Pflegebedarf in Vorarlberg explodiert – SPÖ kritisiert Ausbildungs-Kürzung
Pflegebedarf in Vorarlberg steigt deutlich
Der Pflegebedarf im Land nimmt weiter zu. Laut dem aktuellen Vorarlberger Statistikbericht "Betreuung und Pflege" nutzten im Jahr 2024 fast ein Drittel der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger über 75 Jahre zumindest einen Pflege- oder Betreuungsdienst. Insgesamt waren rund 16.000 Menschen im Pflegesystem des Landes erfasst – bei etwa 412.000 Einwohnern. Seit 2022 steigt diese Zahl laut Bericht jährlich um rund 2,5 Prozent.
Rund zwei Drittel der betreuten Personen sind Frauen. Der überwiegende Teil der Pflege erfolgt weiterhin zu Hause, vor allem durch Hauskrankenpflege und mobile Hilfsdienste.
SPÖ: Pflege als zentrale soziale Herausforderung
Für die SPÖ Vorarlberg zeigen die Zahlen einen klaren Handlungsbedarf. Klubobmann Mario Leiter betont, dass Pflege weit mehr sei als eine statistische Größe. Es gehe um Würde im Alter, um die Entlastung von Angehörigen und um ein System, das langfristig verlässlich funktionieren müsse.
Neben dem Ausbau von Pflegeplätzen brauche es vor allem mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und eine nachhaltige Finanzierung. Auch niederschwellige Unterstützungsangebote in den Gemeinden müssten weiter gestärkt werden, um ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Kritik an Streichung von Ausbildungszuschüssen
Kritik übt die SPÖ an einer Entscheidung der Landesregierung: In der Landtagssitzung am Mittwoch lehnten ÖVP und FPÖ einen SPÖ-Antrag ab, mit dem die Kürzung eines freiwilligen Landesbeitrags für Pflegeausbildungen verhindert werden sollte.
Der Zuschuss wird mit Beginn des Schuljahres 2025/2026 gestrichen. Betroffen sind unter anderem Schüler der Höheren Lehranstalt für Pflege und Soziales (HLPS) sowie der Fachschule für Sozialberufe Gesundheit und Pflege (FSGP) am Institut St. Josef in Feldkirch.
Mehrkosten für Familien befürchtet
Bislang erhielten die Schüler während der gesamten Ausbildungsdauer finanzielle Unterstützung von Land und Bund. Künftig bleibt nur noch der bundesgesetzlich vorgesehene Zweckzuschuss während der Pflichtpraktika in der vierten und fünften Klasse. Für die ersten drei Ausbildungsjahre entfällt die finanzielle Unterstützung, obwohl weiterhin Schulgeld zu bezahlen ist.
Die SPÖ rechnet für Betroffene mit einer Mehrbelastung von mehreren Tausend Euro. Kritisch sieht die Partei zudem, dass andere Ausbildungswege – etwa zur Pflegefachassistenz – weiterhin mit mindestens 600 Euro monatlich über die gesamte Ausbildungsdauer gefördert werden.
Warnung vor Engpässen im Pflegebereich
Aus Sicht der SPÖ sei diese Ungleichbehandlung nicht sachlich begründbar und angesichts des steigenden Pflegebedarfs problematisch. Die Kürzung schwäche eine wichtige Einstiegsmöglichkeit in den Pflegeberuf, so die Kritik.
Mario Leiter warnt, dass der steigende Pflegebedarf kein Zukunftsszenario mehr sei, sondern bereits Realität. Um einen weiteren Personalmangel zu verhindern, müsse die Politik frühzeitig handeln und den Pflegebereich gezielt stärken.
(VOL.AT)