Pflock, Kruzifix und Weihwasser: Museum zeigt echtes Vampirjäger-Kit
Auf den ersten Blick wirkt er wie ein ganz gewöhnlicher Geigenkasten. Doch der Inhalt hat es in sich: Holzpflöcke in verschiedenen Größen, ein Kruzifix, ein Gebetbuch, sogar Weihwasser – all das findet sich in einem neu ausgestellten Objekt im Forensischen Museum der Medizinischen Universität Breslau.
Seit Jänner ist dieses skurrile Vampirjäger-Set öffentlich zugänglich und sorgt nicht nur bei Gruselfans für Aufsehen. "Das Interesse ist groß", sagt der Kurator Jędrzej Siuta. "Viele Besucher können kaum glauben, dass so etwas tatsächlich einmal in Umlauf war."
Zwischen Aberglaube und Sammlerleidenschaft
Ob der Geigenkasten je zum Einsatz kam, ist unklar – wahrscheinlich nicht. Denn laut Experten stammen die meisten sogenannten "vampire killing kits" aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und waren eher Sammlerstücke als echte Werkzeuge gegen das Böse. Auch im Fall des Breslauer Exemplars gehen Fachleute davon aus, dass es nie verwendet wurde.
Doch der Glaube an Vampire ist uralt – und durchaus ernst gemeint. Besonders im 18. Jahrhundert verbreiteten sich in Teilen Südosteuropas regelrechte Vampir-Panik-Wellen. In Serbien etwa kam es zu spektakulären Aktionen: Gräber wurden geöffnet, Leichen mit Pflöcken durchbohrt und anschließend verbrannt. Die Menschen waren überzeugt, sich auf diese Weise vor den Angriffen untoter Blutsauger schützen zu müssen.
Dracula als Auslöser eines Trends
Für den weltweiten Boom des Vampir-Mythos sorgte schließlich ein literarisches Werk: Bram Stokers Roman "Dracula", erschienen 1897. Der irische Autor schuf mit seiner Figur des transsilvanischen Grafen das Urbild des modernen Vampirs – elegant, gefährlich und unsterblich. Der Erfolg des Buchs führte zu einer regelrechten Modewelle: Zwischen 1900 und 1920, später auch in den 1950er-Jahren, florierten Vampirgeschichten, Filme und eben auch die dazugehörigen Jagdsets.
Kurator Siuta erklärt: "Diese Kästchen spiegeln den Zeitgeist. Sie zeigen, wie sich Menschen das Übernatürliche vorgestellt haben – und wie stark der Einfluss von Literatur und Popkultur auf solche Vorstellungen war."
Historischer Kitsch oder Kulturgut?
Jonathan Ferguson vom Royal Armouries Museum in Leeds hat sich intensiv mit diesen Vampirjäger-Sets beschäftigt. Sein Fazit: Die meisten seien im 20. Jahrhundert aus rein dekorativen Gründen zusammengestellt worden. Dennoch haben sie musealen Wert. Denn sie dokumentieren, wie Mythen durch Medien, Popkultur und menschliche Fantasie lebendig gehalten – und manchmal auch materialisiert – wurden.
Dass nun ein solches Set in einem forensischen Museum ausgestellt wird, ist also keineswegs skurril, sondern aufschlussreich. Denn es erzählt nicht nur von Aberglauben und Horror, sondern auch von der menschlichen Sehnsucht, das Unbekannte fassbar zu machen – notfalls mit einem Pflock, einem Kruzifix und einer ordentlichen Portion Weihwasser.
(VOL.AT)