Noch arbeitet die 29-jährige Bianca im Service im Gasthaus Krone in Hittisau. Bis Ende Mai bleibt sie dort – dann zieht es sie gemeinsam mit ihrem 21-jährigen Bruder auf die Alpe Kanis in Mellau. Dort übernehmen die beiden erstmals die Verantwortung für den gesamten Betrieb.
Die Aufgaben sind klar verteilt: Er kümmert sich um Kühe und Käse, sie um die Bewirtung. Erfahrung bringen beide mit – doch wie viele Gäste tatsächlich kommen und wie der Sommer verläuft, lässt sich kaum abschätzen. Im VOL.AT-Interview spricht sie über ihre Gefühle und Gedanken zu dem, was kommt.
Ein Sommer in eigener Verantwortung
Ab Juni beginnt für Bianca und ihren Bruder ein neues Kapitel auf der Alpe. Dass das kein gewöhnlicher Job ist, weiß sie selbst. Zwar hat sie eine Ausbildung in der Hotelfachschule Bezau gemacht und Erfahrung im Service, doch einen solchen Betrieb eigenständig zu führen, ist eine andere Dimension. "Das Kalkulieren und Planen haben wir so noch nie gemacht."
Finanzielles Risiko
Der Alpsommer bringt nicht nur viel Arbeit, sondern auch finanzielle Unsicherheit. Während Einnahmen aus der Bewirtung direkt kommen, lässt der Käseverkauf auf sich warten. "Es ist auf jeden Fall eine Vorleistung", erklärt Bianca. Trotzdem gehen die Geschwister den Schritt bewusst – ohne Absicherung. "Plan B gibt es nicht." Besonders herausfordernd sei die fehlende Planbarkeit. Wie viele Gäste tatsächlich kommen, lässt sich kaum einschätzen. "Wir hoffen einfach, dass viele kommen", sagt sie.
Einige Stationen bisher
Der Weg hin zum Alpsommer war bisher alles andere als typisch. Nach ihrer Ausbildung an der Hotelfachschule Bezau war Bianca zuletzt in einem Steuerbüro tätig. Danach wollte sie etwas anderes machen. Ein prägender Moment war ein Aufenthalt in Kenia. Dort arbeitete sie mit beeinträchtigten Kindern – eine Erfahrung, die ihren Blick auf die eigene Zukunft verändert hat. Nach dem Alpsommer möchte Bianca eine neue Richtung einschlagen. Ab Herbst plant sie eine Ausbildung, entweder im sozialen Bereich oder im Lehramt.
Die Gastronomie will sie dennoch nicht ganz hinter sich lassen. Gerade die Kombination aus verschiedenen Lebenswelten sieht sie als Chance. "Das lässt sich gut verbinden." Bis dahin liegt der Fokus aber auf dem bevorstehenden Sommer. Auf der Alpe Kanis wollen die Geschwister zeigen, dass sich Mut auszahlen kann – auch ohne Plan B.
(VOL.AT)