Neue Technik für besseres Hören
An der HNO-Abteilung des LKH Feldkirch ist im Jänner erstmals ein sogenanntes OSIA-Implantat eingesetzt worden. Dabei handelt es sich um ein modernes Knochenleitungshörgerät, das Schall nicht über den klassischen Weg durch Gehörgang und Mittelohr überträgt, sondern direkt über den Schädelknochen an das Innenohr weiterleitet.
Zum Einsatz kommt dabei piezoelektrische Technik: Elektrische Energie wird in feine mechanische Schwingungen umgewandelt. Diese gelangen direkt ins Innenohr und sollen dort für eine besonders klare Klangübertragung sorgen – auch bei kombinierter Schwerhörigkeit.
"Das OSIA-System bietet ein exzellentes Sprachverstehen auch bei kombinierter Schwerhörigkeit", sagte Oberarzt Dr. Miklos Horvath, der den Eingriff durchgeführt hat.
Entwicklung hin zu implantierten Systemen
Die Feldkircher HNO-Abteilung verfügt über langjährige Erfahrung mit Hörimplantaten. Seit mehr als 20 Jahren werden dort Cochlea-Implantate eingesetzt, die die Hörschnecke direkt stimulieren. In den vergangenen Jahren kamen zudem Mittelohrimplantate und Knochenleitungshörgeräte hinzu.
Ein wesentlicher Fortschritt liegt laut Krankenhaus darin, dass moderne Systeme – wie das nun eingesetzte OSIA oder das bereits bekannte Bonebridge-System – vollständig unter der Haut liegen. Ältere Modelle benötigten noch eine kleine Öffnung durch die Haut.
Für wen das Implantat geeignet ist
Nicht für alle Betroffenen kommt das System infrage. Laut Primar Prof. Dr. Fabian Sommer, Leiter der HNO-Abteilung, gibt es klare medizinische Kriterien.
"Wir empfehlen es vor allem, wenn ein konventionelles Hörgerät nicht funktioniert", erklärte Sommer. Besonders geeignet sei das System etwa für Patientinnen und Patienten mit einem stark eingeengten oder fehlenden äußeren Gehörgang. Ausgeschlossen sind demnach Fälle mit zu geringer Knochendicke an der Implantationsstelle oder mit erhöhtem Risiko für Wundheilungsstörungen.
Vorteile und Einschränkungen
Im Alltag bringt das Implantat laut den behandelnden Ärzten vor allem Vorteile in der Kommunikation. Das unter der Haut liegende System werde gut vertragen und sei hygienisch. Einen kleinen Nachteil gibt es dennoch: "Im Falle einer Magnetresonanztomographie kann die Bildqualität im unmittelbar benachbarten Kopfbereich beeinträchtigt werden", so Sommer.
Erste Erfahrungen am LKH Feldkirch
Die Erstanpassung beim ersten OSIA-Patienten erfolgte im Februar 2026. Die bisherigen Rückmeldungen fallen laut Krankenhaus positiv aus. "Die Wundheilung ist gut verlaufen und er hört bereits jetzt deutlich besser als mit seinem konventionellen Knochenleitungshörgerät vor der Operation", berichtete Sommer.
Blick in die Zukunft
Die Entwicklung bei implantierbaren Hörsystemen schreitet weiter voran. Ziel sei es, den Tragekomfort und die Alltagstauglichkeit kontinuierlich zu verbessern. "Unser Ziel am LKH Feldkirch ist es, aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen und Medizin nach dem modernsten Stand anzubieten", sagte Sommer.
(VOL.AT)