Öffi-Tarifreform: Opposition zerlegt Bitschis "Mercedes"
Das neue Tarifsystem des Verkehrsverbunds erzürnt nicht nur die Gemüter in den Zügen und Bussen im Land, sondern sorgte auch für eine hitzige Debatte im Landhaus am Donnerstag. Da ging die Verabschiedung eines langjährigen Landrats fast unter.
Mit bewegenden Worten und persönlichen Geschenken wurde der scheidende Landesrat Daniel Allgäuer (FPÖ) im Landtag verabschiedet. Auseinandersetzungen "auf Augenhöhe, trotz klarer Kante, aber mit Respekt" (Daniel Zadra, Grüne), sein sachliches, evidenzbasiertes Herangehen an die Energiepolitik und eine hohe Latte für den Nachfolger (Claudia Gamon, Neos), jemand, der "150 Prozent" abgebe und die Mahnung "Bleib gut im Ton" zum Abschied (Landeshauptmann Markus Wallner, ÖVP) geleiteten Allgäuer hinaus.
Manfred Vogt schlug im Namen der blauen Fraktion Markus Klien vor, der mit zehn ungültigen Stimmen gewählt wurde. Der neu gewählte Landesrat Klien nahm anschließend auf der Regierungsbank zwischen Bitschi und Martina Rüscher Platz und verfolgte von dort aus die anschließende Debatte zum neuen Tarifsystem des VVV in der "Aktuellen Stunde".
Dort ging es vergleichsweise emotional zu. SPÖ-Mandatar Mario Leiter brachte das Beispiel, dass die Überschreitung einer Zonengrenze den Fahrpreis von circa 7 auf 18 Euro hochschnellen lasse, ein Plus von rund 160 Prozent. Absurd findet Leiter auch, dass es mittlerweile billiger sei, zwei einzelne Tickets zu kaufen statt eines.
Leiter berichtet, dass ihn seit Wochen Beschwerden erreichten und viele Menschen wieder aufs Auto umsteigen würden und verwies auf die Petition "tarifwahnsinn.at".
"Leistbare Tickets statt Tarifakrobatik"
Auch die Grünen legten nach. Daniel Zadra sprach von einem gemeinsam geschaffenen "Mercedes", der durch Bitschi nun eine Beule bekommen habe – und Bitschi verstecke sich hinter dem Bund, statt Verantwortung zu übernehmen. Vorarlberg brauche einen Verantwortlichen, der die Öffis auch selbst nutze und wisse, wie es sich anfühle, wenn einem der Zug vor der Nase wegfahre: "Menschen wollen keine Tarifakrobatik, sondern leistbare Tickets."
Neos-Mandatarin Claudia Gamon bezeichnete das Projekt gar als "krachend gescheitert" und wehrte sich gegen die Darstellung, das System sei einfacher und fairer geworden: "Es ist die Verantwortung des Landesstatthalters, es zu erklären und dafür gerade zu stehen." Sie kritisierte zudem, dass sich Buslenker inzwischen nur noch anonym gegenüber Medien äußern würden, weil sie zu "Blitzableitern" der Verantwortung geworden seien.
Verteidigung von Regierungsseite
Von der ÖVP kam Rückendeckung für Bitschi: Clemens Ender schwärmte vom Verkehrsverbund als "Wahnsinnsprojekt", bei dem man sich "den absoluten Mercedes" leiste, und verwies auf den Preisvergleich mit Innsbruck und Wien, wo Jahrestickets deutlich teurer seien. Ein Viertel der Vorarlberger fahre ohnehin schon mit Jahresticket und sei von den Preissteigerungen gar nicht betroffen.
FPÖ-Mandatar Vogt ergänzte, laut Anfragebeantwortung würden bei 85 Prozent der Fahrten der Preis gleich bleiben oder sogar günstiger werden. Bei nur einem Promille aller Fahrten gebe es Probleme: "Einzelfälle." Der Großteil der Erhöhung bei den Schülertickets gehe zudem auf eine Bundesvorgabe zurück, für die das Land nicht verantwortlich sei.
Bitschi kontert scharf
Dann ist der verantwortliche Landesrat Christof Bitschi (FPÖ) an der Reihe. Er reagiert auf die Vorwürfe und verteidigt die Tarifreform: Laut akribischer VVV-Auswertung seien nur 0,9 Prozent aller Fahrten viel teurer geworden. Als Beleg für die geringe Aufregung verweist er auf sinkende Beschwerdezahlen beim VVV – von 23 in der ersten Woche auf zuletzt nur noch 4 – sowie auf 15 Prozent mehr Verkäufe im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahr.
Als Zadra daraufhin erneut nachlegte, ließ Bitschi das nicht auf sich sitzen und trat ein zweites Mal ans Rednerpult. Er warf Zadra vor, die Tarife als Verkehrssprecher zwei Jahre lang laufen gelassen zu haben. "Ich lasse nicht zu, dass die Reform als Schrott bezeichnet wird und dem VVV schlechte Arbeit vorgeworfen wird." Reibungsverluste in der Umstellungsphase räumte er ein. Sein Fazit an die Opposition: Man stehe hinter dem Modell der Tarifreform und rate dazu, "zu den Fakten zurückzukommen".
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)