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Rathaus Bregenz mit feministischem Touch

Das Rathaus Bregenz wird zum Kunstprojekt.
Das Rathaus Bregenz wird zum Kunstprojekt. ©Stadt Bregenz Das Rathaus wird zum Kunstprojekt. ©Udo Mittelberger
Zum ersten Mal präsentiert die Tiroler Künstlerin Katharina Cibulka ihr seriell angelegtes Kunstprojekt „SOLANGE“ in Vorarlberg.

Nach erfolgreichen Installationen in Wien, Salzburg, Klagenfurt, Wörgl, Innsbruck und Landeck sowie in Italien, Slowenien und Marokko wird ihre Baustellen-Kunst nun auch in Bregenz zu sehen sein – am Baugerüst des Rathauses während der dort stattfindenden Umbau- und Sanierungsarbeiten.

Rathaus als "Baustelle"

Am Montag (30.8.) wurde an der eingerüsteten Fassade des Rathauses in Bregenz ein mit pinkem Tüll besticktes Baustellen-Netz mit der Aufschrift „Solange Gleichstellung nicht Deine Lieblingsstellung ist, bin ich Feminist:in“ montiert. Die offizielle Übergabe erfolgte in Anwesenheit von Bürgermeister Michael Ritsch, Vizebürgermeisterin Sandra Schoch, Kulturstadtrat Michael Rauth, der Künstlerin und anderen.

Seit 2018 beschäftigt sich Cibulka mit der Frage, wie lange man den Feminismus noch brauchen wird. Ihre im traditionellen Kreuzstich von Hand gefertigten SOLANGE-Sätze sollen nach wie vor bestehende Missstände benennen. Dabei ist Cibulka wichtig, dass ihre Slogans frei von Anklage sind: „Meine Intention ist das Sichtbarmachen von gesellschaftspolitischen Schieflagen und das Sensibilisieren. Es geht mir nie um Schuldzuweisung, auch nicht um ein Verharren im Täter-Opfer-Denken, sondern um Anregung zur Diskussion. Eine Prise Humor kann dabei ein hilfreiches Werkzeug sein.“

Aufgrund der aktuellen Zahlen im kürzlich erschienenen Vorarlberger Gleichstellungsbericht 2021, in dem der Frauenanteil in Führungspositionen gering, in Fragen der Karenz und Pflege jedoch frappant hoch ist, meinte die Künstlerin mit einem Augenzwinkern: „Da scheint mir ein Stellungswechsel mehr als angebracht.“ Für Cibulka sind feministische Forderungen kein Frauenthema. Sie sollen viel mehr gesellschaftspolitisch relevante Probleme aufzeigen, deren Lösung alle interessieren sollte.

Gleichberechtigung: Politik und Wirtschaft gefragt

Darüber hinaus seien natürlich auch Politik und Wirtschaft gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Ohne flexiblere Arbeitszeitmodelle, ein Schließen der Gehaltsschere und zusätzliche Kinderbetreuungseinrichtungen werde sich die Situation nicht so schnell ändern, so die Künstlerin. Cibulka sieht ihre „Kunst im öffentlichen Raum“-Installationen nie losgelöst vom Kontext des Gebäudes und der Location. Insofern bildet der Ort, an dem der neue SOLANGE-Satz montiert wurde, eine wunderbare Synthese: „Ein Rathaus ist ein Ort, an dem man sich Rat holen kann, also eine Servicestelle für alle Bürger:innen dieser Stadt, gleichzeitig aber auch ein Haus, in dem beratschlagt wird, wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Der Umbau soll dem Zweck dienen, dieses Haus weiter zu öffnen, barrierefreier zu machen. SOLANGE wird während der Bauphase mit weichem pinkem Tüll und Gleichstellungsmessage von außen nach innen und vice versa seine Wirkung entfalten.“

Stimmen zum Projekt

„Das Bregenzer Rathaus ist nicht nur geographisch, sondern auch in seiner Funktion eines der zentralen Gebäude unserer Stadt. Daher ist es nur folgerichtig, dass es im Zuge der Neugestaltung mehrerer Straßen im Stadtzentrum nun saniert wird. In einem Jahr, in dem das Thema ‚Femizide‘ sehr stark thematisiert wurde, halte ich eine solche Fassadenabdeckung für eine wichtige Botschaft“, meinte Bürgermeister Michael Ritsch in seiner Stellungnahme. 

„Das Projekt wurde von der neuen städtischen Dienststelle ‚Frauenservice, Gleichstellung, LGBTIQ+ und Integration‘ initiiert, welche dieses Jahr ihre Arbeit aufgenommen hat. Als zuständige Stadträtin setze ich mich gemeinsam mit der neuen Stelle für die Gleichstellung aller Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen ein“, so Vizebürgermeisterin Sandra Schoch. „Wir haben in einem breit angelegten Beteiligungsprozess die Wünsche der Bregenzer Bürger:innen an die neue Dienststelle erhoben. Dies bildet die Basis für unsere zukünftige Arbeit.“ Einzusehen sind die gewonnen Erkenntnisse unter vorarlberg.mitdenken.online.

Und Stadtrat Michal Rauth dazu: „Der Kulturservice der Stadt Bregenz realisiert heuer einige Interventionen im öffentlichen Raum: ‚ROUND 72‘ (Angelo Roventa), ‚Rette sich wer kann‘ (Karl-Heinz Ströhle) oder auch den Bauzaun der Vorarlberger Landesversicherung mit ‚Hoffnung kommt aus Bregenz‘ (Franz Kafka). Mit Katharina Cibulka und ihrer Fassadenkunst am Baustellennetz des Rathauses erfolgt nun eine künstlerisch-politische Intervention, die auf nach wie vor bestehende Missverhältnisse in unserer Gesellschaft hinweist.“ 

(VOL.AT)

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