Es ist kein Abschied voller Zweifel oder Wehmut. Vielmehr einer, der sich für Jonas Müller "absolut richtig" anfühlt.
Der 28-jährige Bludenzer gab am Sonntag offiziell sein Karriereende bekannt, damit beendet einer der erfolgreichsten Vorarlberger Wintersportler der vergangenen Jahre seine Laufbahn auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Aufhören, wenn es am schönsten ist
Denn der vergangene Winter war die erfolgreichste Saison seines Lebens: zwei Olympia-Silbermedaillen in Cortina, Rang zwei im Gesamtweltcup und der dritte EM-Titel im Einsitzer in Folge. Genau deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen. "Als Rodler denkt man immer in Olympiazyklen. Es ist das größte Ziel in unserem Sport. Für mich war klar: Ich möchte nicht noch einmal vier Jahre dranhängen", sagt Müller.
Körperlich fühle er sich topfit, die Entscheidung sei eine des Kopfes gewesen. "Es fehlt einfach die Motivation, noch einmal alles auf diesen langen Zeitraum auszurichten."
Dabei war der Weg zu seinen größten Erfolgen alles andere als geradlinig. Noch 2022 verpasste Müller die Olympia-Qualifikation für Peking, der Tiefpunkt seiner Karriere. "Damals wollte ich eigentlich aufhören", erzählt er offen. Nur die Weltmeisterschaft 2023 auf seiner Lieblingsbahn in Oberhof hielt ihn noch im Sport.
Dort folgte die Wende: WM-Gold im Einsitzer sowie WM-Silber im Sprint und mit dem Team. "Im Nachhinein war dieses Scheitern wahrscheinlich entscheidend. Danach bin ich viel lockerer an die Rennen herangegangen und habe mir selbst weniger Druck gemacht."
In der abgelaufenen Weltcupsaison fuhr Müller konstant wie nie zuvor. Drei Weltcupsiege, sieben Podestplätze und schließlich Olympia-Silber im Einsitzer und mit dem Team machten ihn endgültig zu einem der besten Rodler der Welt.
Zur Person
| Name | Jonas Müller |
| Geboren | 4. Oktober 1997 |
| Herkunft | Bludenz |
| Familie | Älterer Bruder von Yannick Müller (27) |
| Ausbildung | Sportsoldat (Korporal) |
| Olympia | Erstmals 2026 in Cortina bei Olympischen Spielen dabei |
| Weltcupdebüt | 2. Dezember 2016 |
| Erster Weltcupsieg | 24. November 2019 |
| Erfolge |
Olympia-Silber 2026 im Einsitzer und mit der Teamstaffel; zweifacher Weltmeister (Einsitzer und Sprint); dreimal WM-Silber; dreifacher Einzel-Europameister; Team-Europameister; EM-Silber mit dem Team; Gold und Silber bei der U23-Weltmeisterschaft; neun Weltcupsiege im Einsitzer. |
Besonders emotional blieben für ihn aber nicht nur die Medaillen selbst, sondern alles rundherum. "Die Party im Österreich-Haus mit meiner Familie und den Teamkollegen war unglaublich. Das war ein wunderschöner Moment."
Alles begann vor 20 Jahren
Begonnen hatte alles vor rund 20 Jahren in Bludenz. Nachbar und VRV-Präsident Manfred Heinzelmaier brachte den damals Siebenjährigen zum RC Bludenz. "Die Geschwindigkeit hat mich sofort fasziniert", erinnert sich Müller. Schon früh galt er als großes Talent, gewann in der Saison 2015/16 den Juniorenweltcup sowie später U23-WM-Gold, ehe er am 2. Dezember 2016 in Lake Placid (USA) sein Weltcupdebüt feierte.
Der erste Weltcupsieg des Bludenzers folgte am 24. November 2019 in Innsbruck-Igls. Insgesamt gewann Müller neun Weltcuprennen im Einsitzer. Über allem stehen für ihn jedoch die beiden Silbermedaillen von Cortina. "Mein größter Erfolg", sagt Müller.
Besonders prägend waren für ihn auch die Jahre mit seinem Bruder Yannick. Gemeinsam wohnten die beiden in Innsbruck und reisten zusammen um die Welt. "Es war extrem cool, immer mit seinem Bruder unterwegs zu sein", sagt Müller. Überhaupt sei aus dem Team längst mehr geworden als nur eine Trainingsgemeinschaft: "Wir sind Freunde fürs Leben geworden."
Zeit für Familie, Freunde und Golf
Nicht fehlen werde ihm dagegen, "dass man um 6.30 Uhr an der Bahn stehen muss", sagt er lachend. Während das Team bereits wieder mit dem Flacheistraining begonnen hat, freut sich Müller erstmals auf einen Winter ohne Leistungsdruck. Pläne für seinen ersten Tag im offiziellen Ruhestand hat er bereits: "Ich werde ganz entspannt golfen gehen."
Wie seine Zukunft konkret aussehen wird, ist noch offen. Als Heeressportler des Bundesheeres möchte er sich in den kommenden Monaten Gedanken über die berufliche Zukunft machen. "Ich muss mir anschauen, welche Möglichkeiten es gibt." Dem Rodelsport will Müller aber verbunden bleiben. "Vielleicht nicht sofort als Trainer, aber der Sport wird immer ein Teil meines Lebens bleiben."
(VOL.AT)