Premiere über dem Bodensee: In der Fernsehgondel am Muttersberg war erstmals ein Rapper zu Gast. Der junge Musiker Kelvin spricht über seine Musik, seine Wurzeln zwischen Vorarlberg und Nigeria - und warum Rap für ihn „alles“ sein kann.
Rap über den Wolken
So etwas gab es in der „Fernsehgondel“ noch nie: Statt Volksmusik oder Talk-Gästen aus der Region sitzt plötzlich ein Rapper in der Gondel. Kelvin, Schüler aus Bregenz, ist sichtlich entspannt - auch wenn er für den Auftritt sogar einen Schultest sausen ließ. Die Schule habe ihm freigegeben, erzählt der junge Musiker lachend.
Auf die Frage, ob er das typische Rapper-Klischee erfüllen würde, antwortet Kelvin: „Schon ein bisschen, aber ich habe auch andere Motive, wenn ich rappe.“ Dazu gehört, dass er nicht nur rappt, sondern auch singt. Abwechslung sei ihm wichtig, „die ganze Zeit dasselbe zu machen, wäre langweilig“.
Von Michael Jackson zu Melodic Rap
Seine musikalischen Vorbilder liegen quer durch die Genres. Als Kind habe ihn Michael Jackson fasziniert, erzählt Kelvin. Wirklich zum Rap gebracht habe ihn aber der Künstler Ken Carson. Heute bewegt er sich zwischen Melodic Rap und Underground-Sounds.
Was Rap für ihn eigentlich ist? „Rap kann alles sein“, sagt er überzeugt. Auch Gesang mit rhythmischem Wortfluss gehöre dazu. Underground Rap etwa breche bewusst mit Erwartungen: „Das erfüllt nicht das typische Klischee von einem normalen Rapper.“
Gefühle, Liebe und der eigene Flow
Inhaltlich greift Kelvin auf das zurück, was ihn gerade beschäftigt. Geht es ihm nicht gut, fließt das in die Musik ein. Geht es ihm gut, genauso. Liebe ist eines seiner zentralen Themen, Herzschmerz ein mögliches - aber kein Muss. „Ich bin halt nicht immer traurig“, sagt er offen. Seine Musik solle man einfach gern hören.
Dass das gelingt, zeigt seine wachsende Community. Fans identifizieren sich nicht nur mit seinen Songs, sondern auch mit ihm als Person.
Zwischen Vorarlberg und Nigeria
Kelvin hat nigerianische Wurzeln, geboren wurde er in Wien. Heute lebt er mit seiner Mutter in Bregenz. Der Umzug habe berufliche Gründe gehabt, erzählt er: Sein Vater fand hier Arbeit. Die Mentalität im Ländle? „Der Dialekt ist schon speziell“, sagt Kelvin schmunzelnd - verstehen kann er ihn aber gut.
Seine Familie in Nigeria besucht er normalerweise einmal im Jahr zu Weihnachten. Musik liegt jedenfalls in der Familie. Der Bruder seines Großvaters spielt oft auf Hochzeiten.
Ein junger Künstler mit großen Plänen
Am Ende der Fahrt über den Wolken bleibt der Eindruck eines reflektierten jungen Musikers, der weiß, was er will - und sich trotzdem nicht festlegen lässt. Kelvin möchte seine Gedanken leben, seine Welt zeigen.
Die Rap-Premiere in der Fernsehgondel ist geglückt - und Kelvin hat gezeigt, dass seine Musik und seine Geschichte weit über Vorarlberg hinausreichen. (LÄNDLE.TV)