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ÖFB-Retter Kalajdzic nach 3:3 "irgendwie im Schock"

Sasa Kalajdzic schießt Österreich mit dem 3:3 gegen Algerien ins WM-Sechzehntelfinale. Der Stürmer spricht danach von einem Schockmoment.
Sasa Kalajdzic schießt Österreich mit dem 3:3 gegen Algerien ins WM-Sechzehntelfinale. Der Stürmer spricht danach von einem Schockmoment. ©GEPA
In seinen ersten Reaktionen nach dem denkwürdigen Treffer zum 3:3 gegen Algerien hat Sasa Kalajdzic beinahe emotionslos gewirkt.

Dem Stürmer fehlten nach den hochdramatischen Ereignissen in Kansas City ganz offensichtlich die Worte. "Gefühlt bin ich irgendwie im Schock", sagte jener Mann, der Österreichs Fußball-Nationalmannschaft am Samstag (Ortszeit) buchstäblich in letzter Sekunde ein WM-Sechzehntelfinale gegen Europameister Spanien ermöglicht hat.

Eigentlich war die Einwechslung des Zwei-Meter-Stürmers gar nicht mehr geplant. Beim Stand von 2:2 gab es minutenlanges Ballgeschiebe, doch dann stellte Riyad Mahrez in der 93. Minute auf 3:2 für die Afrikaner. Das ÖFB-Team war zu diesem Zeitpunkt ausgeschieden, Coach Ralf Rangnick musste reagieren und schickte Kalajdzic auf den Platz.

Sekunden später sicherte sich der 28-Jährige – so wie wohl auch der euphorisierte ORF-Kommentator Daniel Warmuth ("Bist du deppert") – seinen Platz in Österreichs Fußball-Annalen. "Und dann habe ich plötzlich, keine Ahnung, 50 Leute um mich herum gehabt, und jeder hat mir eine Watschen nach der anderen gegeben und sich gefreut, mir ins Gesicht geschrien, ins Ohr geschrien", schilderte Kalajdzic die Szenen nach dem 3:3. "Das sind diese speziellen Momente, die schafft nur der Fußball." Er sei nun "erleichtert und froh" über den Aufstieg in die K.-o.-Phase.

Tor zum 3:3 als "einer der schönsten Momente"

Das fünfte Tor im 24. Länderspiel war sein wichtigstes, dadurch zählt Kalajdzic neben Marko Arnautovic, Romano Schmid und Ivica Vastic zu jenen ÖFB-Kickern, die sowohl bei einer WM als auch bei einer EURO getroffen haben – bei der EM 2021 scorte er gegen den späteren Europameister Italien. Trotzdem wollte er das Tor gegen Algerien nicht als absolut schönsten, sondern nur als "einen der schönsten" Momente seiner Karriere bezeichnen. Der 2022 mit Stuttgart gegen Köln fixierte Klassenerhalt in der deutschen Bundesliga sei "ähnlich" und "auf eine andere Art und Weise wunderschön" gewesen.

Einen großen Erfolg feierte Wolverhampton-Profi Kalajdzic, dessen Club-Zukunft noch offen ist, auch vor wenigen Wochen durch den Doublegewinn mit dem LASK. Daran war vor noch einigen Monaten nicht zu denken, als der Goalgetter wieder einmal wegen einer schweren Knieverletzung pausieren musste. Rangnick sprach in diesem Zusammenhang von einer "Traumgeschichte". "Wenn uns allen jemand vor sechs Monaten gesagt hätte, dass er überhaupt dabei ist im Kader und dann jetzt dieses entscheidende Tor macht …"

Kalajdzic habe in den vergangenen Wochen "richtig gut trainiert. Das war der Grund, warum er gegen Jordanien in der Startelf stand. Das hätte auch kaum einer geglaubt. Das zeigt einfach, was möglich ist, wenn man dranbleibt, wenn man sich Ziele setzt, wenn man Ehrgeiz an den Tag legt – er wollte unbedingt dabei sein", sagte Rangnick. Kalajdzic meinte, von den Journalisten auf seine Leidenszeit angesprochen: "Ihr kennt ja alle meine Geschichte. Und deswegen: Ich bin einfach nur froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte."

Lob von Sabitzer

Marcel Sabitzer freute sich für seinen Teamkollegen, zumal Kalajdzic bei seinem ersten WM-Einsatz, dem 3:1 gegen Jordanien, nicht überzeugen konnte und zur Pause ausgetauscht wurde. "Er hatte sicherlich sehr, sehr schwere Phasen, wo er sich zurückgekämpft hat, und er hat vielleicht jetzt ein unglückliches erstes Spiel gehabt, daran hat er sicher zu knabbern gehabt. Aber wenn du dann hier das entscheidende Tor schießt, um weiterzukommen, dann glaube ich, macht das was mit einem. Er war sehr emotional", sagte der Mittelfeldspieler.

Ähnlich äußerte sich Xaver Schlager. "Sasa ist es unglaublich zu vergönnen. Ich glaube, es gibt keinen, der so eine Leidenszeit hinter sich hat. Ich kann es ein bisschen nachvollziehen", erklärte der Oberösterreicher, der selbst schwere Knieverletzungen hinter sich hat. "Das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn dann viele einen abschreiben, sagen: ‚Man ist nicht mehr so gut‘ und ‚Ah, der ist eh nur verletzt.‘" Kalajdzic verfüge aber über "Kampfgeist und einen super Charakter. Viele würden nach solchen Erfahrungen einfach aufgeben und sagen: ‚So, danke, das war es für mich.‘ Doch er kämpft sich zurück."

So wie Kalajdzic und Schlager versäumte auch David Alaba die EURO 2024 wegen einer Knieverletzung – und jubelte deshalb umso mehr mit Kalajdzic. "Wir waren da in diesen Monaten auch wirklich eng im Austausch. Deshalb freut es mich, und ich bin wirklich sehr stolz auf ihn", erklärte der ÖFB-Teamkapitän.

(APA)

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