AA

Polizeischüsse in Vorarlberg: Die dokumentierten Fälle der letzten 15 Jahre

©VOL
©VOL.AT/Pletsch

Bei einem Polizeieinsatz in Bregenz wurden am Samstag ein 24-Jähriger und ein Polizist verletzt. Eine VOL.AT-Auswertung zeigt: Schussabgaben durch Polizisten im Einsatz sind in Vorarlberg glücklicherweise die Ausnahme.

In den vergangenen 15 Jahren sind in Vorarlberg mindestens zehn Polizeieinsätze öffentlich dokumentiert, bei denen Menschen oder Fahrzeuge unmittelbar von einer Schussabgabe betroffen waren. Zwei Einsätze endeten tödlich.

Viermal richteten sich die Schüsse unmittelbar gegen Personen, fünfmal wurde auf Fahrzeuge oder Fahrzeugteile gefeuert. Bei einer weiteren Verfolgung gab ein Polizist einen Warnschuss ab.

Nicht berücksichtigt wurden Schüsse auf Tiere, technische Gegenstände, unbeabsichtigte Schussabgaben und reine Signalschüsse ohne unmittelbaren Bezug zu einer Person oder einem Fahrzeug.

Jüngster Fall am Bregenzer Pfänderweg

Der aktuellste Vorfall ereignete sich am 25. Juli 2026 in Bregenz. Die Polizei war gegen Mittag zu einem Wohnhaus am Pfänderweg gerufen worden. Ein 24-Jähriger soll dort seine Mutter bedroht haben. Aufgrund der Situation wurde das Einsatzkommando Cobra beigezogen.

Nach bisherigem Ermittlungsstand soll bei dem Vorfall auch ein Messer im Spiel gewesen sein. Ein speziell geschulter Beamter versuchte demnach zunächst über längere Zeit, die Situation zu deeskalieren. Als sich die Aggression des Mannes zunehmend gegen die Einsatzkräfte gerichtet habe und er einen Beamten mit dem Messer bedroht haben soll, gab ein Cobra-Polizist zumindest einen Schuss auf den 24-Jährigen ab. 

Der Verdächtige wurde verletzt in das Landeskrankenhaus Feldkirch gebracht. Sein Zustand wurde am Sonntag als stabil bezeichnet. Auch ein Cobra-Beamter erlitt leichte Verletzungen. Ob es sich dabei um jenen Polizisten handelt, der geschossen hatte, wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

Die Ermittlungen zum Schusswaffengebrauch laufen. Gleichzeitig wird geprüft, ob sich der 24-Jährige in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben könnte. Der Geisteszustand des Mannes werde abgeklärt, erklärte die Leiterin der Staatsanwaltschaft Feldkirch. 

Zwei Einsätze endeten tödlich

©VOL.AT/Rauch

Am 6. November 2017 wurde die Polizei zu einer Wohnung in Lauterach gerufen. Die Lebensgefährtin eines schwer alkoholisierten 51-Jährigen hatte angegeben, von dem Mann bedroht worden zu sein. Laut Polizei hantierte er mit einem Messer und ging nach dem Eintreffen der Beamten auf einen Polizisten los.

Der Beamte gab vier Schüsse ab, drei trafen den 51-Jährigen. Der Mann starb noch während der Erstversorgung. Die Ermittlungen wurden – wie bei Polizeischüssen in Vorarlberg üblich – von Beamten aus einem anderen Bundesland geführt. Im September 2018 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Polizisten ein. Sie bewertete den Schusswaffengebrauch als gerechtfertigt. 

Der zweite tödliche Polizeieinsatz ereignete sich am 29. August 2021 in Dornbirn. Zwei Polizisten waren wegen einer von Nachbarn gemeldeten Lärmbelästigung zu einem Wohnhaus gerufen worden. Im Stiegenhaus soll ein 39-Jähriger mit einem Messer auf die Beamten losgegangen sein.

Einer der Polizisten zog seine Dienstwaffe und schoss zweimal. Trotz Reanimationsversuchen starb der Mann noch am Einsatzort. Auch in diesem Fall wurde das Verfahren später eingestellt. Der Waffengebrauch habe sich „als gerechtfertigt erwiesen“, erklärte die Staatsanwaltschaft im April 2022. 

Bürs: Ein Projektil durchschlug beide Fersen

Ein weiterer direkter Schuss auf eine Person fiel in der Nacht auf den 29. März 2017 in Bürs. Ein alkoholisierter 24-Jähriger hatte zuvor mit seinem Auto mehrere Schäden verursacht und sich anschließend einer Polizeikontrolle widersetzt.

Nach Darstellung des beteiligten Polizisten fuhr der Mann in einer Tiefgarage auf ihn zu. Der Beamte habe befürchtet, zwischen dem Fahrzeug und einem Betonpfeiler eingeklemmt zu werden. Er gab einen Schuss auf den Lenker ab. Das Projektil durchschlug beide Fersen des 24-Jährigen, der dennoch zunächst weiterfuhr und später im Krankenhaus operiert werden musste. 

Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen den Polizisten noch im selben Jahr ein. Der Schusswaffengebrauch sei angesichts der drohenden Gefahr für den Beamten gerechtfertigt gewesen. 

Fünfmal fielen Schüsse auf Fahrzeuge

Dornbirn, 3. Juni 2014: Bei einem Cobra-Zugriff an der Messeparkkreuzung sollte ein als gefährlich eingestufter mutmaßlicher Drogendealer festgenommen werden. Als der Wagen verkehrsbedingt anhielt, machte der 50-Jährige laut Polizei eine schnelle Bewegung im Fahrzeuginneren. Ein Cobra-Beamter schoss durch das Seitenfenster auf das Armaturenbrett.

Der Schuss sollte nach Polizeiangaben psychischen Druck ausüben und zugleich das Öffnen der verschlossenen Fahrzeugtür ermöglichen. Der Verdächtige wurde durch einen Glassplitter leicht an der Schulter verletzt. Bei der Durchsuchung stellte sich heraus, dass er unbewaffnet war. Die Staatsanwaltschaft prüfte den Vorfall und stellte das Verfahren Anfang 2015 ein. Der Schuss wurde als gerechtfertigt beurteilt. 

Wolfurt, 23. August 2015: Ein 47-Jähriger bedrohte zunächst Polizisten in der Polizeiinspektion und später auf einem Vorplatz mit einem Messer. Pfefferspray zeigte laut Polizei keine Wirkung. Der Mann setzte sich in ein Dienstfahrzeug, konnte es wegen des abgezogenen Schlüssels jedoch nicht starten und ging anschließend erneut mit dem Messer auf die Beamten zu.

Ein Polizist gab daraufhin einen gezielten Warnschuss auf die hintere Felge des Dienstwagens ab. Dadurch sollten Querschläger und eine Gefährdung weiterer Personen verhindert werden. Polizeisprecherin Susanne Dilp bezeichnete den Schuss in dieser konkreten Situation als „die Möglichkeit der Wahl“. Verletzt wurde niemand. Der Mann wurde später bei einer Tankstelle festgenommen, nachdem er sich mit Benzin übergossen und gedroht hatte, sich anzuzünden. 

Rankweil und Feldkirch, 28. November 2015: Ein alkoholisierter 21-Jähriger flüchtete mit einem bereits beschädigten Auto vor einer Polizeistreife. Im Wagen befand sich eine 20-jährige Beifahrerin. Als diese bei einem kurzen Halt aussteigen wollte, fuhr der Lenker erneut los.

Ein Polizist schoss zweimal auf den rechten Hinterreifen. Der Beamte musste anschließend zur Seite springen, um nicht vom Fahrzeug erfasst zu werden. Der Fahrer setzte seine Flucht fort, rammte Polizeifahrzeuge und touchierte einen Landbus. Erst ein quer gestellter Streifenwagen in Feldkirch-Gisingen stoppte die Fahrt. Ein Polizist wurde bei der abschließenden Kollision leicht verletzt. 

Alberschwende, 21. Juli 2023: Eine 54-Jährige flüchtete mit einem als unterschlagen gemeldeten Auto von Bayern über Balderschwang und Hittisau nach Vorarlberg. Zwischen Hittisau und Alberschwende soll sie mehrfach riskant überholt, Anhalteversuche ignoriert und mehrere Fahrzeuge seitlich gestreift haben.

Bei einem Anhalteversuch in Alberschwende gab ein österreichischer Polizist mehrere Schüsse auf das verkehrsbedingt stehende Fluchtfahrzeug ab. Die Frau setzte ihre Fahrt dennoch fort. Nachdem deutsche Polizisten sie am Ortsausgang zum Anhalten gezwungen hatten, soll sie erneut gegen Polizeifahrzeuge und Beamte losgefahren sein. Ein deutscher Polizist schoss daraufhin aus kurzer Entfernung auf einen Vorderreifen. Die Lenkerin wurde von den Schüssen nicht verletzt. 

Bregenz und Hard, 27. August 2023: Nach Schüssen auf die Eingangstür eines Bregenzer Mehrparteienhauses fahndete die Polizei nach mehreren Verdächtigen. Am Abend versuchten Beamte, zwei flüchtende Autofahrer anzuhalten.

Einer der Lenker fuhr auf Höhe der Harder Brücke laut Polizei auf einen Beamten zu und verringerte seine Geschwindigkeit nicht. Die Polizisten gaben zunächst Warnschüsse und anschließend gezielte Schüsse auf das Fahrzeug ab. Der Wagen wurde wenig später in Bregenz-Vorkloster gestoppt, der Fahrer festgenommen. Nach den ersten Informationen wurde niemand verletzt. 

Warnschuss bei Flucht Richtung Kennelbach

In der Nacht auf den 1. Februar 2023 fiel bei einer Verfolgung in Bregenz ein Warnschuss. Einer Polizeistreife war ein 32-jähriger Autofahrer aufgefallen, der mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit bei Rot über eine Kreuzung gefahren war.

Der Mann ignorierte die Anhaltezeichen, flüchtete mit dem Auto über einen Fahrradweg in Richtung Kennelbach und setzte seine Flucht anschließend zu Fuß fort. Auf einem Firmengelände sprang er über ein geschlossenes Rolltor. Auch der Warnschuss eines Polizisten brachte ihn nicht zum Stehen.

Der 32-Jährige versteckte sich schließlich am Ufer der Bregenzer Ache. Mithilfe einer Wärmebildkamera wurde er gefunden und festgenommen. Verletzt wurde bei dem Einsatz niemand. 

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Vorarlberg
  • Polizeischüsse in Vorarlberg: Die dokumentierten Fälle der letzten 15 Jahre