Österreich: Studie zeigt, wer während Corona Kinder bekam
Während der ersten Phase der Covid-19-Pandemie blieb der erwartete Babyboom in Österreich aus. Ende 2020 wurden sogar weniger Kinder geboren als in den Jahren zuvor. Erst 2021 kam es zu einem leichten Anstieg der Geburtenrate um rund zwei Prozent – vermutlich, weil aufgeschobene Kinderwünsche nachgeholt wurden.
Eine aktuelle Analyse im Fachjournal Nature Communications bestätigt nun eine Vermutung, die Fachleute bereits während der Pandemie geäußert hatten: Zwischen Dezember 2020 und Dezember 2021 wurden in Österreich anteilig mehr Kinder in sozioökonomisch bessergestellten Familien geboren, als statistisch zu erwarten gewesen wäre.
Internationale Daten mit klaren Unterschieden
Das Forschungsteam rund um den Soziologen Moritz Oberndorfer von der Universität Helsinki analysierte Daten von rund 78 Millionen Geburten in 15 Ländern. Neben Österreich zeigte sich ein ähnliches Muster auch in Finnland, England, den Niederlanden, den USA, Schottland, Wales und Spanien.
In diesen Ländern kamen während der Pandemie vergleichsweise mehr Kinder in Familien mit höherem Einkommen, stabilen Arbeitsverhältnissen und besseren Wohnbedingungen zur Welt. Diese Haushalte kamen mit Homeoffice, Kinderbetreuung und finanziellen Unsicherheiten offenbar besser zurecht.
Gegenteiliger Effekt in Lateinamerika
Anders fiel das Bild in mehreren lateinamerikanischen Staaten aus. In Brasilien, Kolumbien, Mexiko und Ecuador wurden während der Pandemie anteilig mehr Kinder in sozioökonomisch schwächeren Familien geboren.
Mögliche Gründe wie eingeschränkter Zugang zu Verhütungsmitteln oder medizinischer Versorgung wurden in der Studie jedoch nicht im Detail untersucht. An der Analyse beteiligt war auch der Epidemiologe Thomas Waldhör von der Medizinischen Universität Wien.
Stabile Entwicklung in Skandinavien
In Dänemark, Schweden und Südaustralien blieb die sozioökonomische Zusammensetzung der Geburtskohorten während der Pandemie weitgehend stabil. Laut den Forschenden spielen dort gut ausgebaute Sozialsysteme und eine verlässliche Gesundheitsversorgung eine zentrale Rolle.
Warum kleine Verschiebungen große Folgen haben
Wie wohlhabend Eltern sind, wirkt sich langfristig auf Gesundheit, Bildungschancen und Einkommen ihrer Kinder aus. Schon geringe Veränderungen in der sozialen Zusammensetzung eines Geburtsjahrgangs können daher auf Bevölkerungsebene spürbare Folgen haben.
Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass die Pandemie eine besondere Gelegenheit bietet, die Auswirkungen von Krisen auf Schwangerschaft und frühe Kindheit zu untersuchen. Gleichzeitig warnen sie davor, Ergebnisse vorschnell zu interpretieren, da sich während der Pandemie auch die Zusammensetzung der Elternschaft verändert habe.
(VOL.AT)