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Raiffeisenbank im Rheintal: Ein gelöschtes Video, ein schwerer Vorwurf – und viele offene Fragen

Aufsichtsrätin Benedicte Hämmerle und Vorstand Gernot Erne reagieren auf die öffentliche Kritik.
Aufsichtsrätin Benedicte Hämmerle und Vorstand Gernot Erne reagieren auf die öffentliche Kritik. ©handout/privat
Emilia Waanders (VOL.AT) emilia.waanders@russmedia.com
Ein Social-Media-Video der Raiffeisenbank im Rheintal sorgt aktuell für große Aufregung und Kritik. Verharmlost die Bank Gewalt an Frauen? Das Video wurde gelöscht, die Verantwortlichen versprechen umfassende Aufarbeitung.

Der Clip, der auf dem offiziellen Unternehmensaccount veröffentlicht wurde, zeigt einen männlichen Mitarbeiter vor einem Computer. Eingeblendet wird der Satz: "Wenn du einen stressigen Tag hast und einfach etwas schlagen willst." Danach erscheinen mehrere Gegenstände – etwa ein Computer oder ein Drucker – jeweils mit einem eingeblendeten Preis. Weil diese teuer sind, geht der Mann weiter. Schließlich bleibt er vor einer Arbeitskollegin stehen, über ihr steht der Wert "0 Euro". In der nächsten Szene springt der Mann auf sie zu, das Video endet abrupt.

Kritik erreicht Hunderttausende Nutzerinnen und Nutzer

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt der Vorfall durch ein Reaktionsvideo der Content-Creatorin "josischreibt_", die auf TikTok mehr als 400 000 Follower hat. In ihrem Beitrag greift sie das Video der Raiffeisenbank Dornbirn auf und fasst den Inhalt zusammen. Sie erklärt, man könne "eins und eins zusammenzählen" und erkennen, "worauf dieses Video hinaus will".

Screenshot von @josischreibt_ auf TikTok

Screenshot: Jacqueline Scheiber kommentierte das Video auf Insta und brachte den Fall ins Rollen

In sozialen Netzwerken wurde das Video als Verharmlosung von Gewalt an Frauen und als Abwertung von Frauen scharf kritisiert. Die Raiffeisenbank im Rheintal nahm das Video nach eigenen Angaben nach zwei bis drei Stunden offline.

"Nicht mehr korrigierbarer Fehler"

In einem Video-Statement melden sich Aufsichtsrätin Benedicte Hämmerle und Vorstand Gernot Erne zu Wort.

Erne sagt: "Wie Sie sicher schon mitbekommen haben, hat unsere Social-Media-Abteilung einen Videotrend nachgestellt und veröffentlicht, der inhaltlich Gewalt an Frauen verharmlost, ja sogar ins Lächerliche zieht."

Man sei "tief erschüttert und betroffen". Erne entschuldigt sich "im Namen unserer Bank" und spricht von einem "nicht mehr korrigierbaren Fehler". Hämmerle betont auch ihre persönliche Betroffenheit: "Dieses Video macht mich persönlich sehr betroffen. Ich bin erschüttert und sprachlos."

"Ein Fehler, der nicht mehr passieren darf"

Gegenüber VOL.AT erklärte die Raiffeisenbank im Rheintal, es gebe "einen klaren Freigabenprozess innerhalb des Social-Media-Teams", dieser habe in diesem Fall jedoch "nicht funktioniert". Das sei "ein Fehler, der nicht mehr passieren darf".

Die Fragen nach Verantwortlichkeiten, nach einer möglichen Freigabe durch Vorgesetzte sowie nach personellen Konsequenzen beantwortete die Bank mit Verweis auf die laufende interne Aufarbeitung. Auch Überlegungen zu möglichen längerfristigen Markenfolgen seien derzeit "Teil der internen Aufarbeitung".

Aufsichtsrätin Benedicte Hämmerle und Vorstand Gernot Erne in einem Video-Statement der Raiffeisenbank im Rheintal. Screenshot aus dem inzwischen gelöschten Social-Media-Video der Raiffeisenbank im Rheintal.

Schulungen und externe Unterstützung angekündigt

Als Reaktion kündigt die Bank an, sich "zeitnah" mit Gewaltschutzstellen in Verbindung zu setzen, sich "professionell beraten und begleiten" zu lassen und ein Programm zu erstellen, "das alle, natürlich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, erreicht". Hämmerle spricht dabei von "dringendem Handlungs-" und "Nachholbedarf".

Die Bank wolle darüber hinaus "noch mehr tun" und die Situation zum Anlass nehmen, um den Themen "Gewalt an Frauen und Gewaltschutz weiter mehr Sichtbarkeit und mehr Öffentlichkeitsrelevanz zu geben".

"Alles tun, damit so was nie wieder passiert"

Auf die Frage, welche Maßnahmen bereits fix beschlossen seien, erklärte die Raiffeisenbank im Rheintal gegenüber VOL.AT: "Alles fix geplant und wird gerade in die Wege geleitet." Umgesetzt werden soll das laut Bank "so zeitnah wie möglich unter Einbeziehung möglichst aller Kolleginnen und Kollegen".

Zur öffentlichen Reaktion heißt es, man habe "Verständnis, dass dieses Video klare Gegenreaktionen ausgelöst hat" und wolle "nun alles tun, damit so was nie wieder passiert". Rückmeldungen nehme man "sehr ernst".

Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann dies laut Bank per E-Mail tun: dialog.dornbirn@raiba.at.

(VOL.AT)

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