rote Kreuz ist auch über die Feiertage im Einsatz. ©Rotes Kreuz Vorarlberg

Rotes Kreuz: Rund 800 Einsatzkräfte im Dienst

Beim Roten Kreuz Vorarlberg wird die Dienstplanung über die Feiertage mit den Abteilungen abgestimmt. "Generell wird die Planung der Dienstpläne unserer Abteilungen in enger Abstimmung mit den Mitarbeiterinnen erstellt", erklärt Heidemarie Netzer von der Öffentlichkeitsarbeit des Landesverbands.

Rund um Weihnachten und den Jahreswechsel sind in Vorarlberg rund 800 Einsatzkräfte des Roten Kreuzes im Dienst – im Rettungsdienst, Krankentransport, in der Notrufleitstelle und in der Gesundheitsberatung. Allein von 24. bis 26. Dezember sind landesweit knapp 500 Mitarbeitende im Rettungsdienst im Einsatz. Ein großer Teil davon engagiert sich freiwillig. "Viele Mitarbeiterinnen übernehmen als Entgegenkommen für ihre Kolleginnen mit Familie den Dienst", so Netzer.

Julija Popovic von der Abteilung Bregenz. ©Rotes Kreuz Vorarlberg

Warum sich viele bewusst für den Einsatz an Weihnachten entscheiden, schildert die ehrenamtliche Mitarbeiterin Julija Popovic (22) aus der Abteilung Bregenz: "Ich bin nun schon das zweite Jahr in Folge an Weihnachten im Dienst – und es wäre gelogen zu sagen, dieser Dienst sei wie jeder andere. Die Stimmung im Team ist an diesem Abend besonders: Wir feiern ein Stück weit gemeinsam mit unserer Rettungsdienst-Familie, unterstützen uns gegenseitig und schenken einander Halt. Gleichzeitig dürfen wir für Menschen da sein, die gerade Hilfe brauchen oder sich vielleicht allein fühlen."

Niclas Leithner ist in Bludenz im Dienst. ©Rotes Kreuz Vorarlberg

Auch Niclas Leithner (25) aus der Abteilung Bludenz ist im Einsatz: "Ich übernehme den Dienst über Weihnachten, weil ich meine Arbeitskolleginnen und -kollegen mit Familie unterstützen möchte – so können sie Weihnachten zu Hause mit ihren Liebsten verbringen. Zudem ist die Atmosphäre im Nachtdienst zu Weihnachten immer eine ganz besondere. Meine Familie und ich legen daheim mehr Wert auf die gemeinsame Zeit als auf einen Zeitpunkt, wir gestalten die Feier so, dass es für alle passt", erklärt der Notfallsanitäter mit NKV.

Ein Symbolbild zeigt Weihnachtsstimmung in der Senecura Parkresidenz Dornbirn. ©Stiplovsek Dietmar pauschal

SeneCura: "Mindestens ein Feiertag frei für alle"

In den Pflege- und Sozial-Einrichtungen von SeneCura wird auch über Weihnachten und Neujahr rund um die Uhr gearbeitet. Gerade in in dieser oft emotional intensiven Zeit soll den Bewohnern ein hohes Maß an Nähe, Geborgenheit und Fürsorge geboten werden.

Bei der Dienstplanung werden familiäre Umstände berücksichtigt, wie Unternehmenssprecher Johannes Wallner mitteilt: "Insbesondere für Kolleginnen mit kleinen Kindern ist es uns wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, die Feiertage nach ihren eigenen Wünschen zu planen." Dabei werde etwa die Option geboten, entweder an Weihnachten oder an Neujahr zu arbeiten. "Darüber hinaus achten wir darauf, dass alle Mitarbeiterinnen an mindestens einem der großen Feiertage frei haben", so Wallner.

Die Dienstpläne entstehen in enger Abstimmung mit den Teams. Vorab gibt es Besprechungen, um individuelle Wünsche zu berücksichtigen. Die Verantwortung für einen funktionierenden Ablauf liegt bei den Führungskräften. "In diesem Zusammenhang ist es uns ein besonderes Anliegen, dass alle Beteiligten in den Planungsprozess eingebunden werden." Zusätzlich zu organisatorischen Regelungen sollen kleine Aufmerksamkeiten wie ein Frühstück mit Lachs zur Feiertagsstimmung beitragen und das Miteinander stärken.

Benevit Sozialzentren: Weihnachten oder Silvester frei

In den Benevit-Häusern erfolgt die Dienstplanung über die Feiertage mit viel Teamabstimmung und Voraussicht. Im Sozialzentrum Alberschwende beginnt die Organisation bereits im Oktober. "Dabei werden natürlich Familien mit Kindern berücksichtigt bzw. auch andere Glaubensbekenntnisse", erklärt Heim- und Pflegeleiterin Katja Menzel. Überschneidende Wünsche werden im Team besprochen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Im Benevit Haus Klostertal in Innerbraz werden Tag- und Nachtdienste getrennt geplant. "Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten ausschließlich Nachtdienste. Daher beginnen wir zunächst damit, die Nachtdienste für die Weihnachtsfeiertage sowie für Silvester zu besetzen", erklärt Heimleiter Dietmar Durig.

Das Sozialzentrum in Innerbraz. ©Benevit

Eine klare Regel gilt für alle: "Entweder Weihnachten oder Silvester frei", erklären Menzel und Durig. Ausnahmen gibt es für Mitarbeitende, die Feiertage freiwillig übernehmen. Auch Urlaube seien "bedingt möglich, bei Alleinerziehenden oder im Ausland lebenden Angehörigen." Alle Mitarbeitenden haben Zugriff auf das Dienstplanprogramm und können dort ihre Wünsche frühzeitig eintragen. Teilzeitkräfte werden grundsätzlich etwas weniger eingeplant als jene mit höherem Beschäftigungsausmaß.

Dietmar Durig betont die Bedeutung von Fairness: "Wichtig ist uns auch, dass im Zeitraum von Weihnachten bis Dreikönig jeder Mitarbeiter eine gewisse Erholungsphase erhält und die Dienste insgesamt möglichst gleichmäßig verteilt werden." In Jahren mit knapper Personaldecke könne es zwischen Mitte Dezember und dem Dreikönigstag auch zu einer Urlaubssperre kommen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

(VOL.AT)

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